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Donnerstag, 05.12.2019

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Forchheim: Neue Geländer für den Kellerwald

Holzgeländer und Provisorien sollen sukzessive weichen - 13.11.2019 19:00 Uhr

Über eine Farbe wurde noch nicht entscheiden. Zur Auswahl stehen Grau- und Brauntöne. Zur besseren Darstellung haben wir das neue Geländer auf unserem Bild rot eingefärbt. © Berny Meyer


Bis ins Bauministerium nach München hat es der Kellerwald, oder besser gesagt: haben es seine Geländer gebracht. Denn dem alten Holzkonstrukt mag zwar für viele Besucher ein gewisser Hauch von Romantik anhaften, es entspricht aber in keinster Weise mehr den heutigen Sicherheitsanforderungen. Die Holzkonstruktionen sind zu niedrig, halten die Last des Feiervolks nicht aus und Kinder können zwischen den Streben durchrutschen. Deswegen wurden kurz vor dem letzten Annafest Stabmattenzäune installiert, um die Festbesucher zu sichern. Optisch ansprechend war das freilich nicht.

"Neugestaltung der Umwehrungen der Freischankflächen auf dem Kellerwaldgelände" – so nannte sich der Tagesordnungspunkt des jüngsten Planungs- und Umweltausschusses des Stadtrates. Was hinter der etwas sperrigen Formulierung steckt: Das Provisorium soll weg und durch ein dauerhaftes, ansehnlicheres Geländer ersetzt werden.

Ein Planungsbüro aus Erlangen, das auf diesem Gebiet viel Erfahrung mitbringt, hat es doch auch den Umbau der Geländer auf dem Bergkirchweih-Gelände begleitet, war mit einem Entwurf für Forchheim beauftragt worden. Doch dass das Annafest kein Bergkirchweih-Abklatsch werden soll, machte Ingenieur Markus Gräßel von Anfang an den Stadträten klar: Forchheim habe eine "äußerst interessante Thematik" und sei "eine ganz andere Herausforderung als im Massenbetrieb Erlangen". Ganz wichtig bei Planung und Ausfertigung, so Gräßel, sei die Sicherstellung einer sogenannten Geländer-Holmlast, die dafür Sorge trägt, dass das Geländer auch hält und nicht im Gedränge bricht.

Vier Prototypen hat das Erlanger Büro erschaffen und die Objekte der Keller-Begierde in kleinem Maßstab in die Sitzung mitgebracht. Um es vorwegzunehmen: Einstimmig haben sich die Stadträte für Variante IV entschieden, nicht ohne, wie es beim Heiligtum Kellerwald üblich ist, ausführlich und emotional darüber zu diskutieren.

Nach anfänglicher Skepsis – Udo Schönfelder (CSU): "Ich weiß nicht, ob das optisch erbaulich ist" und Holger Lehnard (ebenfalls CSU): "Das ist praktisch, aber ob das gut ankommt, weiß ich nicht" – zeigte sich Begeisterung quer durch alle Fraktionen. Edith Fießer (FGL) sprach gar von "der Überraschung des Tages". Aus feuerverzinktem duplexbeschichtetem Stahl soll die neue Umwehrung sein. Die schlanken Stahl-Stäbe sind äußerst filigran, ein Stäbchen-Paar ist jeweils gedreht, so dass es quasi den Bezug zum altgedienten Geländer in der Gestaltung aufnimmt. Nach unten hin weitet sich die Konstruktion auf und ist nicht zu eng, dass man sich eventuell die Finger quetschen könnte und doch schmal genug, damit kein Kind hindurch fallen kann. Verankert wird das neue Geländer über Rohrhülsen, die direkt ins Erdreich gebohrt und nicht, wie Manfred Hümmer (FW) wissen wollte, im Sandstein verankert werden.

950 Euro pro Meter

Die Kosten belaufen sich, auch das fragte Hümmer beim Ingenieur nach, auf 950 Euro für den laufenden Meter. Dazu kommen noch die Kosten für Geologen, Statiker, Vermessung und Mehrwertsteuer. Insgesamt hat der Kellerwald eine Geländer-Länge von mehr als einem Kilometer, nämlich 1135 Meter.

"Forchheim geht auch hier voraus", meinte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD). Er machte deutlich, dass das Geländer eine Spezialanfertigung sei, die "der Einzigartigkeit des Kellerwalds entspricht" und nur für den Kellerwald entworfen wurde. Sowohl mit dem Heimatpfleger als auch mit dem Denkmalpfleger habe man bereits gesprochen die beide mit der neuen Geländer-Variante "d’accord" gehen, so Bauamtsleiter René Franz.

Als Reminiszenz an die Vergangenheit könnten auch Teile der historischen Geländer bestehen bleiben, betonte Gräßel. Das neue Stahlgeländer verlaufe dann hinter den historischen Stücken.

Weil das neue Geländer "mit Bedacht gewählt sein will", so OB Kirschstein, wird als nächstes ein Stück im Maßstab 1:1 angefertigt, das als Anschauungsobjekt an wichtigen Stellen im Kellerwald positioniert werden kann. Um die Farbauswahl zu erleichtern (die Palette reicht von Grau bis zu Braun-Tönen) wird es, auf Anregung von JB-Stadtrat Stephan Schneider, große Farbtafeln geben, die ebenfalls als Anschauungsstücke aufgestellt werden sollen.

Die Entscheidung über die Geländer wird letztendlich der Stadtrat treffen. Im Anschluss daran soll sukzessive die Moderne im Kellerwald einziehen.

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