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Forchheim: Der arabische Prinz logierte in der "Goldenen Krone"

Geschichte(n) mit Vielfalt: Historiker Reinhold Glas hat ein Nachschlagewerk rund um Forchheims flüssiges Gold erstellt. - 11.09.2019 16:00 Uhr

„Unter den Linden“ hieß das Gasthaus in der Sattlertorstraße. Hier wurden mächtige Fässer abgeladen. © Foto: privat


Der Historiker hat sich in jahrelanger Mühe durch die Archive gewühlt, viele Zeitzeugen befragt und wunderbare Bilddokumente aufgetan. Aus der unüberschaubaren Fülle an Gasthöfen, Schankstätten und Felsenkellern haben sich die NN drei exemplarische Fälle ausgesucht.

Beispiel 1: Unter den Linden

Heute sind keine Bäume mehr zu sehen. Doch es muss sie gegeben haben, als Hans Hack hier 1895 ein Grundstück kauft. "Unter den Linden" wird die Gastwirtschaft in der Sattlertorstraße 25 knapp 20 Jahre später heißen. Der Bauplatz liegt außerhalb der Festungsmauern, die man zehn Jahre zuvor zu schleifen begonnen hat. Auch das wenige Meter entfernte Sattlertor, von dessen Existenz nur noch ein Wachhaus kündet.

Dieses nach einem früheren Besitzer benannte "Feldbaum-Haus" (Sattlertorstraße 23) steht noch heute und wird, wie die Schankstatt "Unter den Linden" als Wohnhaus genutzt. Gebraut wurde hier übrigens nie. Denn bis 1908 kommt das Bier aus dem Unteren Kommunbrauhaus. Wie bei zwei Drittel der anderen Schankstätten auch. So richtig gut läuft es aber nicht. Erst als der äußerst geschäftstüchtige Andreas Schindler das Anwesen kauft, beginnt die Geldquelle zu sprudeln. Dabei ist es neben dem "Haupthaus" der Schindler-Familie in der Hauptstraße 39, der "Stromschen Wirtschaft" in der Wiesentstraße 39 und dem "Gasthof Stadt Bamberg" in der Holzstraße 1 nur ein Teil eines Brauer-Imperiums.

Bier aus Franken gesucht: Quizrunde Nr. 1

© Montage: Sabine Schmid

Sie sind ein Freund der fränkischen Bierkultur? Und schätzen die regionalen Privatbrauereien? Wunderbar. Aber erkennen Sie die Brauerei auch am Kronkorken? Testen Sie Ihr Wissen bei unserem Quiz!

© Achim Bergmann

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Frage 1/10:

Silberner Brauerstern auf Hellblau. Wer ist's?

Die Brauerei Wagner aus Merkendorf, erstmals erwähnt 1797. Rund um Bamberg wird das Wagner sehr geschätzt, besonders das ungespundete Lager und das naturtrübe Kellerbier.

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Frage 2/10:

Diese Kirchtürme deckeln welches Bier?

Brauerei Trunk aus Vierzehnheiligen/Bad Staffelstein, der gute Stoff wird auch Nothelfer genannt. Nothelfer? Die Erklärung ist einleuchtend: Seit 1803 wird das Bier oberhalb der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen gebraut. Und wenn die erschöpften Pilger seit jeher oberhalb des Gotteshauses aus dem nahen Wald kommen, stärken sich nicht wenige erst mal mit einem kühlen Bier, bevor sie dann die Kirche betreten.

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Frage 3/10:

Nicht verkehrt, mit Schild und Schwert.

Seit über 300 Jahren in Familienbesitz zählt Held aus Oberailsfeld schon zu den bekannteren Privatbrauereien in der Region. Besonders das Helle ist beliebt. Seit 1680 wird hier schon gebraut.

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Frage 4/10:

Hier springt der Hirsch - auf welche Brauerei?

1845 übernahm der Müllerssohn Johannes Kraus das damalige "Wirtschaftsguth" in Hirschaid - und seither ist die Brauereigaststätte ohne Unterbrechung im Besitz der Familie.

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Frage 5/10:

Ein grüner Baum, wo steht der?

"Zum Grünen Baum" heißt der Brauereigasthof der Familie Bayer aus Theinheim im Steigerwald. Gefeiert wird hier oft, unlängst erst ein runder Geburtstag: Seit 1718 wird hier schon gebraut.

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Frage 6/10:

Ein bunter Vogel - auf welchem Bier sitzt er?

