Forchheim: Beim Jahn-Gelände wird der Investor unruhig

15.3.2018, 05:57 Uhr
Ein Blick auf das „Philosophenviertel“, von oben auf die Gründächer.

Ein Blick auf das „Philosophenviertel“, von oben auf die Gründächer. © Oliver Schuh/planwerkstatt.Architekten

Mehr geförderter Wohnraum soll auf dem heutigen Sportgelände entstehen. Das ist der Wunsch des Investors Dignus aus Hamburg. Statt 124 Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern (wir berichteten) sollen es nun 168 Wohneinheiten werden.

Damit steigt die Gesamtanzahl von 293 Wohneinheiten auf insgesamt 352 (hauptsächlich Mietwohnungen). Als "ambitionierte und dichte Entwicklung" beschrieb der städtische Baureferatsleiter René Franz den Plan. In der Höhe sucht die Stadt nach einer Lösung, den angespannten Wohnungsmarkt zu entspannen.

Der geförderte Wohnraum entsteht auf der Nordseite des Grundstücks, parallel zur Wiesent. Dort entsteht ein 120 Meter langes Gebäude in der Optik eines Rechens. Dieser hat vier Zacken, sprich vier Gebäude, die gen Süden — mit Grünfläche dazwischen — in das Gelände reichen und Platz für weitere Wohnungen bieten.

Industriebetrieb ist Nachbar

In Nachbarschaft zum Gebäuderiegel, auf der gegenüberliegenden Flussseite, ist der Industriebetrieb Infiana. Um den Lärm von dort aus dem Wohngebiet herauszuhalten, erhält das Gebäude nach Vorschlag von Architekt Thomas Lemberger einen sogenannten Laubengang und eine Gebäudehöhe von 21 Metern. Der Gang dient gleichzeitig als Zwischenpuffer zu den angrenzenden Wohnungen.

Östlich zur Theodor-Heuss-Allee plant der Architekt eine Hochgarage — fürs Parken und den Schutz vor dem Verkehrslärm. Die 21 Meter hohe Garage bietet Stellplätze für die 168 Wohneinheiten (geförderter Wohnraum) und für die Mitarbeiter von Infiana. Im südlichen Teil des Geländes und in der Mitte des Planungsgebietes entstehen acht sechsstöckige, quadratische Punkthäuser. Westlich (Richtung Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße) entsteht ein 18 Meter hoher Bau, in dem eine Kita mit vier Gruppen zu je zwölf Kindern (insgesamt 48) und ein Nahversorger — beispielsweise ein Bäcker — untergebracht werden. Westlich der Häuser wird ein 18 Meter hoher Bau als weitere Abgrenzung zum Verkehrslärm der Theodor-Heuss-Allee wachsen.

Reiner Büttner (SPD) stellte fest: "Wir brauchen den Wohnraum." Doch er hatte Bauchschmerzen mit der sieben- und sechsstöckigen Bauweise. "Das wird sehr, sehr eng." Mit den Bedenken war er nicht alleine. Die Sorgen über die 21 Meter hohe Gebäudewand irritierte den Investor. Die Höhe sei notwendig, um die gesetzlichen Vorgaben des Lärmschutzes für das Wohngebiet einzuhalten. Zumal habe der Stadtrat in der November-Sondersitzung die Freigabe für das städtebauliche Konzept erteilt. "Das Areal ist drei Hektar groß, es wird noch Weitläufigkeit haben", sagte Tilman Rütters, Mitgesellschafter des Hamburger Investors Dignus.

Aus Richtung Süden (der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße) sind die quadratischen und sechsstöckigen Punkthäuser zu sehen.

