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Forchheim: Diese Haus-Krippe wächst seit 35 Jahren

Zu Gast im Wohnzimmer von Ernst Deutsch in Buckenhofen - 06.01.2021 16:00 Uhr

Liebevoll gestaltet und voller Details: Die Krippe im Wohnzimmer von Ernst Deutsch.

05.01.2021 © Udo Güldner


„Als Kind hatte ich selbst keine Krippe. Das kam erst mit den eigenen Kindern auf“, sagt Deutsch. So baute der junge Vater für Christian, Julia und Lorenz eine Hauskrippe. Erst einmal gar nicht groß. Nur die berühmte Szene im Stall. Ganz traditionell mit Heiliger Familie, Ochs und Esel und den Hirten auf dem Felde. 

Nach und nach kamen all die Gebäude hinzu, die den ganz besonderen Reiz ausmachen. Zuerst die Kammerersmühle, in der der frühere OB Franz Stumpf geboren worden war. „Er ist meine Lieblingsspielfigur.“ Danach folgten Panoramen mit dem Rathaus, der Martinskirche und der Kaiserpfalz. „Anfangs habe ich die Figuren noch in Nürnberg gekauft.“ Später lernte Deutsch die Kunst, aus totem Holz lebendige Gestalten zu schnitzen bei Erich Müller. Beim Künstler aus Kirchehrenbach wurde das erste Kamel geboren, das immer noch die Weisen aus dem Morgenland begleitet.

Einige Dinge erinnern nicht von ungefähr an das legendäre „Fuchs-Krippala“, mit dem Generationen aufgewachsen sind. „Das hat in meinem Kopf herumgespukt. Ein Bachlauf mit echtem Wasser musste deshalb sein.“ Darin tummeln sich einige Enten. Ob nebenan im Teich Karpfen gründeln, kann man nur erahnen. So tief reicht der Blick nicht. Auch einige mechanische Spielereien hat Deutsch sich ausgedacht. Zum einen ein Mühlrad, zum anderen ein Tanzpaar. Beide drehen sich. Eines von alleine, eines mit Muskelkraft. „Das war ein Einfall meiner Enkelin Nora.“

Schon in seiner Zeit vor knapp 40 Jahren im mittelfränkischen Hilpoltstein hatte Deutsch mit dem Krippebau angefangen. Seinen ersten Versuch schenkte er seiner Schwester. Zwei Tage lang braucht Deutsch, um seine Hauskrippe in der guten Stube aufzubauen. Die Einzelteile lagern das Jahr über auf dem Dachboden. Seither haben „alle, die zufällig hereingeschneit kamen“, einen Blick auf das Kunstwerk erhaschen dürfen. Familienmitglieder, Freunde und manch Handwerker. „Der Schlotfeger hat sich köstlich über sein Ebenbild auf dem Dach amüsiert.“

Bilderstrecke zum Thema

Wunder im Wohnzimmer: Das ist die Hauskrippe des Forchheimers Ernst Deutsch

Ernst Deutsch hat in seinem Wohnzimmer in Buckenhofen eine sehenswerte fränkische Hauskrippe aufgebaut: Seit 35 Jahren wächst die Szenerie aus selbstgeschnitzten Figuren, eigens gebastelten Gebäuden und markanten Wahrzeichen und Traditionen des Landkreises. Wir haben uns durch das religiöse Kleinod führen lassen.


Durch sein ehrenamtliches Engagement im Partnerschaftskomitee des Landkreises mit Biscarosse entstanden Freundschaften zu den Effeltricher Musikanten. Die dürfen im Schatten ihrer Wehrkirche zum Tanz um den Kirchweihbaum aufspielen. Wer sich die Mühe macht, etwas genauer hinzusehen, kann nicht nur ein „Alladooch Annafest“-Shirt sehen, sondern auch ein sogenanntes „Maurer-Dekolleté“. Das derb-fröhliche Detail liegt Deutsch, der auch einen Blick in ein Toilettenhäuschen ermöglicht. Dort zeigt sich, dass die Hauskrippe nicht nur ein religiöses Kunstwerk ist, sondern auch theatralische Dimensionen aufweist. Mit Deutsch als Regisseur, der seine Darsteller dirigiert.

Das fränkische Umland kennt kaum einer so gut wie Deutsch. Schließlich war er jahrzehntelang Kreisfachberater für Gartenbau und Landschaftspflege. Dabei kam Deutsch bei der „Fahrt über die Dörfer“ an zahlreichen Sehenswürdigkeiten vorbei, die nun in seiner Krippe wieder auftauchen. Sei es der malerische Brunnen in Schnaid, eine Fachwerk-Scheune in Weilersbach, die Basilika in Gößweinstein. Dort darf Papst Benedikt, obwohl er sich zur Ruhe gesetzt hat, noch einmal den Segen spenden. 

Nur eines vermisst man als Betrachter der Burgruine Neideck, des Schlosses Oberaufseß und des Felsendorfes Tüchersfeld: Schnee und Eis. „Bei mir gibt es eine Sommerlandschaft.“ Das sei seinem Freund Erich Müller geschuldet, dessen sonnige Bilder ihn immer inspiriert hätten. Dazu passt denn auch, dass der Heiland genau richtig gekommen ist, um das Annafest zu erleben. Das ist den Forchheimern schließlich heilig. Bis zum Ende der Weihnachtszeit an Mariä Lichtmess bleibt die Hauskrippe nun stehen. So lange dürfen Kinder und Enkel noch mit all den Figuren spielen. „Meine inzwischen sechs Enkelkinder bringen mich immer auf neue Ideen.“ 

Am 2. Februar dann wandert alles wieder in die Dunkelheit des Dachbodens. Bis Deutsch seine Geschöpfe und damit das Lukas-Evangelium im nächsten Jahr zu neuem Leben erweckt. 

UDO GÜLDNER

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