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Montag, 14.10.2019

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Forchheim: Höchste Zeit für ein Kulturreferat

Robert Hübschmann ist neu in der Doppelspitze des Jungen Theaters und fordert eine Anlaufstelle auch - 11.06.2019 10:00 Uhr

Robert Hübschmann spielt Gitarre und singt, er engagiert sich aber auch seit Jahrzehnten ehrenamtlich für die lokale Musiker- und Kulturszene. Nun ist er einer der beiden Vorsitzenden des wichtigsten Forchheimer Kulturanbieters, der Jungen Theaters Forchheim. © Foto: Udo Güldner


Herr Hübschmann, warum haben Sie sich dieses Ehrenamt "angetan"?

Erst einmal: Die Kandidaten standen nicht gerade Schlange. Dann habe ich mich dazu entschlossen, weil ich versuchen will, dem stark strapazierten Theaterbüro in strategisch-politischen Dingen den Rücken freizuhalten. Und drittens bin ich in viele Fachgebiete wie das Jahresprogramm, die Sonderveranstaltungen à la KneipenFETZT oder die Raumfrage bereits eingearbeitet.

 

Sie hätten sich ja auch zurücklehnen können und warten, bis andere sich um die Kultur in Forchheim kümmern?

Auf die Politik haben die Bürger Forchheims nie gewartet. Alle Initiativen, das sieht man auch am Jungen Theater Forchheim, haben sich aus engagierten Menschen heraus gebildet. Es braucht da auch nicht immer einen "Übungsleiter". Die Einwohner wissen selbst, was sie wollen oder tun müssen.

Nun hatte das Junge Theater Forchheim jahrzehntelang mit heftigem Widerstand zu kämpfen. Doch seit einigen Jahren haben fast alle Stadtratsmitglieder ihre Begeisterung für die Kultur entdeckt. Ist Ihnen das nicht irgendwie unheimlich?

Es fühlt sich natürlich gut an, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird. Die Faktenlage hätte das auch schon früher hergegeben. Das hängt wohl damit zusammen, dass wir mit dem einmaligen KulturPuls, dem ZirkArt-Festival und den Afrika-Kulturtagen bewiesen haben, dass wir Experten sind, die für die hier lebenden Menschen und die vielen Gäste der Stadt etwas Einmaliges anbieten. Früher konnten sich nur Adel und Klerus Kultur leisten. Heute auch der "Normalbürger".

Bilderstrecke zum Thema

Die Höhepunkte des KulturPuls 2018 in Forchheim

Da schlug er besonders rasant: Der Kulturpuls 2018 im Kolpinghaus. Wir haben Eindrücke von den Höhepunkten zusammengetragen.


Gehen wir mal zum Dauerbrenner Kolpingshaus. Sie waren vor mehr als einem Jahr der Anstifter dieses zweiwöchigen Kultur-Marathon, der sich KulturPuls nannte. Seither hat sich viel getan. Es gibt einen Kooperationsvertrag der Stadt mit dem Kolpinghaus-Bauverein. Nun hat der Stadtrat beschlossen, 200 000 Euro lockerzumachen, um das über 100 Jahre alte Gebäude zu ertüchtigen. Was muss denn jetzt noch getan werden?

Es war klar, dass wir den KulturPuls nur machen, um zu zeigen, was im Kolpingshaus alles möglich ist. Nun stehen wir in dieser Sache mit in der Verantwortung. Die Barrierefreiheit, Erneuerung der Elektrik und Sanierung der Toiletten muss bald kommen. Solche baulichen Maßnahmen, wenn sie denn einmal gemacht sind, sind aber nur die eine Hälfte der Medaille. Die andere ist die Frage, wer sich ab 2020 um die Nutzung kümmern soll. Ehrenamtlich ist das nicht zu stemmen. Wir brauchen eine Betreibergesellschaft, an der sich die Stadt beteiligt. Das ist meines Erachtens unabdingbar. Wünschenswert wäre auch eine Beteiligung weiterer Vereine wie zum Beispiel des Musikvereins Forchheim-Buckenhofen, des Liedervereins. Die Vereine könnten sich auch als Gesellschafter beteiligen.

 

Die Gespräche und Planungen laufen gerade ganz vielversprechend. So eine Betreibergesellschaft benötigt frisches Personal. Ehrenamtlich wird sich ein solches Kulturzentrum wohl nicht organisieren lassen. Nun hat der Oberbürgermeister ja schon vor Monaten angekündigt, dass im April 2019 ein Kulturreferat hätte geschaffen werden sollen. Wie sieht es damit eigentlich aus?

Das mit dem Kulturreferat wird höchste Zeit. Es ist aber auch eine Frage des Geldes. Die ideale Lösung wäre, dort eine zentrale Anlaufstelle rund um das Kulturzentrum und auch für Vereine zu etablieren, die kulturelle Veranstaltungen durchführen. Ich sehe aber auch, dass solche Kulturaufgaben in Forchheim noch nicht gemacht worden sind, weshalb ich verstehen kann, dass die Konstruktion Zeit braucht. Es soll ja auch länger als zwei Jahre halten.

 

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, geht es Ihnen aber nicht nur um das neue Kulturzentrum, sondern um geschützte Kulturräume insgesamt. Was schwebt Ihnen denn da vor?

Man muss das mit den geschützten Kulturräumen so sehen, dass es immer Gelegenheiten und Orte braucht, um Abstand vom Alltag zu bekommen und inspirierende Momente und Eindrücke wirklich genießen zu können. Seitdem immer mehr Möglichkeiten weggefallen sind, etwa der Klostersaal, die Jahn-Halle und das Rathaus, wird der Nachholbedarf, der zuvor schon da war, deutlicher sichtbar. Es braucht einfach schöne Ecken, auch zum Beispiel für die bildende Kunst. Vielleicht könnte man auch die ehemaligen Luitpold-Lichtspiele nutzen, nachdem die Firma C & A dort ausgezogen ist. Wichtig ist der Gegenwert, den diese Räume und Momente immer liefern. Mit Glück, Lust und Laune aufgewogen, bringt das sehr viel mehr, als es eine nüchterne Kosten- und Nutzen-Bilanz zeigen könnte.

 

Wenn man dem Fazit des Kulturentwicklungsplanes glauben darf, das bei der letzten Zusammenkunft gezogen wurde, dann spielt wohl das ZirkArt-Festival als Alleinstellungsmerkmal für das zukünftige Kulturprofil Forchheims eine entscheidende Rolle?

Bilderstrecke zum Thema

Bunt und verrückt: ZirkArt-Festival in Forchheim

Am Sonntag ging das bunte Treiben in Forchheim weiter: Jongleure, Akrobaten und Clowns boten dem Publikum auf dem ZirkArt-Festival 2018 ein abwechslungsreiches Programm.


Die Art des Straßen- und Neuen Zirkus ist in anderen europäischen Ländern viel etablierter. In Deutschland ist man noch nicht so weit. Das ist eine Chance für Forchheim, weil wir da ein Vorreiter sind. Das Kolpingshaus böte zum Beispiel aufgrund seiner Raumhöhe und seiner Optik sicher auch unter dem Jahr gute Möglichkeiten für einige gelungene und schöne ZirkArt-Momente. Vielleicht könnten die Akrobaten dort sogar proben. Das wäre doch ein schöner Farbtupfer in der Metropolregion.

 

 

INTERVIEW: UDO GÜLDNER

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