Samstag, 14.12.2019

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Forchheimer Tennislehrer auf Abwegen im Padel-Käfig

Harald Payrleitner über die Vorzüge einer jungen Schlägersportart - 17.04.2018 10:55 Uhr

Die Forchheimer (blau) Tim Jaeger und Harald Payrleitner in Nürnberg mit dem Siegerduo. © Foto: Veranstalter


Der Untergrund im Käfig-Spielfeld ist blau, ansonsten kein Meer in Sicht. Das Padel im Namen kommt vielmehr von der Ähnlichkeit der ursprünglichen Holzschläger mit einem Kanu-Paddel.

Herr Payrleitner, wie lange benötigt einer, der täglich stundenlang auf dem Tennisplatz steht, um sich an diese Umgebung zu gewöhnen?

Harald Payrleitner: Die Umstellung fällt gar nicht schwer. Der kurze Kunststoff-Schläger liegt mit dünnem Griff locker in der Hand, hat aber durch sein Gewicht eine angenehme Balance. Man fühlt sich wendig, führt den Aufschlag unkompliziert von unten auf Hüfthohe aus. Umgekehrt hätte ich nach einer ausgiebigen Padel-Runde wohl mehr Probleme, wieder auf Tennis zu schalten. Ich finde Padel im Vergleich zu anderen Schlägersportarten auch für Anfänger schneller zu erlernen, obwohl gute Tennisspieler durch ihre Volley-Technik sicher Vorteile haben.

Gezählt wird nach Punkten und Sätzen wie beim Tennis. Ein eindeutiger Unterschied wiederum ist die Rundum-Bande aus Glas. Wie werden die Punkte erzielt?

Harald Payrleitner: Schon beim Tennis handeln viele instinktiv nicht richtig, in dem sie stets aktiv den Ballwechsel für sich gewinnen wollen. Dabei reicht es ja, wenn der Gegner einen Fehler macht. Beim Padel-Tennis geht so eine Spielweise erst recht nach hinten los. Beim nur 90 Zentimeter hohen Netz muss der Ball flach gehalten werden, viel mehr mit defensivem Schnitt agiert werden. Ein unsauberer, linearer Angriffsschlag springt viel zu hoch vom Boden weg. Der weiche Ball, der nur einmal aufkommen darf, wird bei hochklassigen Duellen sogar von außerhalb des Käfigs und durch die Tür zurückgebracht.

Es geht also weniger um Geschwindigkeit und Kraft. Ist damit die körperliche Beanspruchung auch geringer?

Harald Payrleitner: Das würde ich nicht sagen. Einerseits wird zwar nur im Doppel gespielt, das macht insgesamt weniger Meter und fordert mich konditionell nicht so sehr. Aber das Spiel läuft dennoch in hohem Tempo, du machst viele kleine Schritte nach vorne und zurück und gehst tief in die Knie. In 60 Minuten oder eineinhalb Stunden im Match sind ohne Ballsammeln wenig Unterbrechungen. Diese Intensität spüre ich in meiner Muskulatur am nächsten Tag immer noch.

Entwickelt sich der Padel-Sport zur Konkurrenz für das Tennis?

Harald Payrleitner: Der Trend trifft den Nerv der Zeit, kommt über den Freizeit- und Spaßcharakter. Er wird sich bei uns in den nächsten Jahren noch ausbreiten, steckt aber freilich noch in den Kinderschuhen. In Bayern gibt es momentan gerade einmal vier Anlagen. Die Betreiber treten als Veranstalter von einzelnen kleinen Meisterschaften und Preisgeldturnieren auf. Ein Ligensystem lohnt sich nicht, zumal die deutschlandweit gerade einmal 2000 Aktiven in zwei verschiedenen Verbänden organisiert sind. Der Deutsche Padel-Verband (DPV) und der Deutsche Padel-Bund (DPB) müssten erst einmal zueinander finden, um die Entwicklung an der Spitze und der Basis voranzutreiben.

Zusammen mit seinem ehemaligen Tennis-Schützling Tim Jaeger, ausgebildet bei der SpVgg Jahn Forchheim, belegte Harald Payrleitner bei den Internationalen Fränkischen Padel-Open den 3. Platz. Im Achter-Feld der stärksten Kategorie I gewann das mit einer Wildcard gestartete Duo zwei von drei Partien, schied im Halbfinale gegen die späteren Turniersieger Nowicki/Panske aus.

Kevin Gudd Nordbayerische Nachrichten Forchheim und Ebermannstadt E-Mail

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