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Faschingsgesellschaften der Fränkischen bangen um Zukunft

Prunksitzungen und Garden: Normalerweise würde ein Termin den nächsten jagen - nicht so 2021 - 17.01.2021 05:56 Uhr

Die Wackelzahngarde Gößweinstein bei einem Auftritt im Fasching, als noch Fasching gefeiert werden konnte. Werden die Garden den Lockdown personell überstehen?

15.01.2021 © Archivfoto: Thomas Weichert


Eigentlich würde an diesem Wochenende die erste große Prunksitzung der Faschingsgesellschaft Narrenkübel Schwarz-Weiß Gößweinstein im Pottensteiner Bürgerhaus über die Bühne gehen. Und an den folgenden Wochenenden ginge es Schlag auf Schlag weiter mit den Prunksitzungen des Faschingskomitees der Soldatenkameradschaft (SK) Kühlenfels-Waidach in Pottenstein, mit dem Gauditreffen der oberfränkischen Damen- und Männerballette und den Prunksitzungen der Gößweinsteiner Narren in Streitberg und weiteren Orten.

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Auftreten würden elf verschiedene Garden, von den kleinsten der Wackelzähne und der Rasselbande bis hin zu den großen der Prinzen- oder Schlossgarde mit rund 200 Mitwirkenden. Weil der Fasching wegen Corona aber komplett ausfällt, befürchten die Faschingsgesellschaften, dass sich die Garden dezimieren könnten und man ab der kommenden Saison kleiner anfangen muss.

20.000 Besucher in Gößweinstein

Die Veranstaltungen der beiden großen Faschingsvereine waren immer ausverkauft und erfreuten sich stets großen Zulaufs. Oft wurden mehr Karten verkauft als Plätze zur Verfügung standen. Auch der größte Faschingsumzug der Fränkischen Schweiz in der Faschingshochburg Gößweinstein mit über 1000 Narren und 40 Gruppen aus der Region, der traditionell immer Faschingssonntag stattfindet und bis zu 20.000 Besucher anzog, fällt aus.

Fasching wird es generell nicht geben. Darunter leiden besonders die vielen Kinder und Jugendlichen, die in den Garden und Tanzgruppen organisiert sind. "Ich befürchte, dass in dieser Zusammenstellung nicht mehr alle dabei sein werden, wenn Fasching, egal in welcher Form auch immer, wieder möglich sein wird", sagt der Vorsitzende der Faschingsgesellschaft Narrenkübel Schwarz-Weiß Gößweinstein, Bernhard Bauernschmitt. Und: "Für mich ist es sehr schade um jedes Mädchen, das aufhört, weil es nicht mehr trainieren und tanzen kann und deshalb die Lust verliert."

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Der Narrenkübel verfügt über vier Garden, eine Showtanzgruppe und ein Weiber- und Männerballett. Ihre Stimmung ist sehr getrübt. Viele haben gegenüber Bauernschmitt schon sehr bedauert, dass sie weder trainieren noch auftreten können. Der Narrenkübel-Chef sorgt sich zwar um den Fortbestand der Garden nach Corona, macht sich aber keine großen Sorgen: Der Narrenkübel war in einer hervorragenden Nachwuchssituation vor Corona und musste vielen schon absagen, weil die Kapazitätsgrenzen erreicht waren.

Warteliste bei der Garde

Seiteneinsteiger hatten keine Chance aufgenommen zu werden. Eine riesige Warteliste gab es vor allem bei den Kleinsten. Mehr als 14 bis 15 Mädchen in einer Garde können nicht mittanzen. Für größere Tanzgruppen reicht der Platz auf den meisten Bühnen, auf denen die Gößweinsteiner Narren während der Faschingssession auftreten, gar nicht aus.

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Bauernschmitt wäre schon froh, wenn man im Sommer wieder mit dem Training beginnen könnte. Dafür müsse aber ein positiver Ausblick bestehen, dass die nächste Faschingssession stattfinden könne. Denn nur Training bringt ohne die Perspektive, vor Publikum tanzen zu dürfen, nichts, "dann fehlt ganz einfach die Motivation". Dies habe sich schon letztes Jahr gezeigt, wo kurzzeitig Training möglich war.

"Für wen sollen wir trainieren?"

"Für wen sollen wir trainieren, wenn wir dann nicht auftreten können und es keinen Fasching gibt", waren Sätze, die Bauernschmitt oft hörte. Bauernschmitt fürchtet auch um den Zusammenhalt im Verein. Eine Faschingsgesellschaft ist vor allem auch ein Geselligkeitsverein. Und Geselligkeit gibt es nicht im Homeoffice am Computer, sondern nur, wenn man sich persönlich trifft und zusammen feiert. Gardetanz ist Hochleistungssport.

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Würde auch eine zweite Session ausfallen, dann sähe es sehr düster für die Garden und den Faschingsverein aus. Persönlich bedauert der Narrenkübel-Chef natürlich, dass er als Sänger und bei Sketchen nicht auftreten kann. Ähnlich sieht es Otto Brendel, Komiteepräsident der SK Kühlenfels-Waidach, der bei den Prunksitzungen als Komiker auftritt: "Wir machen Fasching vor allem für unsere vielen Kinder und Jugendlichen", sagt Brendel. Das Faschingskomitee der SK Kühlenfels-Waidach verfügt über sieben Gardetanzgruppen mit rund 110 Kindern und Jugendlichen.

Tanzgruppen als große Stärke

Besonders die Tanzgruppen sind die große Stärke der Kühlenfels-Waidacher Narren. "Für die Kinder ist das gar nicht gut, dass sie nicht trainieren und auftreten dürfen. Denn gerade Kinder brauchen ihren regelmäßigen Rhythmus und sportlich läuft so gut wie so nichts mehr", bedauert Brendel.

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Wenn es noch länger dauert fürchtet auch Brendel, dass einige keine Lust mehr haben: "Allerdings müssen wir zuversichtlich sein und wenn ich es nicht bin, wer sonst."

"Wenn sich alle fleißig impfen lassen hoffe ich, dass es bald in die richtige Richtung geht." Er hofft, dass man nach Ostern mit dem Training anfangen kann. Speziell für diese Faschingssession, die ja nun ausfällt, hatte der Verein einen Corona-Orden machen lassen. Diesen wollte Brendel dann als Nikolaus beim Training der einzelnen Garden verteilen. Sowohl Training als auch Nikolaus waren aber nicht möglich. So wird man den Corona-Orden nun wohl bis zur nächsten Saison aufheben müssen. Genau wie die Berufung der neuen Prinzenpaare. Kinder- und Erwachsenenprinzenpaar müssen ausnahmsweise zwei Jahre amtieren.

THOMAS WEICHERT

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