Einsturzgefahr

Forchheimer Kellerwald: Überraschend unter Haus entdeckter Stollen macht Probleme

Patrick Schroll
Patrick Schroll

stv. Redaktionsleiter Nordbayerische Nachrichten Forchheim

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Die Bodenplatte ist bereits gegossen für das geplante Wohnhaus. Würde weitergebaut wie geplant, dann, so die Befürchtung, würde der darunter liegende Stollen einstürzen. Deswegen soll er jetzt verfüllt werden.

Die Bodenplatte ist bereits gegossen für das geplante Wohnhaus. Würde weitergebaut wie geplant, dann, so die Befürchtung, würde der darunter liegende Stollen einstürzen. Deswegen soll er jetzt verfüllt werden. © Foto: Berny Meyer

Damit sich die Forchheimer nicht wundern oder gar die Augen reiben, wenn demnächst im Kellerwald größere Maschinen anrücken, hat Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) die Öffentlichkeit und die Stadträte im Bauausschuss über die bevorstehende Verfüllung eines historischen Kellers informiert.


Brüchiges Felsenlabyrinth unter der Bierbank


"Es ist eines der emotionalsten Projekte, ist überraschend aufgetaucht und ist einer Altlast geschuldet." So fasst Stefan Kindler, Chef des Bauordnungsamtes, einen komplexen Vorgang zusammen, der bereits ein Gericht beschäftigt hat. Die Stadt habe sich das Problem selbst geschaffen, indem sie dort Baurecht ausgewiesen hat. Was spielte sich da ab? Kindler: "Es gab verschiedene Eskalationsstufen."

Oberirdischer Ausgangspunkt (der unterirdische folgt) der verzwickten Geschichte ist "Auf den Kellern 4", ein Grundstück oberhalb des Geländes des ehemaligen Gottla-Kellers. Dort will der Investor, die Niersberger Wohn- und Anlagenbau GmbH aus Erlangen, ein Mehrfamilienhaus mit fünf Wohneinheiten und sieben Carports verwirklichen. Die Betonüberdachungen für die Autos stehen bereits. Doch die restliche Baustelle pausiert. Zwangsweise.

Erst beim Betonieren ist der denkmalgeschützte Stollen aufgefallen

Von den künftigen Wohnungen ist bisher nur die Bodenplatte zu sehen. Das Dilemma: Erst beim Betonieren der Platte ist festgestellt worden, dass sich darunter eine bisher unbekannte Verzweigung des so genannten Bauernkellers befindet. Der restliche Keller ist der Stadt aber bekannt. Ab 2012 ist er über zwei Jahre zusammen mit dem Rappen- und Weiß-Tauben-Keller wissenschaftlich untersucht, kartiert, vermessen und anschließend saniert worden.

Willkommen in Forchheims Untergrund: Der Bauernkeller am Kellerberg ist vor rund zehn Jahren ausführlich wissenschaftlich untersucht und im Anschluss saniert worden. Jetzt ist ein bisher anscheinend unbekannter Keller-Ast aufgefallen. Für einen Bauherren hat das Konsequenzen.

Willkommen in Forchheims Untergrund: Der Bauernkeller am Kellerberg ist vor rund zehn Jahren ausführlich wissenschaftlich untersucht und im Anschluss saniert worden. Jetzt ist ein bisher anscheinend unbekannter Keller-Ast aufgefallen. Für einen Bauherren hat das Konsequenzen. © Archivfoto: Roland Huber

Wofür auch staatliche Zuschüsse geflossen sind. Warum oder ob der Stollen bei den umfangreichen Untersuchungen damals nicht entdeckt worden ist, kann die Stadt heute nicht beantworten. Sie begründet es damit, dass Mitarbeiter, die mit dem Thema zu tun hatten, mittlerweile aus dem Dienst ausgeschieden sind, heißt es auf unsere Nachfrage.

"Teilweise einsturzgefährdet"

Das Problem: Der Wohnbaukörper steht genau auf dem bisher unbekannten Keller-Ast. Das ist nicht nur statisch ein Problem für Keller wie für das künftige Wohnhaus, sondern auch denkmalschutzrechtlich nicht unproblematisch.


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"Die Kellerstollen auf dem Kellerwaldgelände sind in ihrer Gesamtheit in der Denkmalliste als Baudenkmäler eingetragen", informierte Kindler die Stadträte. "Ohne den Stollen zu stützen, ist ein Weiterbau nicht möglich. Es gibt Bereiche, die teilweise schon einsturzgefährdet sind", schilderte Kindler. Provisorische Stützen sind eingebaut. Doch die reichen nicht.

