Suche nach Ursprung der Tradition

Firmentag am Forchheimer Annafest: Wer hat’s erfunden?

28.7.2021, 11:53 Uhr
Der Firmen-Nachmittag gehört für viele Forchheimer Betriebe zum guten Ton (hier ein Archivfoto von 2019): Immer am Annafest-Mittwoch schließen Firmen und Behörden frühzeitig, um mit den Kollegen einen freien Nachmittag im Kellerwald zu feiern.

Der Firmen-Nachmittag gehört für viele Forchheimer Betriebe zum guten Ton (hier ein Archivfoto von 2019): Immer am Annafest-Mittwoch schließen Firmen und Behörden frühzeitig, um mit den Kollegen einen freien Nachmittag im Kellerwald zu feiern. © Foto: Edgar Pfrogner

So wäre heute, am Annafest-Mittwoch, eigentlich der obligatorische "Firmen-Nachmittag" beziehungsweise "Behörden-Nachmittag" auf dem Plan gestanden: Geschäfte in der Innenstadt sowie die Stadt- und Kreisverwaltung schließen schon um 12 Uhr, im Anschluss genießt die Belegschaft einen frühen Feierabend an einem langen, oft feucht-fröhlichen Nachmittag auf den Kellern. Wer hat das eigentlich erfunden? Und wann? Und warum?

Im großen Annafest-Buch der Stadt, das 2015 zum 175-jährigen Fest-Jubiläum erschien, heißt es lediglich: "In Forchheim hat es gute Tradition, dass sich die Betriebe aus der Stadt am Mittwochnachmittag auf den Kellern treffen und die Chefs gemeinsam mit ihren Mitarbeitern feiern." So weit, so wenig.

Auch Annafest-Ikone Ulli "King Alladooch" Raab hat keine Antwort auf den Ursprung des Firmen-Nachmittags: "Eine gute Frage, da hab ich nie drüber nachgedacht", sagt Raab – und fügt augenzwinkernd hinzu: "Für Forchheimer ist der Mittwoch der Firmen-Nachmittag, das nimmt man halt einfach als gegeben hin."

"Seit ich mich erinnern kann"

Wenn jemand Licht ins Dunkel bringen kann, dann ja wohl die Lichtgestalt des Kellerwalds, Forchheims "Annafest-Bürgermeister" a.D., Franz Streit – oder etwa nicht?

"Seit ich mich erinnern kann, selbst als kleiner Junge, gab es immer den Firmen-Nachmittag am Mittwoch", erzählt der 70-Jährige. Was genau jedoch der "Auslöser" war – "ob es einen konkreten geschichtlichen Hintergrund hat" – weiß Streit nicht. "Es ist halt so: In Erlangen auf der Bergkirchweih ist der Dienstag der Behördennachmittag, bei uns in Forchheim ist es der Mittwoch."

In frühen Jahren sei der Mittwoch auch "einer der Haupttage" auf dem Annafest gewesen, "wie ein halber Feiertag", sagt das CSU-Urgestein. "Und so haben die Chefs zu ihren Mitarbeitern gesagt: ,Okay, der Laden bleibt zu‘ – um dann gemütlich im Kellerwald einen auf Harmonie, Freundschaft und gute Zusammenarbeit zu machen", lacht Streit.

Das Stichwort "Haupttage" greift auch Dieter George, Vorsitzender des Heimatvereins Forchheim und seit Herbst 2020 Forchheims neuer Heimatpfleger, auf. Der Firmen-Mittwoch hänge wohl mit der Einführung der Haupt- und Nebentage zusammen, vermutet der frühere Kulturbeauftragte der Stadt.

Sprich: Als das Annafest 1946 nach dem Zweiten Weltkrieg wieder anlief und es noch eine Woche dauerte (erst in den 1950er wurde es auf zehn und 2014 schließlich auf elf Tage erweitert), markierte der Mittwoch die Halbzeit: Zwischen den Haupttagen am Wochenende und den Nebentagen Dienstag, Donnerstag, Freitag – der Mittwoch könnte also zum Haupttag gemacht geworden sein, "damit das Annafest nicht abflacht", meint George.

Ursprünge ab 1950

Diese Hinweise spinnt Forchheims Stadtarchivar Rainer Kestler weiter: Anfang der 1950er Jahre, erklärt er, habe es ganze drei (!) Nachmittage gegeben, an denen die Stadtverwaltung während des Annafestes ab Mittag geschlossen blieb. "Dann haben Behörden wie das Landratsamts und auch einige Betriebe in der Innenstadt nachgezogen."

Allerdings seien die drei freien Nachmittage auf Dauer "nicht mehr zeitgemäß" gewesen, sagt Kestler. "Das war schon a weng viel und löste unter der Bevölkerung eher negative Reaktionen aus." Schließlich habe man sich auf den Mittwoch als einzigen Behörden- beziehungsweise Firmennachmittag geeinigt. Und so bleibt der Treff unter Mitarbeitern eine Forchheimer Tradition, die auch 2021 ohne Annafest in der ein oder anderen Form besteht – wenn auch mit Abstand in einem nicht randvollen Kellerwald.

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