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Montag, 06.07.2020

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Forchheimer Rathaus: Das Parkett bleibt unangetastet

Sachstandsbericht Rathaussanierung: Keine Kabel unter dem historischen Fußboden. - 31.05.2020 09:00 Uhr

Hinter die Fassade geblickt: Unser Foto entstand bei einem Baustellenrundgang mit Oberbürgermeister Uwe Kirschstein.


Sie wurden jahrzehntelang mit Füßen getreten und sind doch ein Kleinod, das im Verborgenen schlummert: Die massiven Holzdielen des "fränkischen Parketts" im Obergeschoss des sanierungsbedürftigen Forchheimer Rathauses.

Am Dienstag erst, informierte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) beim regelmäßigen Sachstandsbericht zur Rathaussanierung in der Sitzung des Stadtrats, sei Robert Pick vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege vor Ort gewesen.

Um das historische Gebäude künftig auch fachgerecht zu dämmen, so Kirschstein, habe der Denkmalpfleger vorgeschlagen, die Balken aus der Wand zu entnehmen, dann die Dämmung aufzutragen und die Balken wieder einzubringen. "Das ist ein Wunsch, den wir gerne respektieren wollen", erklärte das Stadtoberhaupt.

 

Bautafel am Rathaus

 

Für die kommende Woche ist ein Fachplanertreffen anberaumt. Die Vorstellung des Innenausbaus und Tekturplanung, die eigentlich für die Sommermonate terminiert war, werde deswegen erst im September beziehungweise Oktober stattfinden. "Doch das ändert nichts daran, dass wir im Zeitplan sind", so der OB.

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Ab September soll auch die Rathaus-Baustelle "nach außen sichtbar werden", das Rathaus wird eingerüstet. Eine Bautafel soll die Bürger und Touristen über das Bau- und Sanierungsvorhaben informieren. Wie genau die Tafel ausgestaltet wird, das muss noch abgestimmt werden.

Doch zurück zum Parkett: Eine Wasserwaage braucht man nicht auf den historischen Fußboden zu legen, denn der ist in dem uralten Gebäude krumm und schief: "Wir haben ein Niveaugefälle von rund zehn Zentimetern", berichtete Kirschstein. Den unter den Holzdielen liegenden leeren Raum wollte man eigentlich nutzen, um dort Kabel und Leitungen zu verlegen. Anschließend sollten auf die Kabel wieder die Holzdielen obendrauf kommen.

Aber der vor wenigen Tagen geäußerte Wunsch des Denkmalpflegers ist ein anderer: Das alte Parkett soll "in situ", so der Fachbegriff für "in der ursprünglichen Position", belassen werden, informierte Kirschstein die Stadträte.

Hans-Werner Eisen (CSU) zeigte sich verwirrt: "Es ist ja nicht so, dass das Parkett nicht sichtbar wäre", stellte er fest und fragte: "War das nicht vorab geklärt? Warum wurde, gerade bei einem historischen Gebäude, der Denkmalschutz nicht früher eingesetzt?" Außerdem, so Eisen, wünsche er sich "eine klare Abgrenzung, was schützenswert ist und was weniger schützenswert ist".

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Sebastian Körber (FDP) nahm die Diskussion, "mit baffen Erstaunen" hin. "Man kann sich vieles wünschen", sagte Körber, der bereits Mehrkosten auf die Stadt zukommen sieht. "Das gehört aufgeklärt."

"Es war immer klar, dass wir das Parkett sichtbar machen", erinnerte Oberbürgermeister. Über den neuen Wunsch der Denkmalpflege sagte er: "Ich war auch sehr erstaunt. Wir waren viele Male vor Ort." Hingegen rief Kirschstein dem Gremium auch an die Fördermittel ins Gedächntnis: "Wir kriegen als Entschädigung 4,1 Millionen Euro", das sei "nicht wenig im Bezug aufs Gesamtvolumen". Gleichwohl wäre es zielführender gewesen, meinte Kirschstein, "wenn der Wunsch der Denkmalpfleger stärker formuliert worden wäre".

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Martina Hebendanz (CSU) hoffte indes, "dass sich keine Verzögerungen ergeben". Franz Noffke (Rep) mahnte an, dass das Rathaus nicht "ein zweiter Berliner Flughafen" werden dürfe und fragte den OB nach "einer vorsichtigen Prognose", wann das Rathaus für Bürger wieder zugänglich sei. "Ende 2023 ist das Haus fertig, das ist unverrückbar", so Kirschstein.

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