Montag, 30.11.2020

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Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein empört über Corona-Teststrecke in Kersbach

Teststrecke wird nach Kritik nun an einen anderen Ort verlegt - 27.10.2020 06:00 Uhr

Der Kirchenring in Kersbach: Wenn hier die Teststrecke aufgebaut ist, kommen die Autos von links, biegen dann an der Kirche ab, getestet wird auf der anderen Seite der Kirche, dann geht es wieder nach links zurück auf die Ortsdurchfahrt.

26.10.2020 © Foto: Ulrich Graser


Es ist eine Situation, die die Anwohner kennen: Mehrfach hatte das Gesundheitsamt hier eine mobile Teststrecke aufgebaut, um diejenigen zu testen, die unmittelbaren Kontakt mit jemanden hatten, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Das war immer dann der Fall, wenn es einen Corona-Fall an Schulen gab und viele Kontaktpersonen auf einmal getestet werden mussten.

Bisher fand das Prozedere sporadisch an vier oder fünf Tagen jeweils zwischen 7 und 8 Uhr morgens statt. Pro Testperson und Auto dauerte das Ganze etwa eine Minute. Die Anwohner hat es gewundert, dass dieser Ort für die mobile Teststrecke ausgewählt wurde, erklärt einer, der am Kirchenring wohnt, aber seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. "Die meisten fanden es nicht gut, dass die Kinder auf ihrem Schulweg an der Teststation vorbei kamen", sagt er im Gespräch mit den NN. Beschwert hat sich offensichtlich jedoch keiner.

Die Tester stehen am Dorfbrunnen und nehmen Abstriche durchs Autofenster.

26.10.2020 © Foto: privat


Das war am Freitag anders. Weil am Herder-Gymnasium die Schüler eines ganzen Jahrgangs und am Gymnasium Fränkische Schweiz die einer Klasse als unmittelbare Kontaktpersonen getestet wurden, bildete sich wegen der vielen Autos ein Stau bis auf die Hauptstraße. Das blockierte den Durchgangsverkehr und auch die Zufahrten der Anwohner. Was den Kersbacher noch störte: "Die Testutensilien wurden auf dem Deckel des Brunnens abgelegt. An anderen Tagen spielen dort die Kinder." Per WhatsApp informierte er Oberbürgermeister Uwe Kirschstein persönlich über die Situation vor seiner Haustür.

Der sei völlig überrascht gewesen und kam mit einer Polizeistreife vor Ort. Kurze Zeit später zeigte er sich auf Facebook "zornig". In seinem Post fragte er: "Wofür aber hatte das Landratsamt Forchheim nochmal die DriveBy-Teststation an der Herderhalle (Ruhalmstraße) eingerichtet, wenn nun mitten im Wohngebiet auf offener Straße getestet wird?" Im Gesundheitsamt habe er zu dieser Uhrzeit am Freitag niemanden mehr erreicht, erklärte Kirschstein. Landrat Hermann Ulm habe auf Nachfrage ebenfalls nichts davon gewusst.

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Die Anwohner des Kirchenrings freute, dass sich der OB persönlich der Sache annahm. Auf seinen Facebook-Post hin entwickelte sich daraufhin eine Diskussion, bei der Fragen wie diese im Raum standen: Warum wird hier getestet? Wer wird hier getestet? Wer testet überhaupt? Warum kommen die Autos auch aus weiter entfernt liegenden Ortschaften? Warum war die Stadt darüber nicht informiert?

Am Montag informierte Landratsamt-Pressesprecher Holger Strehl, darüber, wer wann wo und warum getestet wird . "Das Forchheimer Straßenverkehrsamt ist jedes Mal, wenn die Teststation aufgebaut wurde, informiert worden. Genauso wie die Polizei", so Strehl. Und: "Prozesse wie diese laufen in der Regel auf Arbeitsebene ab", erklärte er, warum Landrat Hermann Ulm am Freitag keine Kenntnis davon hatte.

Dass sein Straßenverkehrsamt von der Teststrecke wusste, bestätigt Uwe Kirschstein auf Nachfrage der NN. "Wir als Stadt hatten zunächst ins Gespräch gebracht, diese Teststrecke auf dem Pendlerparkplatz in Kersbach aufzubauen", erklärte er. Das sei bei den Abstimmungen mit dem Gesundheitsamt nach den zwei Quarantäne-Fällen am Ehrenbürg-Gymnasium gewesen. Er habe sich jedoch nicht weiter persönlich darum gekümmert und erst gestern auf Nachfrage bei seinem Straßenverkehrsamt erfahren, dass das verkehrsrechtlich schwierig war und deshalb nicht umgesetzt werden konnte.

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Am Nachmittag dann hat ein Treffen mit dem Landrat und dem zuständigen Abteilungsleiter des Landratsamtes stattgefunden: Die Stadt habe verschiedene Standorte vorgeschlagen, die auch verkehrsrechtlich besser geeignet sind als der Kersbacher Kirchenring, erklärte Kirschstein. Im Krisenstab des Landratsamtes sollte dann die Entscheidung fallen, wo künftig getestet werde.

Das bestätigt auch Landratsamts-Sprecher Holger Strehl: "Wir wollen zusätzlich zum Testzentrum in der Ruhalmstraße eine zweite Teststrecke an einem festen Standort aufbauen." Wo diese künftig zu finden ist, soll am Mittwoch bekannt gegeben werden.

JANA SCHNEEBERG

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