Den Stollen unterirdisch verfüllen

Für eine Viertelmillion muss die Erlanger Firma nun den Kellerstollen unterirdisch verfüllen, damit er die oberirdische Last aufnehmen kann. Dass die Kosten vom Bauherrn und nicht von der Stadt bezahlt werden, musste in einem Gerichtsverfahren geklärt werden. "Der Bauherr dachte, die alleinige Last zum Verfüllen liege bei der Stadt", so Kindler. Das hat auch damit zu tun, dass die Eigentumsverhältnisse (wem gehört an den Kellern was?) seit Jahren eine Streitfrage sind.

Deshalb deutet der Bauordnungsamtschef auch an, dass die Kostenfrage trotz Gerichtsverfahren längst nicht vom Tisch sei. Verfüllt wird der Stollen mit einem mineralischen Material in mehreren Lagen. Die letzte und obere wird dem Keller von oben zugeleitet.

Ein erhöhtes Restrisiko

Dafür sind zwei Kernbohrungen notwendig. Der Denkmalschutz hat dem Verfahren zugestimmt und denkt in Jahrzehnten und mehr. Denn: Weil das Material mit einer Folie von der Sandsteinwand fern gehalten werde, kann die Verfüllung rein theoretisch wieder zurückgebaut werden. Der Stollen bleibt so für die Nachwelt erhalten, wäre aber erst dann wieder sichtbar, wenn das Gebäude darüber irgendwann mal abgerissen werden würde.


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Aus der Welt geschafft ist das Problem mit dieser Lösung noch nicht. Einige der an den Kellerstollen angrenzenden Nachbarn des Bauernkellers sorgen sich, dass bei der Verfüllung die teils sanierten Abschnitte beschädigt werden könnten. Eine unterirdische Mauer soll den verfüllten Bereich von den restlichen Kellergängen abtrennen und schützen.

"Die Verantwortung eines jeden Häuslebauers"

"Wir haben ein ein bisschen erhöhtes Restrisiko, es befindet sich aber im normalen Rahmen", sagte Kindler. Die Verfüllung sei die schonendste Variante. Eine Absicherung mittels Pfahlgründung (tief in den Boden) wäre mit erheblichen Erschütterungen des "archäologisch schwierigen Geländes" verbunden gewesen, weshalb diese Variante ausgeschieden sei, so Kindler. "Wir müssen uns auf den Statiker verlassen", antwortete er Martina Hebendanz. Die CSU-Stadträtin fragte nach, wer mögliche Folgekosten trägt, wenn es im Zuge der Verfüllung zu Schäden am sanierten Keller kommen würde.

Die Sorgen der Stadträtinnen und Stadträte versuchte Kirschstein zu entkräften: "Wer ein Gebäude errichtet, ist dafür verantwortlich, dass das Gebäude stehen bleibt und das Nachbargebäude nicht beschädigt wird. Das ist die Verantwortung eines jeden Häuslebauers."

Der Oberbürgermeister stellte auch klar, dass es nicht Aufgabe der Stadt sei, zu bewerten, wie sich das Bauprojekt mit den nun zusätzlichen Kosten für die Verfüllung wirtschaftlich trage. "Dass hier kein geförderter Wohnraum entsteht, war klar." Aufgefallen sei der Keller unter den künftigen Wohnungen erst durch ein altes Foto, erklärte Kindler den Stadträten.

"Bei der Genehmigung noch nicht aufgefallen"

"Das ist uns damals bei der Genehmigung noch nicht aufgefallen. Man kann also niemandem einen Vorwurf machen." Erteilt worden ist die Genehmigung bereits im März 2018. Damals allerdings noch Haldun Yildirim, der den Keller 2015 gekauft hatte und auf dem Grundstück ebenfalls ein Mehrfamilienhaus errichten wollte. Seine Pläne setzte er aber nicht um und verkaufte statt dessen das Grundstück 2020 an die Erlanger Firma.

Seinen Unmut drückte Manfred Mauser (FBF/CSU) aus: "Ich glaube den Planern nicht immer alles. Der Baukörper war erst an anderer Stelle geplant." Tatsächlich sollte das Gebäude erst an anderer Stelle entstehen, wie die Stadt auf Nachfrage mitteilt. Die Baugenehmigung sei damals erteilt worden mit der Auflage, den Baukörper weiter weg von den bekannten Kellerstollen zu errichten. Der jetzt entdeckte Ast sei damals "nicht berücksichtigt" worden. Dadurch sei er der Firma Niersberger auch nicht bekannt gewesen "und wurde erst im Baufortschritt tatsächlich wiederentdeckt".

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