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Forchheim auf dem Weg zur Handball-Hochburg

Beim HC Forchheim gibt es kommende Saison zwei Mädchenteams in der Bayernliga - 17.07.2020 14:25 Uhr

Auf und davon: Die Handballmädchen des HC Forchheim 2011 (hier die C-Jugend) zeigen eine stetige Aufwärtsentwicklung. Dahinter stehen ein engagiertes Trainerteam, das nach einem klaren Konzept arbeitet, und ehrgeizige Spielerinnen.

© Foto: Niko Spörlein


Sie sind seit Ende des Lockdowns fleißig dabei, den Trainingsrückstand wieder zu schließen. Teilweise bis zu vier Mal die Woche ruft das Trainerquartett, dem Jugendleiter Endrizzi als Head Coach vorsteht, derzeit zu Übungseinheiten. Schließlich hat der HC Forchheim 2011 sich heuer einiges vorgenommen: Mit sogar zwei Teams startet der Verein in der kommenden Saison in der Bayernliga – durchaus ein Kraftakt, den ansonsten aus Nordbayern nur noch der HC Erlangen und der 2019 gegründete Fusionsverein HBC Nürnberg (TV Eibach 03 und Post SV) schaffen.

Die Umstände sind aktuell noch schwierig, weil im Gegensatz zu anderen Städten die Sporthallen in Forchheim bisher nur den Schulen, nicht aber den Vereinen zur Verfügung stehen. Endrizzi: "Das ist ein Nachteil, aber wir stehen in ständigen Verhandlungen mit dem Landratsamt und hoffen, dass sich das bald ändert."

Ein schlüssiges Sicherheits- und Hygienekonzept habe man vorgelegt und könne jederzeit starten. Derzeit behelfe man sich auf den Freiplätzen beispielsweise auf der Sportinsel oder an den Realschulen in Forchheim und Effeltrich. Endrizzi: "Dinge wie Fallwürfe könnten wir derzeit nur auf der Wiese trainieren, das Hinfallen auf dem Hartplatz ist doch ziemlich schmerzlich – und auch das Regenwetter der vergangenen Tage verhinderte einige Einheiten."

Aber im Prinzip ist der Jugendleiter sehr zuversichtlich. Schon in der (im März abgebrochenen) Rückrunde hätten sich sowohl die B- als auch die C-Jugendlichen im Vergleich zur Rückrunde deutlich gesteigert und waren daraufhin in der Tabelle nach oben geklettert. Wäre nicht die Pause gewesen, hätten die Plätze sechs der älteren Mädchen in der Landesliga und vier der jüngeren Mädchen in der Bayernliga noch nicht das Ende der Fahnenstange sein müssen.

Sechs C-Juniorinnen wechseln im Sommer zur höheren Jahrgangsstufe, wodurch deren Kader endlich so groß ist, dass man mit eigenem Personal über die Runden kommen kann. Im Vorjahr wurde das B-Jugendteam zu den Spielen oft zur Hälfte mit dem jüngeren Nachwuchs aufgefüllt. Aus diesem Grund meldete der HC auch die B-Jugend zur Bayernliga an und bekam auch einen Startplatz zugeteilt (siehe Infokasten).

Die C-Juniorinnen haben sogar einen etwa 15-köpfigen Kader und sind für Endrizzi Kandidatinnen für einen erneuten Spitzenplatz. Den B-Juniorinnen steht seiner Meinung nach jedoch ein "Lehrjahr" bevor – mit dem Ziel, 2021/22 vorne mitspielen zu können.

Denn gerade für diejenigen, die neu zu dieser Altersklasse stoßen ändert sich einiges. Waren die Vereine bis zur C-Jugend verpflichtet, mit einer offenen Deckung (drei Verteidigerinnen vor der gestrichelten Neun-Meter-Linie) anzutreten, darf nun die gesamte Deckung an den Kreis zurück – was es für die Mädchen viel schwieriger macht, zu Toren zu kommen. Endrizzi: "Die Räume werden viel enger, dadurch wird das Spiel deutlich robuster."

Die körperbetontere Spielweise ist auch ein Grund dafür, dass die eigenen Talente bei den eigenen Damen noch nicht so zum Zug kommen, obwohl diese in der Landesliga zuletzt arg schwächelten und sich beim Coronavirus dafür bedanken dürfen, dass sie dem Abstieg entgingen.

"Drei Mädchen haben da schon reingeschnuppert, Anna Jungbauer hat sich auch schon etwas etabliert. Aber mit 16 Jahren sind die wenigsten so weit; das dauert bei den meisten bis 18, 19, ehe sie so zupacken können wie die erfahreneren Teamkolleginnen."

Man müsse also längerfristig planen, bis sich die Erfolge beim Nachwuchs auch bei den Erwachsenen zeigen. Endrizzi, der jetzt seit zehn Jahren die weiblichen Jugendteams betreut ("schuld daran war letztlich eine eigene Verletzung"), baut darauf, dass die Struktur und das Konzept der Jugendabteilung aufgehen: "Wir wollen jedes Mädchen individuell verbessern und lassen auch keine zurück. Jede soll gefördert werden."

Das sei personell möglich, weil man vier Trainer für diese beiden Aushängeschilder habe. Neben ihm selbst, der über die B-Lizenz verfügt, sind das Steffen Bastian, der vor allem für Athletik und Motivation zuständig ist ("der hat früher selbst höherklassige gespielt und lebt Handball durch und durch"), Torwarttrainer Markus Scherl und Ralf Mück, der als altgedienter Spieler bislang vor allem für Individualtraining parat stand. In der neuen Saison soll er jedoch noch stärker eingebunden werden und die B-Jugend coachen.

Dieses Trainerteam ist auch ein Trumpf im Kampf Endrizzis gegen die Abwerbeversuche von größeren Nachbarvereinen. "So eine kompetente Truppe kann kein anderer Verein bieten, außerdem spielen wir selbst ja in der höchsten Liga. Wir hoffen, dass wir die Mädchen zusammenhalten können, es wurden ja auch schon Auswärtige angelockt."

Mit dem Jahrgang 1998/99 hatte der Jugendleiter vor einigen Jahren nicht so gut Erfahrungen gemacht: Dieses Team hatte er ebenfalls für zwei Jahre in die Nachwuchs-Bayernliga geführt – danach zog es jedoch die Besten in die Ferne. Das soll sich nach Möglichkeit nicht wiederholen, auf Dauer sollen auch die Forchheimer HC-Damen dauerhaft eine gute Rolle spielen.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg (siehe oben) – und auch für die HC-Mädchen steht noch in den Sternen, ob sie ihren Aufwind fortsetzen können. Der Bayerische Handballverband hat einen Masterplan mit vier Stufen erstellt. Bei der ersten würde die Saison regulär im Oktober beginnen, falls es doch wieder zu Einschränkungen durch die Pandemie kommen sollte, würde nach Weihnachten noch eine "halbe Runde" ausgespielt. Dann gibt es noch eine Turniervariante und die allerletzte Option: den Ausfall der gesamten Saison. Daran mag Stefan Endrizzi nicht denken: "Wir planen und trainieren so, dass wir im Oktober in Topform sind."

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