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Forchheim: Sanierung des Gymnasiums wird enorm teuer

Ehrenbürg-Gymnasium Forchheim: Kreisräte ärgern sich über Kostenexplosion - 20.01.2017 06:00 Uhr

14,7 Millionen Euro soll die Sanierung des EGF kosten. Das sind drei Millionen Euro mehr als geplant.

19.01.2017 © Foto: Roland Huber


„Da gibt es nichts schön zu reden“, meldet sich als erster Landrat Hermann Ulm (CSU)im Bauausschuss des Kreistages  zu Wort, der von der Kostenexplosion des EGF kurz vor Weihnachten erfahren „und geschluckt“ hat.

Bauingenieurin Stefanie Plötz von der Firma Bau- und Projektmanagement Hartl zeigte die Chronologie auf. Baubeginn war im März 2015, bereits zwei Monate später, im Mai, habe es „Probleme in der Bauleitung, Defizite in der Planung und mangelhafte Projekt-Abwicklung durch den Architekten“ gegeben, so Plötz.

Im Oktober 2015 habe man „eine Vertragsauflösung angestrebt und einen Sub-Planer mit ins Boot genommen“. Ab Februar 2016 habe sich das Architekturbüro Schwarzmann eingearbeitet. Bis Dezember habe man die Planung auf den Prüfstand gestellt: „Mit dem Ergebnis einer Kostenmehrung von mehr als drei Millionen Euro.“

Stahlstützen korrodieren

Was die Planer aufgedeckt haben, erinnert ein wenig an den Bau der Elbphilharmonie und des Berliner Flughafens: Allein im Trockenbau erhöhen sich die Kosten um 80 Prozent „wegen einer unzureichenden Qualität der Ausschreibungen“, wie Stefan Renner vom Baubüro Schwarzmann aus Hollfeld argumentiert.

Auch in puncto Brand- und Schallschutz kämen „enorme Mehrkosten“ dazu, es gebe „erhebliche bauliche Mängel im Bereich der Stahlkonstruktion und enorme Mehraufwendungen im Zuge des Brandschutzes“.

„Mehraufwendungen im Gewerk Estricharbeiten“ führt Renner an. Im Klartext heißt das: Der Estrich hat einen Höhenunterschied von acht Zentimetern. Für das Begradigen sind 50 000 Euro veranschlagt. Die Stahlstützen des Pavillons im Erdgeschoss „korrodieren stark“. Neue Stützen werden 90 000 Euro verschlingen.

Lisa Badum (Grüne) ist die erste, die sich zu Wort meldet und die 26 Prozent Überschreitung des Budgets anprangert und plädiert, „alle juristischen Wege auszuschöpfen“. Auch Sebastian Körber (FDP), von Beruf Architekt, spricht von „Fehleinschätzungen“: „Es gab keine vernünftige Bestandsuntersuchung. Wenn ich korrekt ausschreibe, habe ich eine andere Preis-Dimension.“ Für einen Moment stellt Körber sogar die Sanierung in Frage: „Für 15 Millionen Euro hätten wir was vernünftiges Neues bauen können.“

Einer, der tagtäglich mittendrin im EGF-Geschehen ist, ist Reinhold Otzelberger (SPD) aus der Schulleitung des EGF: „Solche Fehler dürfen Fachleuten nicht passieren. Bei einem soliden Leistungsverzeichnis wären die Kosten von Anfang an höher gelegen.“

„Abgerechnet wird zum Schluss“, konstatiert Werner Wolf (FW), der auch die Frage stellt: „Kommen wir denn mit dem Budget von 14 Millionen aus?“ „Es gibt noch ein Risiko, das wir nicht beziffern können“, muss Stefan Götz, zuständiger Planer beim Kreisbauamt, einräumen: „Wir wissen nicht, was uns im letzten Bau-Abschnitt 4 erwartet.“

Nach lebhafter Diskussion einigen sich die Räte darauf, den Kostenmehrungen in Höhe von 2,4 Millionen Euro zuzustimmen. Vorläufig herausgerechnet wurde die Neugestaltung der Außenanlagen (325 000 Euro), die Beleuchtung (40 000 Euro) und der Windfang (48 000 Euro). Außerdem wird die Verwaltung beauftragt, Regressmöglichkeiten zu prüfen und Beweise zu sichern.

BIRGIT HERRNLEBEN

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