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Forchheim: Ostspange führt zu lautstarken Schlagabtausch

Staatliches Bauamt Bamberg stellt aktuellen Stand der Planungen vor — Lautstarke Diskussion entfacht - 21.09.2018 06:00 Uhr

Die geplante Ostspange soll den Verkehr aus Reuth verdrängen und die Gosberger entlasten. Das Projekt ist umstritten, weil die Trasse eine sieben Meter hohe Brücke und einen über zwei Meter hohen Damm braucht.

20.09.2018 © Foto: Roland Huber


Stefan Arneth ist im Staatlichen Bauamt Bamberg für die Planung der Ostspange zuständig. Er informierte über den aktuellen Stand. Unter den Zuhörern waren nicht nur Kreisräte, sondern auch Zuhörer, die sich vom Bau der Ostspange eine Entlastung versprechen und Gegner des Vorhabens. Darunter Vertreter der Bürgerinitiative Wiesenttal ohne Ostspange (Biwo).

Die Ostspange ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 als "vordringlicher Bedarf" eingestuft. Das Bauamt hat den Verkehr rund um das geplante Gebiet zählen lassen und wertet diese Zahlen für ein Gutachten aus. "Darin prüfen wir auch, ob eine Verbesserung der Bahnverbindung eine Auswirkung hat", sagte Arneth. Er greift damit ein Argument der Grünen auf, die lieber den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) als den "motorisierten Individualverkehr" stärken wollen, so Kreisrat Karl Waldmann. "Wie viele Rekordsommer mit vollgelaufenen Kellern brauchen wir eigentlich noch, bis wir umsteuern?" Er sprach von "einer Verkehrspolitik aus dem letzten Jahrhundert". Der Bau zerstöre die Natur. "Die Natur ist betroffen, aber auch der Mensch und dieser hat Anspruch auf Besserung", sagte CSU-Rat Eduard Nöth unter Beifall einiger Zuhörer.

Einmal um die Stadt

Die Ostspange soll in erster Linie zu weniger Verkehr in Reuth führen. Die Karawanen werden über das Kersbacher Kreuz in Forchheims Süden durch das Wiesenttal geführt und schließlich wieder zurück auf die B 470 zwischen Reuth und Weilersbach. Einmal um die Stadt herum. Derzeit führt die Bundesstraße über die Theodor-Heuss-Allee und schließlich die Bayreuther Straße.

Die östliche Spange ist nur ein Teil der geplanten Südumgehung Forchheims, für die bereits im Bereich Burk die Westspange fertiggestellt wurde. "Eine hervorragende Entwicklung für Burk", merkte Nöth an. Die Verkehrsbelastung für die Anwohner sei spürbar zurückgegangen, gleiches erhoffe er sich nach dem Bau der Ostspange für die Anwohner in Reuth. Entlastung soll die Trasse auch für Gosberg bringen. Bisher schlängeln sich täglich über 10 000 Fahrzeuge durch den Ort.

Sechs Varianten für die Ostspange stehen zur Wahl, zusammen mit den angrenzenden Gemeinden hat sich ein Kompromiss ergeben, der im Bundesverkehrswegeplan angemeldet ist. Es handelt sich um einen groben Korridor und der hat Luft, sagte Arneth. "Der tatsächliche Verlauf der Kompromisslinie kann sich 100 Meter nach links oder rechts verschieben."

"Großer Knackpunkt"

Flexibel bleiben müsse das Amt, weil Hochspannungsleitungen im Weg stehen. Ein Versetzen der Masten gehe in die Hunderttausende. "Großer Knackpunkt", so Arneth, ist die Bahnlinie. "Wir müssen über sie drüber. Es gibt keine Möglichkeit, sie nicht zu kreuzen." Damit der Zug später unter der Brücke fahren kann, wird sie mindestens sieben Meter hoch.

Im Tal geht es mit einem 2,5 Meter hohen Damm weiter. Diesen braucht es, weil die Trasse durch ein Überschwemmungsgebiet führt. Von Forchheim bis nach Gosberg ist ein vierspuriger Abschnitt im Gespräch. "Ob es den wirklich braucht, prüfen wir", sagte Arneth. "Wir bauen nicht größer als nötig." In den vergangenen Jahren hat die Biwo wiederholt gegen eine "Monstertrasse" demonstriert.

Von einem "Monster" gesprochen

Auch Grünen-Kreisrätin Edith Fießer nahm das Wort in den Mund. Zwar "scheppert die Tasse im Schrank, wenn Lkw durch Reuth fahren, aber ich verstehe nicht, dass wir Menschen zuschauen können, wie sich das Wiesenttal verändert". Sie warnt vor Gewerbeansiedlungen entlang der Strecke und verweist auf Burk. Der Verkehr werde verlagert, stehe in Ebermannstadt vor der Türe und verursache die nächsten Probleme.

FDP-Rat Sebastian Körber kritisierte ein "erzieherisches Verkehrskonzept" der Grünen. Es sei "unverschämt gegenüber alten Menschen, die keinen S-Bahn-Anschluss haben oder sich kein E-Auto leisten können". SPD-Rat Reinhold Otzelberger sah im ÖPNV keine Alternative für Pendler. "Deswegen sind die Autobahnen ja voll." Er widersprach damit Waldmann, der den ÖPNV im Landkreis mit dem in München verglich.

2019 findet eine Umweltverträglichkeitsprüfung für alle Varianten statt. Das Ergebnis geht an das Bundesverkehrsministerium. Mit einem Spatenstich rechnet Arneth in den nächsten zehn Jahren nicht. Für Verzögerungen sorge nicht nur der Personalmangel an Ingenieuren im Amt. Arneth erwartet Klageverfahren gegen das Vorhaben. Parallel sind auch die möglichen Umgehungen für Oesdorf und Wimmelbach in Planung.

Patrick Schroll Redakteur Nordbayerische Nachrichten Forchheim E-Mail

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