Flott an der Kurbel

9.9.2014, 10:30 Uhr
Thorsten Purschke

© Foto: Mark Johnston Thorsten Purschke

„Mit den Zeiten der Skater vergleiche ich mich als Handbiker gar nicht. Unsere Vorteile bei der Aerodynamik liegen aber auf der Hand. Durch die tiefe Sitzposition ist der Windwiderstand geringer. Eine entscheidende Rolle bei der Geschwindigkeit spielt zudem das Material. Für eine Maschine mit guten Laufrädern und möglichst leichten Bauteilen ist mindestens ein hoher vierstelliger Betrag fällig.

Fast alle Handbikes sind Spezialanfertigungen, um den individuellen Beeinträchtigungen des Fahrers Rechnung zu tragen. Die Sitzposition und der Abstand des Körpers zur Pedal-Kurbel hat unmittelbaren Einfluss auf die Kraftübertragung. Jeder Sportler hat deshalb eine etwas andere Technik. Mit Muskelkraft alleine, die auch ich mir nebenbei im Fitnessstudio hole, ist jedoch noch nichts gewonnen. Es benötigt eine gute Kraft-Ausdauer und die wird — ähnlich wie beim Rennradfahren — nur durch viele Trainingskilometer erzielt.

In den letzten Jahren verbesserten sich die Zeiten stetig. Mit der bundesdeutschen Rennserie National Handbike Circuit und der übergeordneten europäischen Variante wurden feste Wettbewerbsstrukturen für den Leistungssport geschaffen. Viele Athleten werden mittlerweile von Ausrüstern und Sponsoren unterstützt, von Siegprämien kann keiner leben. Ich selbst arbeite halbtags, trainiere in der Woche zwölf bis 15 Stunden und kann ab und zu in die deutsche Spitze hineinschnuppern. Die Vollzeit-Profis waren gerade bei der WM in den USA.

Im Gegensatz zur Weltmeisterschaft dürfen in der NHC-Serie auch Nichtbehinderte mitmachen. Für sie gibt es eine eigene Wertungsklasse. Beim Rest wird ebenfalls nach dem Grad der Einschränkung unterschieden. Wenn jemand aus Spaß an der Freude Handbike fährt, habe ich kein Problem damit. Ich messe mich gerne mit denjenigen und freue mich, wenn ich wie jetzt beim Fränkische-Schweiz-Marathon schneller unterwegs bin.“

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