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Essen mitnehmen: Zu Ostern werden Wirte wegen Corona in Fränkischer Schweiz kreativ

Schnitzel heiß aus dem Fenster - In Corona-Krise werden Wirte aus der Fränkischen Schweiz kreativ - 11.04.2020 12:25 Uhr

Essen zum Mitnehmen - Martin Hofmann vom Brauerei-Gasthof Hofmann in Hohenschwärz bei der Essensausgabe am Küchenfenster.

08.04.2020 © Petra Malbrich


Schon nach einigen Tagen kann von einem Erfolg gesprochen werden, was als eine solidarische Geste der Menschen aus den Orten gewertet wird. „Das Signal, wir halten zusammen, hat gut getan", erklärt Ute Merz vom Restaurant Schwanenbräu aus Ebermannstadt.


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Trotzdem ist das nicht ganz einfach zu managen. „Die fränkische Küche ist nicht das Essen zum Mitnehmen", sagt Martin Hofmann vom Hofmann Brauereigasthof in Hohenschwärz und spricht damit seinen Berufskollegen teils aus der Seele. Hauptsächlich Braten und Karpfen hat deshalb auch Elisabeth Pfister vom Brauerei Gasthof Pfister in Weigelshofen im Angebot.

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„Das ist besser zu handlen als Steak", findet die Wirtschefin. Auch sie war in der ersten Woche nach Bekanntgabe der Ausgangsbeschränkung geschockt. Aber die Gefriertruhe war voll und so überlegte sich das Ehepaar, wenigstens sonntags ein Essen anzubieten. Das Ergebnis war sagenhaft „Wir waren überwältigt von der Menge. Es kamen hauptsächlich Leute aus dem Ort", freut sich Pfister über diese unglaubliche Solidaritätsgeste.

Lieferant freut sich auch

Tatsächlich hatte das Essen nicht gereicht, so dass die Pfisters dazukaufen mussten. Das kam wiederum auch dem Lieferanten zugute. „Die Lieferanten haben auch zu kämpfen", ergänzt Elisabeth Pfister. Denn die Wanderer und Ausflugsgäste, die doch einen Großteil der Gaststättenbesucher ausmachten, fallen weg.

Im Gasthof Pfister sind die Köche Lorenz Pircher und Burkhard Spies und der Küchenhelfer Dominik Roppelt im Einsatz.

08.04.2020 © Privat


Die Menschen, die sich für das Essen zum Mitnehmen entschieden hatten, konnten so gleich mehrmals helfen. Die Behälter für die Gerichte bringen die Kunden selbst mit und holen ihr Essen zeitlich versetzt ab, damit nicht zu viele Leute in der Gaststube sind.

Ausreichend Abstand wird ohnehin eingehalten. Doch Pfisters bieten mit dem Lieferservice noch einen weiteren Vorteil, damit die Kunden ihr Essen einfach und sicher genießen können. „Sie stellen den Korb mit Geld vor die Haustüre, wir stellen das Essen rein und klingeln", sagt Pfister. Völlig kontaktlos können die Menschen ihren Sonntagsbraten in Empfang nehmen.

Heldenaktion gestartet

Auch Ute Merz und ihre Mutter Helga Dotterweich vom Restaurant Schwanenbräu in Ebermannstadt mussten nach der Ansage Ausgangsbegrenzung in einen neuen Alltag finden. Was kann man machen, was ist sinnvoll, waren die Fragen, die den Überlegungen zugrunde lagen. Denn Essen abzuholen ist doch nicht die Regel.
Vergangenen Sonntag starteten sie deshalb die Heldenaktion.

Zwei Essen holen, ein Essen bezahlen, wenn das Essen für den Alltagshelden ist. Das sind die Pflegekräfte, die Kassiererinnen, die Polizei oder die Feuerwehr. So hat ein Mann ein Gericht für sich und seine Ehefrau, eine müde Krankenschwester, geholt. Deren Essen war kostenlos. Diese Aktion wurde gut angenommen. Ansonsten musste probiert werden.

