Dienstag, 10.12.2019

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Forchheim: Einst lag der Friedhof vor den Toren der Stadt

Ein Rundgang über den "Alten Friedhof" ist auch immer ein Stück Geschichtsstunde. - 20.11.2019 06:00 Uhr

Auf einer Fläche von mehr als 27 000 Quadratmetern gibt es am Alten Friedhof 3094 Gräber. Ein Rundgang über diesen Friedhof ist auch immer ein Spaziergang durch Forchheims Geschichte. © Foto: Ralf Rödel


Der Weg von der Stadtgrenze bis ins Himmelreich ist ziemlich weit. Zu weit, wie einst die Forchheimer in den vergangenen Jahrhunderten wohl befanden. Denn der Friedhof, den wir heute den "Alten Friedhof" nennen, lag damals an der Grenze der Stadt. Viel zu weit weg, dachte sich die Bevölkerung, die ihre Toten, wie in den Jahrhunderten vorher auch, rund um die Stadtpfarrkirche St. Martin beerdigte.

Je näher an der Kirche, desto schneller im Himmel: Von hier aus, in nächster Nähe zum Gotteshaus, so dachte man damals, sei man wesentlicher schneller dem Fegefeuer entwischt auf dem Weg in Richtung Himmel und Heil.

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Der Alte Friedhof als Zeuge der Vergangenheit

Seit 1564 gibt es den "Alten Friedhof", der einst vor den Toren der Stadt lag. Wir haben uns auf Geschichts- und Spurensuche begeben.


Klaus Fößel, der schon einige Friedhofsführungen für die Forchheimer Tourist-Information gemacht hat, ist es, der uns an diesem kalten und sonnigen Novembertag mitnimmt zu einer Führung über den "Alten Friedhof" an der Birkenfelderstraße. Seit 1564 existiert dieser "Gottesacker", damals noch vor den Toren der Stadt, außerhalb der Befestigungsanlagen.

Mauern aus Sandstein umfrieden den Ort, teils mit einer Höhe von bis zu eineinhalb Metern. Im nördlichen Bereich, dort wo heute die Adenauer-Allee vorbei führt, begrenzte einst der Kanal das Areal der letzten Ruhestätten. Bis zum Jahr 1795, so erzählt Fößel, bestatteten die Forchheimer ihre Toten rund um die Martins-Kirche, obwohl es damals ja den Friedhof vor dem Tore schon über 200 Jahre lang gab.

Fast scheinen den Besucher die beiden Gesichter anzusehen. Hier haben die rund 1500 Toten, die einst um St. Martin begraben waren, ihre letzte Ruhestätte gefunden. © Foto: Ralf Rödel


Bei der Renovierung der Kirche St. Martin im Jahr 1952 wurden 1500 Leichen gefunden, die zunächst im Ossarium (Beinhaus) der Martinskirche und im Klostergarten St. Anton schließlich im Jahr 1954 umgebettet wurden und ihre allerletzte Ruhestätte am Alten Friedhof fanden. Eine mächtige Gedenkstele mit einem Gesicht, das einen anzublicken scheint, erinnert noch heute daran.

Oft sind es tragische Schicksale, die sich hinter den schlichten Steinen mit den Inschriften verbergen, junge Männer, ja Buben fast, die mit gerade mal 22 Jahren als Richtkanonier oder Infanterist ihr Leben während der Weltkriege an der Front ließen, sind in den mehr als hundert Helden- und Kriegsgräbern bestattet. Auf der Grabstelle der Kriegsgefangenen, die als eine von vielen vom Friedhofsamt gepflegt wird, stehen die Allerheiligenschalen mit Schleifen in gelb und rot, den Forchheimer Stadtfarben. Direkt an der Mauer, in nächster Nähe zur Birkenfelderstraße, liegen die großen Gruften, wenige Meter davon entfernt die Gräber der früheren Bürgermeister Strecker, Traitteur und Steinmetz.

Ganz markant ist die Kapelle mit ihrem Baldachin inmitten des Alten Friedhofs. Johann Baptist Reuder, letzter Stiftsdechant und erster Forchheimer Stadtpfarrer, ließ das sechseckige Monument nach seiner Freilassung aus französischer Geiselhaft im Jahr 1797 errichten. Fast ein Jahr lang war Reuder in der französischen Festung Charlemont gefangen gehalten worden. Damals gelobte er, würde er jemals freigelassen, werde er eine Kapelle errichten. Nicht weniger bedeutsam ist das frühere Leichenschauhaus mitten im Friedhof, das, 1868 errichtet, wenig später das Wohnhaus von Friedhofsaufseher Johann Geiger und dessen Familie war (wir berichteten).

Damals war es üblich, dass der Friedhofswärter auch eine "Betriebswohnung" auf dem Friedhof hatte. Der Friedhofswärter war auch eine Art Bestatter, organisierte Beerdigungen und hob Gräber aus. Und er war dafür zuständig, dass der Friedhof in der Früh auf- und abends wieder zugesperrt wurde.

Im Laufe des vergangenen Jahres wurde das ehemalige Wohnhaus, das lange Zeit als Lagerraum diente, zu einem sogenannten Kolumbarium umgebaut. Die feierliche Einweihung wird am heutigen Buß- und Bettag stattfinden.

Mehr Impressionen vom Alten Friedhof unter www.nordbayern.de/forchheim

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