"Zum Pfau!", heißt es öfter, wenn es nach Frauendorf geht. Seit 1867 ist die Familie Hetzel Herr über die dort ansässige Brauerei.

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Frage 7/10:

Der Zwerg vom Berg, wo braut er sein Bier?

Der markante Zwerg stammt von der Staffelberg-Bräu aus Loffeld. In der sechsten Generation, seit 1856, führt die Familie Geldner-Wehrfritz dort die Brauerei. Zehn Jahre später, 1866, ließ Jakob Geldner ein eigenes Brauhaus folgen, nochmals zehn Jahre später dann eine eigene Faßhalle.

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Frage 8/10:

Raubtier mit Schild und Krone. Wer ist's?

In Untersiemau/Birkach wird seit 1822 das "Eller" gebraut. Als beliebtestes gilt das Rotbier, Christian Eller braut aber auch ein süffiges Pils.

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Frage 9/10:

Schwarzer Adler, wer hat sich den gekrallt?

Adler-Bräu aus Stettfeld ist inmitten der unterfränkischen Haßberge daheim - und das schon seit 1730. Bräustübla, Biergarten, Sudhaus und sogar einen "Bärentrunk" gibt's hier.

© Achim Bergmann

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Frage 10/10:

Weißer Löwe - wo kommt der her?

Hier sind Wirths-Leute am Werk! Die nun schon 9. und 10. Generation der Familie Wirth führt das Löwenbräu. Natürlich nicht zu verwechseln mit dem Münchner! "Unser" Löwenbräu stammt aus Neuhaus im Aischgrund und das schon seit 1747. Im Sortiment gibt es hier mehrere Löwen und sogar eine "Karpfen Weisse".

Vielen Dank für das Beantworten der Fragen! Demnächst geht es weiter mit der zweiten Runde!

© Montage: Sabine Schmid

Lust auf ein weiteres Bier-Quiz?

Dann hier entlang!

Um immer mehr Bier verkaufen zu können, legt sich Schindler Lokale zu, die er dann verpachtet. Die Zeiten, in denen jeder Wirt, der einen Krug füllt, das Bier dafür aus seiner eigenen kleinen Brauerei holt, sind da längst vorbei. Auf ganz neue Ideen kommt deshalb Andreas Dornheim in den 1930er Jahren. In einem Lagergebäude neben dem Gasthaus Unter den Linden eröffnet er eine Mineralwasser- und Limonaden-Fabrik, die nach dem Zweiten Weltkrieg von der Brauerei Schindler übernommen wird.

Der Schindler-Erbe Robert Schmitt und sein Buchhalter Gottfried Warislohner stellen hier bis 1981 im großen Stil "Forchheimer Brause", sowie in Lizenz die beliebten "Frucola", "Nawinta", "Frucade" und "Chabeso" mit Cola-, Zitronen- oder Orangengeschmack her und gleichen so den sinkenden Bierabsatz etwas aus.

Beispiel 2: Das Stadtlockal

Am Gasthaus „Zur Goldenen Krone“ (rechts im Bild) zogen Pferdegespanne vorbei. © Foto: privat


Zu den ältesten noch immer genutzten Gastwirtschaften gehört das "Stadtlockal", das Christoph Kauer seit 2002 betreibt. Ab 1593 ist es in den Händen der Büttner und Brauer. Wobei Georg Hörber und seine Nachfolger bis ins 19. Jahrhundert, als sich die Handwerker spezialisieren, beide Berufe ausüben: Hölzerne Fässer und deren alkoholischen Inhalt produzieren. In der späteren Hauptstraße 52 hat nach 1727 ein Kilian Schneider aus dem zu Mainz gehörenden Hofheim das Sagen, der als Begründer der Schneider-Dynastie gelten darf.

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Was Sie über die Brauereien in der Region wissen sollten

Die Franken und die Oberpfälzer sitzen an der Quelle - an der Bier-Quelle, um genau zu sein: Mehr als die Hälfte der zuletzt 642 Braustätten in Bayern kommen aus dem nördlichen Teil des Freistaats. Was Sie über die Bierproduzenten in der Region wissen sollten, verrät Ihnen ein bunter, wenngleich zwangsläufig unvollständiger Streifzug durch die Brauereibranche.