Situation ist schwierig einzuschätzen

Samstagmittag zu öffnen, wurde nicht gut angenommen, weshalb Ute Merz nun die Öffnung für das Essen zum Mitnehmen auf Freitag und Samstagabend legt. Sonntagmittag natürlich auch. Eine Vorbestellung wäre wünschenswert, damit die Gaststättenbesitzer ein bisschen planen können.

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„Die Situation ist schwierig einzuschätzen. Wir können aber nicht alle Gerichte, die sonst auf der Karte sind, anbieten", sagt Merz. Denn einige der Gerichte sind keine guten "Take aways", weshalb vermehrt auf Braten gesetzt wird. Auch zum Vorteil der Kunden. „Ein Braten ist schneller aufgewärmt", sagt Merz.

Die Öffnungszeiten und die aktuellen Gerichte werden jedenfalls auf der Homepage, auf Facebook und Instagram gestellt und aktualisiert. Möglicherweise wird im Restaurant Schwanenbräu auch nach der Ausgangsbeschränkung Essen geholt werden können. „Wir würden das weitermachen, wenn die Nachfrage da ist. Denn ich glaube nicht, dass es von Null auf Hundert geht. Vielleicht dürfen wir wieder nur mit 30 Leuten in der Gaststätte beginnen", nennt Merz ihre Überlegungen für die Zeit nach Corona.

Krautwickel sind der Hit

Auch Martin Hofmann vom gleichnamigen Brauerei-Gasthof in Hohenschwärz hat diesen Abholservice aus der Not heraus entstehen lassen. Der besseren Planung wegen stehen nur zwei Gerichte auf der Speisekarte: Schäufala und Krautwickel und Schälrippchen und Krautwickel. „Man merkt, die Leute haben wieder Lust auf ein Schäufala", sagt Hofmann anhand der vielen Vorbestellungen. Denn auch das ist der besseren Planung wegen gewünscht.

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Welches der Gerichte es gerade gibt, kann im Internet oder telefonisch nachgefragt werden. Der Verkauf läuft über das Küchenfenster, das zum Parkplatz zeigt. Das Geschirr müssen die Kunden selbst mitbringen. „Das ist umweltschonender", findet Hofmann. Und da er mit Bier aus seiner Brauerei auch das Volksfest in Nürnberg oder das Frühlingsfest beliefert hätte, wird auch Fassbier zum Mitnehmen angeboten.

„Wie früher mit dem Milchkännchen" erinnert sich Hofmann. Ein Liter Bier kostet 1,50 Euro, ob hell oder dunkel. Auch Hofmann erkennt an den Bestellungen der Leute aus dem Ort viel Solidarität und ist dafür dankbar. Sollte es wieder einen Normalbetrieb geben, wird das Essen zum Mitnehmen wohl wieder die Ausnahme.

Kein Drive-In

Das ist es auch für Alexander Sponsel aus Kirchehrenbach. An Ostern kann auch in seiner Wirtschaft Essen mitgenommen werden. Grundsätzlich jedoch sieht er das eher skeptisch. „Das ist nicht der Sinn der Ausgangsbeschränkung", sagt Sponsel, wenn sich statt der einhundert Mann, die normalerweise in der Wirtschaft essen, den Braten einige abholen.

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Außerdem sei es fraglich, ob das Essen zum Mitnehmen wirklich rentabel ist oder eher ein kurzfristiger Gewinn. Da Ostern ein besonderes Fest ist, bieten auch Sponsels drei Gerichte zum Mitnehmen an. In die Wirtschaft darf nur eine Person, um das Essen zu holen, erst dann darf der nächste Kunde rein. Er hofft wie die anderen auf einen Normal-Betrieb nach der Krise. Denn: „Der Sinn ist, dass wir den Gast hier bewirten. Es ist ein sozialer Treffpunkt und kein Drive-In“, stellt der Gastwirt fest.

Petra Malbrich

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