Forchheim: Im Hainbrunnenpark liegt vieles im Argen

1.6.2021, 20:00 Uhr
Die Wohntürme des Hainbrunnenparks in der Hainbrunnenstraße machen optisch durchaus etwas her. Aber vor allem die Außenanlagen sind noch eine einzige Baustelle.

Die Wohntürme des Hainbrunnenparks in der Hainbrunnenstraße machen optisch durchaus etwas her. Aber vor allem die Außenanlagen sind noch eine einzige Baustelle. © Philipp Rothenbacher

Das Ganze sei schon „eine Riesensauerei“, sagt Frank Bergmann (Name geändert). Und wenn er auf den Bauherrn zu sprechen kommt – die Vertreter der Nürnberger Niederlassung des Immobilienentwicklers bpd – schlägt er nur noch die Hände über dem Kopf zusammen.

Bergmann hat Anfang des Jahres seine hochpreisige Eigentumswohnung bezogen, in einem der drei markanten Türme des neuen „Hainbrunnenparks“ auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen BRK-Altenheims in der Hainbrunnenstraße. Immerhin seien ihm wie den anderen Bewohnern und Eigentümern die Wohnungen als „bezugsfertig“ angepriesen worden, etwas mehr als zwei Jahre nach Baubeginn des Großprojekts im Oktober 2018. „Was man uns aber nicht gesagt hat, war, dass wir auf eine Vollbaustelle ziehen“, erzählt Bergmann.

„So gut wie nichts war fertiggestellt.“ Ein Blick über den Gebäudekomplex verstärkt diesen Eindruck auch jetzt noch: Die drei Häuser stehen, die Eigentümer sind eingezogen, drum herum: Schotter, Erdhügel, Absperrbänder und Container. „Für Familien, vor allem für Kinder, kann das hier ziemlich gefährlich werden“, sagt Bergmann. Die Treppenhäuser sind noch im Bauzustand, zu Bergmanns Einzug waren auch die Aufzüge nicht fertig, erst seit ein paar Wochen sind sie (innen behelfsmäßig mit Sperrholzplatten verkleidet) nutzbar. 

Lärm und Erderschütterung: Die aufwändigen Bauarbeiten für die Abwasser-Pumpanlage wurden für Bewohner und Anwohner zur Belastungsprobe. Inzwischen ist die Baugrube (rechts) wieder verfüllt.

Lärm und Erderschütterung: Die aufwändigen Bauarbeiten für die Abwasser-Pumpanlage wurden für Bewohner und Anwohner zur Belastungsprobe. Inzwischen ist die Baugrube (rechts) wieder verfüllt. © privat

Als „Grund allen Übels“ benennt Bergmann ein Abwasser-Pumpwerk, das gleich nach dem Hauptzugang zum Areal entstehen sollte – „und es war von Beginn an fehlgeplant“. Eine neue Baufirma wurde schließlich im Spätherbst 2020 beauftragt, um die unterirdische Anlage neu zu errichten. Bagger rückten an, eine Baugrube wurde ausgehoben, Stahlträger zur Stabilisierung in den Grund getrieben, Wassertanks verbetoniert und das Ganze mittels Kran wieder zugeschüttet. 

Die Folge: Dreck, Lärm und vibrierende Erde, über Monate, täglich von morgens bis spätabends. Seit gut einem Monat ist das „Loch“ wieder dicht, berichtet Bergmann. Bis heute bräuchte man die eigene Wohnung ohne Gummistiefel gar nicht erst verlassen, wenn es vorher geregnet hat und der weiterhin nur geschotterte Außenbereich der Anlage zum Matschgebiet wird. 

Statt Park-Feeling gibt es momentan eher wässriges Baustellen-Flair.

Statt Park-Feeling gibt es momentan eher wässriges Baustellen-Flair. © Philipp Rothenbacher

Die Zeit bis dahin zehrte nicht nur an seinen Nerven, sondern vor allem an denen jener Bewohner im Erdgeschoss, die die Baustelle praktisch direkt vor ihrer Terrassentüre hatten. Es sei inzwischen schon zu Auszügen gekommen.

