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Forchheimer finanzierte Crystal-Meth mit gestohlenen Fahrrädern

Vor der Verhandlung nahm der 33-Jährige "eine letzte Nase", um sich zu beruhigen - 04.03.2021 11:29 Uhr

Die Droge Crystal Meth hat einen jungen Familienvater aus Forchheim verführt. 

16.04.2014 © Marc Müller (dpa)


Nicht mehr ins Gefängnis. Dafür eine Therapie. Von der ersten Minute des Prozesses an arbeitete die Verteidigerin Nicole Obert auf dieses Ziel für ihren Mandanten hin. Schließlich sei es nicht damit getan, dass Ernst (Name geändert) in eine Zelle wandert und nach der Haft wieder beginnt, Rauschgift zu nehmen. Die Anwältin wollte vermeiden, dass es wieder zu Diebstählen kommt. Denn Crystal-Meth kostet rund 100 Euro pro Gramm und das konnte sich Ernst nie wirklich leisten. Obwohl er stets arbeitete und Geld mit nach Hause brachte.

Das weiße Pulver aber lockte. Deshalb zahlte er einige Monate lang weniger oder keinen Unterhalt für seine beiden Kinder. Auch diese Straftat wurde in das Urteil einbezogen. "Ich hatte durch das Crystal Ärger mit meiner Frau, mit der Familie, mit dem Arbeitgeber und der Justiz", gestand Ernst selbstkritisch ein. Sein Eigenheim ist weg und er ist in die Pleite gerutscht. Er wolle wieder der Mensch von früher sein, als er noch kein Rauschgift nahm, so der Angeklagte vor Gericht.

Geklaute Räder umlackiert

Gegenüber dem Vorsitzenden Matthias Bachmann und den Schöffen gab Ernst zu, mehrere E-Bikes und Mountainbikes in Bamberg, Erlangen und Forchheim gestohlen zu haben. Entweder alleine oder mit einem Brüderpaar aus dem Landkreis Bamberg.

Die beiden Mittäter hat man juristisch bereits aus dem Verkehr gezogen. Zudem baute und lackierte Ernst die geklauten Fahrzeuge so um, dass sie wieder auf den Markt geworfen werden konnten, ohne sofort als Diebesgut aufzufallen. Seinen Anteil an der Beute nutzte Ernst, um sich Drogen zu besorgen. Mitunter bekam er diese im Tausch gegen kriminelle Dienste. Wie schlimm die Abhängigkeit war und immer noch ist, zeigte sich bei seinem letzten Prozess, als Ernst kurz vor der Verhandlung "eine letzte Nase" nahm, um sich zu beruhigen. In der damaligen Verhandlung ging es darum, dass er einem 21-jährigen Mann in einem Schnellrestaurant so heftig gegen ein Ohr geschlagen hatte, dass dieser einen immer noch andauernden Hörschaden davontrug.

Sucht und Straftat hat Folgen

Dass das Urteil nicht noch höher ausfiel, lag daran, dass ein Teil des Diebesguts bei Verkehrskontrollen und Hausdurchsuchungen gefunden und zurückgegeben werden konnte. Auch ein Stand-Up-Paddling-Board, das auf einem Campingplatz in Bamberg abhanden kam, kehrte dorthin zurück. Da der Mann bereits acht Monate in Untersuchungshaft abgesessen hatte, bleiben weniger als zwei Jahre noch zu verbüßende Freiheitsstrafe übrig. Und das ermöglichte eine Zurückstellung der Vollstreckung. Ernst muss nicht mehr ins Gefängnis, sondern kann eine sechsmonatige Therapie antreten.

In der Behandlung soll Ernst seine Drogensucht bekämpfen, wegen der er seine Straftaten begangen hat. Der Zusammenhang von Sucht und Straftat ist eine der Voraussetzungen für die Unterbringung in einer Fachklinik. Sollte der Mann mit dieser Maßnahme erfolgreich sein, kann die restliche Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Sollte die Therapie fehlschlagen, geht es für Ernst wieder hinter Gitter.

UDO GÜLDNER

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