Aus Richtung Süden (der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße) sind die quadratischen und sechsstöckigen Punkthäuser zu sehen. © Oliver Schuh/planwerkstatt.Architekten

Optisch erhalte die als Lärmschutzwand genutzte Gebäuderückseite "einen Schwung in der Fassade", so Lemberger. Er schlug eine "Ziegelfassade in Zick-Zack-Optik" vor. Eine von Erwin Held (FW) ins Spiel gebrachte teil-transparente Lärmschutzwand lehnte Franz als "nicht machbar" ab. "Der Gewerbelärm ist ein anderer Lärm als der Verkehrslärm und muss geschluckt werden."

Büttner schlug vor, auf ein Punkthaus in Nachbarschaft zur Kita zu verzichten — für mehr Platz und mehr Sonne. "Das Projekt muss ins Stadtgefüge passen, deshalb müssen wir Abstriche machen." Manfred Mauser (FBF) fehlte ein "großer Spielplatz für große Kinder." Zwischen den Häusern sind lediglich kleinere Bereiche eingeplant.

Holger Lehnard (CSU) kalkuliert mit 1000 neuen Stadtbewohnern — großen wie kleinen. "Die Martin-Schule platzt schon heute aus allen Nähten." Die Stadt müsse eine Lösung finden, wo die Kinder unterrichtet werden. Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) will das prüfen. Zudem habe die Stadt beim Investor den Wunsch formuliert, die Kita auf 100 Plätze auszuweiten. Dafür stünde das erste Obergeschoss bereit.

Lehnard sorgte sich auch um das "sehr hohe Grundwasser". Da das Gebiet laut den Planern im nördlichen Teil in einem faktischen Überschwemmungsgebiet liege, will Lemberger eine Flutmulde schaffen, die 1500 Kubikmeter Wasser fassen kann. Das Gelände werde zudem mit einem Block-Heiz-Kraftwerk in der Hochgarage dezentral mit Energie versorgt.

Was ist mit dem Klima?

Sabine Dittrich begrüßte für die Forchheimer Grüne Liste das Vorhaben, sorgte sich aber um die Lüftungsströme und damit um das Mikro-Klima der Stadt. Ute Mitschang, zuständig für den Grünordnungsplan, gestand ein, dass sich das Klima zu einem "typischen Stadtklima" verändern werde. "Deshalb begrünen wir möglichst viel."

Die großen Bäume an der südlichen Grenze zur Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße und östlichen Grenze zur Theodor-Heuss-Allee bleiben deshalb bestehen. Zwischen den Gebäuden stellt sich die Planerin Obstbäume vor, die in ihrer Blütezeit für eine besondere Atmosphäre sorgten. Unter dem Blütendach sollen Aufenthaltsbereiche geschaffen werden.

Udo Schönfelder (CSU) schlug vor, den Stadtrat in der Sitzung am 21. März mit den Plänen zu befassen, eine Stimmung einzuholen, und damit in der nächsten Ausschusssitzung am 17. April den Vorentwurf nicht zu billigen, sondern nur vorzuberaten. Der Investor warnte jedoch davor. "Wir können es nicht unendlich weitertreiben", sagte Rütters-Senior. Es müsse auch berücksichtigt werden, dass man Zusagen mit dem Jahn eingegangen sei. Wie berichtet, zieht der Sportverein in Forchheims Norden um, der ATSV in den Osten. Investor Dignus hat in einem Vorvertrag den Kauf des derzeitigen Geländes des Jahn mit einem Vorvertrag geregelt. Der OB brachte den Kompromiss ein, in der April-Sitzung des Ausschusses eine Entscheidung zu treffen.

Nachdem sich herauskristallisierte, dass eine Zustimmung zu dem Projekt ohne eine Anpassung der Gebäudehöhe nicht möglich ist, verständigte man sich darauf, drei der vier Gebäudezacken um ein Stockwerk zu verringern. Das Punkthaus neben der Kita verliert zwei Stockwerke und kann für eine größere Kita-Freifläche noch verschoben werden. Architekt Lemberger schätzt, dass durch diese einstimmige Entscheidung zwischen 26 und 28 Wohnungen weniger entstehen.

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