Von dem Ärger können auch die Nachbarn des Hainbrunnenparks ein Lied singen. Beispielsweise in der Johann-Sebastian-Bach-Straße. „Durch die Erderschütterungen sind Risse in unserem Haus entstanden, die Treppe zu unserem Keller bricht auseinander“, erzählt eine Nachbarin. „Das da drüben“, sagt sie und deutet auf den rückwärtigen Teil des Geländes, wo der Park des Hainbrunnenparks sein sollte, „ist wie ein Sumpf“. Probleme mit dem Grundwasser habe es dort schon immer gegeben, noch zu Zeiten des alten BRK-Heims, „die hatten auch ständig Wasser im Keller“. 

Eine zusätzliche Belastung für die Baustellen-Nachbarn: der Schwerlastverkehr über eine Zufahrtsgasse im Norden zwischen Johann-Sebastian-Bach-Straße und Hainbrunnenpark. „Lkw, Bagger, schweres Gerät, diese Straße schaut inzwischen grausam aus“, berichtet ein Anwohner. 

Seitens der Stadt gibt es zumindest in diesem Punkt keine Bedenken: „Die Johann-Sebastian-Bach-Straße ist eine öffentlich gewidmete Straße und insoweit auch für den Anlieferverkehr von Baustellen zugelassen“, heißt es aus dem Rathaus. Weil die Stadt hier nicht selbst in Besitz von Grundflächen ist, seien etwaige Beschädigungen beziehungsweise Beeinträchtigungen im Umfeld des Hainbrunnenparks mit dem Bauträger privatrechtlich zu klären.

Viel Schwerlastverkehr zum rückwärtigen Teil des Hainbrunnenparks findet über diese kleine Gasse an der Johann-Sebastian-Bach-Straße statt.

Viel Schwerlastverkehr zum rückwärtigen Teil des Hainbrunnenparks findet über diese kleine Gasse an der Johann-Sebastian-Bach-Straße statt. © Philipp Rothenbacher

Und genau das erwägen nach NN-Informationen einige betroffene Nachbarn – oder haben bereits rechtliche Schritte Richtung Schadensersatz unternommen. Gleiches gilt für eine Reihe von Wohnungseigentümern des Hainbrunnenparks.

Die Investorenfirma bpd ist ein international aktives Unternehmen der niederländischen Rabobank mit Hauptsitz in Utrecht. Laut eigenen Angaben zählt bpd zu den größten Projekt- und Gebietsentwicklern Europas.

Dass es zu Verzögerungen kommt, allen voran in Sachen Außenanlagen, Zugangswegen sowie des namensgebenden Parks und des noch gesperrten Spielplatzes, hatte bpd zuletzt auf die Corona-Pandemie geschoben. Für Bergmann und andere Bewohner ein fadenscheiniges Argument – nicht nur, weil die Baubranche generell sehr glimpflich durch die Krise gekommen ist. „Mit Corona hatte das nichts zu tun“, so Bergmann, „sondern, weil eine Fehlplanung die nächste jagte“.

Für Ende Juni sei die Komplettabnahme des Hainbrunnenparks zwischen Bauträger und Eigentümer anberaumt. „Komplett unrealistisch“, findet Bergmann, „dass bis dahin innen und außen alles fertig sein soll“.

Dabei hat er grundsätzlich Lob für das Projekt: Die Häuser sehen schön aus, der Innenausbau der Wohnungen ist gelungen und mit Blick auf ihre Preise (viele im oberen sechsstelligen Bereich) „qualitativ absolut angemessen“, so Bergmann. Die eigentliche „Riesensauerei“ seien die „äußeren Umstände und das Verhalten von bpd in Nürnberg“ – wo man auf Beschwerden gar nicht reagiere oder über Anwälte kommuniziere, „die ganz offensichtlich keine Ahnung von der tatsächlichen Situation hier haben“. 

Mehrere NN-Anfragen bei bpd blieben vergangene Woche ohne Rückmeldung. Jetzt teilt das Unternehmen mit, sich zu den Kritikpunkten nächste Woche äußern zu wollen, weil sich die zuständigen Projektsteuerer derzeit im Urlaub befinden.

PHILIPP ROTHENBACHER

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