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Forchheim: Beatmeter Corona-Patient geheilt entlassen

74-jähriger Josef K. aus Forchheim: Erst einmal eine Leberkässemmel essen - 04.05.2020 12:34 Uhr

In der Mitte: Josef K., v.l. Dr. med. Judith Neglein, Horst Braun, Nadine Abert, rechts: Mareike Nurnus, Oberärztin Katrin Wenz, Ärztlicher Direktor Prof. Dr. med. Jürgen Gschossmann

© Foto: Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz


Um diesen Erfolg öffentlich zu machen, wurden sämtliche Beteiligten vom Klinikpersonal bis zum Betroffenen um ihre Einwilligung zu einem Bericht mit Foto gebeten. So kommt es, dass die Meldung vom Krankenhaus, die wir hier dokumentieren, erst jetzt veröffentlicht wurde, obwohl Josef K. (74)  schon am 23. April entlassen worden war.

Am 26. März wurde Josef K., so die Klinik, mit dem Rettungsdienst ins Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz eingeliefert. Er war an Covid-19 erkrankt infolge einer Coronavirusinfektion. Vier Tage später verlegte ihn Katrin Wenz, Oberärztin für Innere Medizin und ärztliche Leiterin der Station mit Corona-Patienten, auf die Intensivstation, wo er intubiert an ein Beatmungsgerät angeschlossen wurde und kreislaufunterstützende Medikamente erhielt. 

Die künstliche Beatmung dauerte eineinhalb Wochen bis einen Tag vor Karfreitag. Eine Woche später wurde Josef K. wieder auf die Normalstation verlegt und am 23. April als geheilt entlassen. Die mehrfachen Testungen auf das Coronavirus sind wiederholt negativ, heißt es in dem Bericht.

Auf die Frage, was er als erstes tun möchte, wenn er wieder zu Hause ist, zögerte der gebürtige Oberpfälzer Josef K. nicht: „Eine Leberkässemmel essen.“ Der pensionierte Architekt wurde im März darüber informiert, dass er mit einem positiv auf das Coronavirus Getesteten in Kontakt gewesen war. Er und seine Lebensgefährtin ließen sich daraufhin auf das Virus testen: Das Ergebnis fiel bei beiden positiv aus.

Der 74-Jährige verspürte nach eigenen Angaben nicht die üblichen Symptome Hustenreiz, Verlust des Geruchssinns, Halsschmerzen, aber er fühlte sich mit jedem Tag schlechter: „Mir ging es nicht gut. Ich hatte keinen Appetit.“ Dieser Zustand dauerte drei, vier Tage. Dann kamen Schüttelfrost und hohes Fieber hinzu.

K. entschloss sich, den Notdienst anzurufen und wies beim Anruf auch gleich  auf die Coronavirusinfektion hin. Außer Bluthochdruck brachte Josef K. keine Vorerkrankungen mit. Der rüstige Senior spielte früher regelmäßig Tennis, fuhr Ski und Fahrrad.

Oberärztin Katrin Wenz: „Herr K. hatte bei seiner Ankunft im Klinikum Probleme mit der Atmung. Er wirkte erschöpft, eine Folge der unzureichenden Sauerstoffversorgung.“ Sein Zustand sei kritisch gewesen, als er auf die Intensivstation verlegt wurde. Einige Patienten atmen schneller, vielleicht 30 statt zehn- oder zwölfmal in der Minute. Josef K. litt an einer schweren Lungenentzündung, einer Viruspneumonie. Außerdem entwickelte er eine sogenannte Superinfektion („super“: lateinisch für „über“). 

Das durch das Virus geschwächte Immunsystem des Patienten wird dabei zusätzlich von Bakterien befallen. „Das hat die Behandlung noch komplizierter gemacht“, so Katrin Wenz. Nachdem der Oberpfälzer aber die Akutphase überwunden hatte, besserte sich sein Gesundheitszustand von Tag zu Tag.

„Gekämpft haben Sie, Herr K.“, lobte die Oberärztin. An diese Phase kann sich Josef K. nicht erinnern, sagt er. Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren und erinnert sich nur, dass er sich beim Aufwachen ausgeschlafen fühlte. Während er narkotisiert war, habe er sehr intensive Träume gehabt, „wie aus einem James-Bond-Film“. Als angehender Architekt war er im Traum selber mit der Planung eines Krankenhausgebäudes beschäftigt gewesen und während der Zeit auf der Intensivstation wähnte er sich in diesem Krankenhaus aus seiner Studienzeit. 

„Warum es gerade mich so schwer erwischt hat, weiß ich nicht“, rätselt Josef K. „Vielleicht habe ich eine besonders hohe Virusdosis abbekommen.“ Er warnt: „Man kann im Vorhinein schlecht einschätzen, wie gefährlich, wie stark die Viruserkrankung ist.“ 

Er sagt: „Es ist mir und meiner Familie ein besonderes Anliegen dem gesamten Team auf der Intensivstation zu danken für die wertvolle Arbeit und stete Bereitschaft den Angehörigen telefonisch Auskunft über den augenblicklichen Gesundheitszustand zu geben.“

Die Lebenspartnerin ergänzt: „Wenn man jemanden aufgrund des strikten Besuchsverbots über mehrere Wochen nicht sehen darf, sind vertrauensvolle telefonische Kontakte so wichtig.“ 

Bei seiner Entlassung aus dem Klinikum in Forchheim ging es Josef K. gut. Nach der Verlegung auf die Normalstation habe er am Anfang wenig Appetit gehabt, aber jetzt könne er normal essen und trinken, sagte er. Bei der Gelegenheit lobte er das „hervorragende“ Essen. „Ich fühle mich wie vorher“, sagte er. Er freute sich darauf seine Partnerin, Kinder und Enkelkinder wiederzusehen und seine Freunde.

Seine Partnerin hat die Covid-19-Erkrankung übrigens in einer viel milderen Version überstanden. Die Forchheimerin durchlitt zwei Tage die Symptome „wie bei einer schweren Grippe“. Danach ging es ihr spürbar besser.

Derzeit werden laut Landratsamt im Klinikum zwei Patienten mit Covid-19-Erkrankung behandelt. Davon wird einer beatmet. Zwei weitere an Covid-19 erkrankte Bürger aus dem Landkreis werden in Kliniken außerhalb des Kreises behandelt.

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Der Beitrag wurde um 12.44 Uhr aktualisiert.

 

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