Doch erst einmal nehmen die Rittmeyers aus Willersdorf das Ganze 1773 in Besitz. Wie so oft durch Heirat. Denn die Witwe hatte das Recht, sich den besten Gesellen auszusuchen, für die Schank- und die Schlafstatt. Durch viele Nachkommen und geschickte Heiratspolitik sind die Rittmeyers um 1870 aus dem Biergeschäft nicht mehr wegzudenken. Der Gerstensaft geht nicht etwa in den "Export", sondern bleibt innerhalb der Festungsmauern. Gekühlt wird er nicht nur auf den Kellern, sondern auch in einem Eishaus neben dem Ludwig-Donau-Main-Kanal. Der Backsteinbau befindet sich folgerichtig noch immer in der Kanalstraße.

Im Eishaus in der Kanalstraße wurde einst das Bier gekühlt. © Foto: privat


Erst 1930 erhält das Anwesen den Namen, unter dem es sieben Jahrzehnte lang bekannt sein wird: "Fränkische Bierstube". Durch Johannes Förstl aus Bamberg werden in der Gaststube das Mobiliar mit Sprüchen verziert und Holztafeln bemalt, die man heute noch bewundern kann. Da gehört das Lokal längst Ignaz Schneider und seinem Cousin Balthasar, die gemeinsam 1923 das legendäre Brauhaus Forchheim aus der Taufe gehoben haben. Dort in der Hornschuchallee 32 spielt in Sachen Sud nun die Musik.

Beispiel 3: Zur Goldenen Krone

Warum der Gasthof in der Bamberger Straße 4 "Zur Goldenen Krone" heißt, lässt sich nicht mehr sagen. Dass es sich um einen majestätischen Besitz gehandelt haben muss, kann man daran ersehen, dass enorme Grundsteuern zu zahlen sind und aus dem Gelände 1927 das "Gasthaus Kronengarten" abgespalten werden kann.

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Prost! Wir machen den Walk of Beer durch Forchheim

Ein, Zitat der Stadt, "neues kulturhistorisches Erlebnisangebot zur einzigartigen Brauerei- und Biergeschichte" Forchheims? Darunter kann man sich vielleicht erst mal wenig vorstellen. Wir machen den Praxistest auf dem "Walk of Beer"!


Wie repräsentativ die Herberge inmitten der Stadt ist, zeigen die illustren Gäste, die hier logieren. Wenn man einmal das übliche Offizierspersonal weglässt, das sich im Dreißigjährigen Krieg mit ihren kroatischen Bediensteten einquartiert. Denen versucht der Wirt Hans Schuhmann die eine oder andere Krone aus dem Beutel zu ziehen, indem er den von der Stadt festgesetzten Bierpreis einfach ignoriert.

Edler wird es 1757. Da nächtigt ein anonymer arabischer Prinz unter dem Dach des Kronenwirts Georg Dürrich, der den Adeligen aus dem Morgenland morgens nach Erlangen kutschiert. Solch eine "Lohn-Rösslerei" ist als Nebenverdienst damals nichts ungewöhnliches. Im Jahr darauf ist es Prinz Carl Alexander, der von Konstantinopel kommt und in Forchheim Station macht – alles inmitten des Siebenjährigen Krieges. Der verschont den Ort allerdings. Was man von dem Feuer nicht behaupten kann, das 1879 nur mit Hilfe der gerade gegründeten Freiwilligen Feuerwehren Forchheims und Buckenhofens sowie des Militärs gelöscht werden kann.

Mit Weltkrieg, Inflation und Weltwirtschaftskrise beginnt der langsame Abstieg, der nicht einmal aufgehalten werden kann, als man 1936 einen BayWa-Standort ansiedelt. Um die Zufahrt für die Lieferanten und Kunden zu gewährleisten, reißt man die Bamberger Straße 6 ab. Heute führt der Weg durch diese Baulücke zum Parkhaus Kronengarten, das 1988 hochgezogen wird. Da ist die einst "Goldene Krone" zu einem Textilgeschäft, und in unseren Tagen zu einem Friseursalon oder einem Grillimbiss gesunken.

Das Buch "Biertradition in Forchheim" kann noch bis zum 23. September zum Preis von 14 Euro unter vorbestellung@gf-franken.de bestellt werden. Die Gesellschaft für Familienforschung in Franken (GFF) und der Heimatverein Forchheim laden zu zwei Gelegenheiten ein, das Buch und seinen Autor Reinhold Glas kennenzulernen: Am Montag 23. September, um 19 Uhr am Schindler-Keller oder am Mittwoch, 16. Oktober, 19 Uhr in der Stadtbücherei Forchheim. Reservierung unter Telefon (0911) 35 89 39. 

UDO GÜLDNER

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