Forchheimer Rathaus-Sanierung: Die Fenster könnten wieder wie früher zur Bauzeit aussehen

19.2.2021, 13:01 Uhr
Die Aufnahme aus dem letzten September zeigt die Fenster im heutigen Zustand: hochrechteckig. Die Zwischenräume zu den geschnitzten Holzbalken wurden von innen mit Ziegeln ausgefüllt.

Die Aufnahme aus dem letzten September zeigt die Fenster im heutigen Zustand: hochrechteckig. Die Zwischenräume zu den geschnitzten Holzbalken wurden von innen mit Ziegeln ausgefüllt. © Ulrich Graser

So um die Jahrtausendwende herum beanspruchte Forchheim für sich den Status: "Fränkisch modern mit altem Kern." Wobei bei der Aussprache des Wörtchens "modern" aufgepasst werden muss, dass die Betonung auf der zweiten Silbe liegt.

2016 wurde der ursprüngliche Fensterausschnitt freigelegt. Deutlich zu sehen ist die nachträgliche Verkleinerung des Ausschnitts durch zusätzliche Holzbalken.

2016 wurde der ursprüngliche Fensterausschnitt freigelegt. Deutlich zu sehen ist die nachträgliche Verkleinerung des Ausschnitts durch zusätzliche Holzbalken. © Archivfoto: André de Geare

"Auch im Barock wollten die Forchheimer modern sein", sagt Restaurator Norbert Lenk, der im Rahmen der Generalsanierung die Bestandsaufnahme am Rathaus gemacht hat. Er bezieht sich dabei auf die Frontfenster des Magistratsbaus, die damals im Barock im Vergleich zur Ursprungsversion eindeutig verkleinert wurden.

Vorhandene Fenster zu verkleinern erscheint heute zumindest ungewohnt. Wenn man sich ein wenig in der Baugeschichte umschaut, stößt man auf die kleinen Kirchenfenster der Romanik und die nahezu wandgroßen Öffnungen der späten Gotik. Offenbar trieb der Wunsch nach großen Fensteröffnungen und helleren Räumen die Bauherrn und Architekten an.

Keine bessere Sicht

"Große Öffnung bedeutet nicht gleich mehr Licht und bessere Sicht", gibt Lenk zu bedenken. Heller und durchschauen können war der Wunsch, als man den Magistratsbau umbaute. Ursprünglich waren alle Fenster zwischen den geschnitzten Balken, wie es beim Haus Kammerzell in Straßburg erhalten ist. Die großen Fensteröffnungen sind mit Butzenscheiben verglast. "Vermutlich war das in Forchheim auch so oder es waren Tellerscheiben", erklärt Lenk.

Die Visualisierung zeigt, wie die Fenster des Magistratsbaus nach der Sanierung aussehen könnten: Breiter als bisher, dreigeteilt und in die geschnitzten Tragsäulen eingehängt. Das liegt näher am Ursprungszustand.

Die Visualisierung zeigt, wie die Fenster des Magistratsbaus nach der Sanierung aussehen könnten: Breiter als bisher, dreigeteilt und in die geschnitzten Tragsäulen eingehängt. Das liegt näher am Ursprungszustand. © Foto: privat

Durch sie hatte man – der Herstellung geschuldet – keinen klaren Blick nach draußen. In der Glasherstellung, so Lenk, galt das größte Bemühen der Durchsichtigkeit. Die erreichte man beim Glasblasen nur schwer. Man versuchte es mit verfeinerter Technik: Der Glasbläser schleuderte beim Blasen den geschmolzenen Klumpen, so dass ein zur Seite hin dünneres Gebilde entstand.

Die ersten Fensterscheiben waren mundgeblasen

Aber bei Weitem noch keine Glasscheibe wie wir sie kennen. Dann entwickelte man eine neue Technik. Die ersten Fensterscheiben waren wie jedes Glasgefäß damals mundgeblasen. Der Glasbläser schnitt den geblasenen Korpus auf und erwärmte ihn wieder. Dabei rollte sich die Schnittstelle plan nach außen. Zwar noch mit kleinen Einschlüssen, aber eine lichtdurchlässige und wenig verzerrende Scheibe war entstanden.

Als dann am Rathausplatz im 18. Jahrhundert mehrere Häuser gebaut wurden mit diesen hochrechteckigen klaren Glasscheiben in den Fenstern, da haben die Ratsherrn vermutlich gesagt: "Auch wir machen unser Rathaus modern." Sie wollten den Durchblick, aber die Menge an Scheiben konnte man sich nicht leisten: "Die Glasfenster waren damals teurer als der ganze Bau", so der Fachmann. Also blieb nur das Verkleinern der Aussparungen. An der Außenseite ging man behutsam vor und zog senkrechte Hölzer innerhalb ein. Der Zwischenraum musste verfüllt werden. Das geschah mit Ziegeln von der Innenseite her.

Brachial vorgegangen

So sehen die Fenster heute von innen aus: echtes, durchsichtiges Glas.

So sehen die Fenster heute von innen aus: echtes, durchsichtiges Glas. © Archivfoto: Ralf Rödel

Und dabei ging man ziemlich brachial vor, wie Lenk bei feststellte. Damit die Steinfüllung gut hielt, bearbeitete man die auch auf der Innenseite fein beschnitzten Tragsäulen mit der Axt. Die geschwungenen Kanten hat Lenk aus den Resten rekonstruiert. Als Bauzeichnung.

Anhand von ihnen könnte man sie wiederherstellen, wenn man denn den ursprünglichen Zustand wieder sichtbar machen will. Darüber ist sich Lenk sicher, auch wenn der Aufwand groß sein wird. Die Konsequenz ist aber: Die nun größeren Wandöffnungen müssten mit Butzenscheiben verschlossen werden. "Große Öffnung mit klaren, planen Scheiben wären unhistorisch", stellt Lenk klar. Und genauso die kleinen Fenster mit Butzenscheiben-Imitat, wie wohl seit dem 19. Jahrhundert bis vor den Umbau.

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