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Forchheims erste Tiny Houses geliefert - und so sehen sie aus

Minimalismus trifft Zeitgeist: Auch im Gewerbe steigt die Nachfrage - 17.11.2019 17:14 Uhr

So sieht der Innenraum eines 20 Quadratmeter großen Tiny-House aus.


Die Kochplatte verschwindet im Schrank, das Sofa lässt sich zu einem Bett umfunktionieren, und die komplette Wohnung ist transportierbar: Tiny-Houses (Minihäuser) werden immer beliebter. Egal ob Rentner, Freelancer, Studenten oder Familien – der Minimalismus erreicht alle Bevölkerungsschichten. Das Forchheimer Startup momo mobilmodul von Anja und Florian Stolzenberger aus Erlangen bringt Wohnzimmer, Küche, Bett sowie WC und Dusche auf maximal 20 Quadratmetern zusammen. Jetzt haben sie ihr erstes Minihaus ausgeliefert.


Die erste Tiny-House-Siedlung in Deutschland


Mit dem Haus in den Urlaub

Da die Miet- und Grundstückspreise in weiten Teilen Deutschlands anziehen, suchen Menschen nach Alternativen. Wer auf großzügige Flächen verzichten kann, gewinnt vor allem an Flexibilität: Module mit einer Breite von bis zu 2,55 Meter lassen sich problemlos mit einem Anhänger transportieren – ein PS-starkes Fahrzeug vorausgesetzt. Mit dem Haus sogar in den Urlaub: Tiny-Houses machen es möglich.

Bilderstrecke zum Thema

Flexibel, schick und minimalistisch: Das sind Tiny-Houses aus Forchheim

Die Firma momo mobilmodul aus Forchheim liefert seit Ende Oktober 2019 Tiny-Houses. Wir haben die Bilder vom "Premierenhaus".


Die Fläche der Minihäuser aus Forchheim reicht von sieben bis 20 Quadratmetern, die Preise liegen zwischen 14.000 Euro (unmöbiliert) und etwa 65.000 Euro (Vollausstattung). Flughäfen, Hotels oder Waldkindergärten: Die Liste der Interessenten ist lang. „Dass es so viele gewerbliche Kunden geben könnte, hat mich total überrascht“, stellt der technische Leiter Florian Stolzenberger heraus.

Hinter dem Projekt steckt eine große Portion Idealismus: „Ich habe das Gefühl, dass gerade Fridays-For-Future den Minimalismus weiter nach vorne bringt“, so die Anja Stolzenberger, die Geschäftsführerin von momo mobilmodul. „Generell habe ich den Eindruck, dass ein langsames Umdenken in unserer Gesellschaft stattfindet.“ Den Flächenverbrauch sieht Stolzenberger als großes Umweltproblem an: „Ich hoffe, dass wir durch unsere Häuser die Welt ein bisschen besser machen.“


Das erste Tiny-House in Roth


Finanzkrise als ungewollte Initialzündung

Ende Oktober lieferte das Forchheimer Startup das erste Mobil an einen Kunden in Pettstadt im Landkreis Bamberg aus: „Das war ein absolut genialer Moment für uns“, strahlt Florian Stolzenberger. „Bisher konnten wir uns das alles nur in der Theorie vorstellen. Als das Modul vom Kran heruntergelassen wurde, waren wir unheimlich erleichtert. Da ging viel Druck von uns ab.“

Die Baukasten-Methode macht es möglich, dass sich Kunden individuell ein Haus konfigurieren lassen und gleichzeitig die Module in Massenproduktion gefertigt werden können. Gerade mal eine Woche vergeht zwischen der Bestellung und der Auslieferung eines unmöblierten Moduls.

Das erste Tiny-House ging an einen Kunden aus Pettstadt im Landkreis Bamberg. © TOM-SCHRADE


Ursprünglich wollte Florian Stolzenberger für sich und seine Frau ein Hausboot bauen, Freunde und Bekannte waren von der Idee begeistert, so dass die Stolzenbergers vor etwa sieben Jahren daraus ihre Geschäftsidee entwickelten. "Den Minimalismus haben wir tief verinnerlicht", so Anja Stolzenberger. Das Ehepaar war viele Jahre im Messe- und Ladenbau tätig, somit können sie viel Erfahrung und Know-How vorweisen. Als Florian Stolzenbergers Firma im Zuge der Finanzkrise 2008 insolvent ging, wollten sich die beiden Erlanger neu orientieren.

Biomasse statt Erdöl

Das Arbeitspensum des Ehepaars ist enorm: Bis zu 12 Stunden pro Tag arbeiten die Stolzenbergers an ihrem Projekt. Vor 18 Monaten legten die beiden richtig los und machten sich an die konkrete Umsetzung ihrer Ideen - im Februar gründeten sie ihre GmbH mit acht Gesellschaftern. Da die Produktion über die Forchheimer Firma energy allience läuft, beschäftigt momo mobilmodul bisher noch keine Mitarbeiter.

Doch wie nachhaltig sind die Forchheimer Tiny-Houses? „Ein Vergleich zu herkömmlichen Wohnungen ergibt keinen Sinn“, sagt der gebürtige Münchner. „Wir verwenden viel Aluminium, welches wiederverwertbar ist. Durch das sogenannte Eloxal-Verfahren weist die Außenfassade eine hohe Beständigkeit auf. Zudem basiert der Schaum der Fassadenplatten auf Biomasse und nicht auf Erdöl.“

Wenn doch mal eine Reparatur ansteht, schicken die Stolzenbergers einen Techniker los. „Unser Ziel ist, weitere Stützpunkte zu erschließen und einen bundesweiten Kundenservice aufzubauen“, stellt Anja Stolzenberger heraus. „Irgendwann mal Marktführer in Deutschland zu sein, ist unser großer Traum.“

Anja Stolzenberger macht es sich in einem sechs Quadratmeter großen Tiny-House bequem.


Felix Schwarz

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