Wald im Klimawandel

Förster setzen auf möglichst gute Durchmischung

11.10.2021, 18:00 Uhr
Auch Landrat Hermann Ulm sprach im Wald zu den Forst- und Jagdexperten.

Auch Landrat Hermann Ulm sprach im Wald zu den Forst- und Jagdexperten. © Andrea Schrottenloher, NN

Die letzten drei trocken-heißen Sommer haben vor allem den Nadelbäumen in den Wäldern im Landkreis Forchheim stark zugesetzt. „Ich hätte nicht gedacht, dass der Klimawandel so rasch abläuft“, gesteht der Behördenleiter des AELF Bamberg, Leitender Forstdirektor Hans-Rüdiger Schmittnägel. Nach 2018 waren die Bäume im Trockenstress und konnten so dem Borkenkäfer kaum standhalten.

Kollegin beruhigt

„Mach dir keine Gedanken, nächstes Jahr wird’s wieder stärker regnen“, so versuchte Schmittnägel eine Kollegin nach dem ersten trockenen Jahr zu beruhigen, wie er erzählt. Doch gerade die Buchen und Fichten sterben durch die Trockenheit und den Borkenkäfer immer mehr ab.

Mit Plakaten an der Leine verdeutlichten die Förster die Situation im Wald.

Mit Plakaten an der Leine verdeutlichten die Förster die Situation im Wald. © Andrea Schrottenloher, NN

Deswegen ist es wichtig, „reine“ Flächen, das heißt Waldflächen, in denen nur eine Baumart vorkommt, zu vermeiden. In bereits aufgelichteten Flächen sollte die Wiederbewaldung möglichst durch Naturverjüngung erfolgen, mahnt Schmittnägel: „Auf vielen Flächen ist das Potenzial vorhanden, dass sich viele verschiedene Baumarten von selbst ansamen.“ Das Ziel sind Minimum vier verschiedene Baumarten, um eine Risikostreuung zu schaffen und dadurch riesige Kahlstellen durch Ausfall einer einzigen Baumart zu vermeiden.

Unterstützung von Jägern

Ein weiterer wichtiger Faktor sei hierbei die Jagd, denn für das Rehwild sind die Mischbaumarten regelrechte Leckerbissen. Umso höher die Verbisszahlen sind, umso größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich letzten Endes die dominanteste Baumart durchsetzt und wieder ein „reiner“ Bestand übrigbleibt. Deswegen ist die Unterstützung der Jägerschaft ein essenzieller Bestandteil der Naturverjüngung.

Bereichsleiter Forstdirektor Michael Kreppel erläutert den zahlreich erschienenen Zuhörern – von Landrat Hermann Ulm, über den Leiter der Unteren Jagdbehörde Jürgen Kupfer, die ansässigen Waldbesitzer bis hin zum Kreisjagdberater des Landkreises Erich Fiedler, dass aufgrund des Klimawandels einschneidende Änderungen auf den Wald zukommen. „Wie wir jetzt schon spüren, hat die Baumart Fichte im gesamten Landkreis Forchheim keine Zukunft“, so Kreppel.

Plakate aufgehängt

Zur Veranschaulichung hingen im Wald große Plakate an einer Leine zwischen den Bäumen. Darauf war das Anbaurisiko im Klimawandel für verschiedene Baumarten im Jahr 2000 und im Jahr 2100 (Schätzung) zum Vergleich farblich dargestellt. Bei Fichte, Kiefer und Buche ist eine eindeutige Vergrößerung des Anbaurisikos zu erkennen. Die Traubeneiche hingegen bleibt verlässlich, aber auch nicht als Reinbestand, erzählt Kreppel: „Die Mischung macht’s eben.“

Auch er spricht sich dafür aus, dass die betroffenen Waldbesitzer und die Jagdpächter möglichst viel miteinander kommunizieren. Denn nur ein Jäger, der weiß, wo die Schadflächen sind, kann dort auch mit Schwerpunktbejagung eine Wilddichte erreichen, die den Mischwald sprießen lässt.

Landrat wirbt für Verständnis

Landrat Hermann Ulm ist ganz begeistert von der „PowerPoint-Präsentation im Wald“, wie er die Plakate an der Leine nennt. Ulm betont vor allem, wie wichtig es ist, Verständnis zu schaffen. Nicht nur zwischen Jäger und Waldbesitzer, sondern auch bei der Bevölkerung. „Ein Harvester macht eben nicht nur Schaden, sondern ist nützlich. Das müssen die Wanderer und auch die Touristen verstehen“, erklärt er.

Außerdem sei es wichtig, dass Spaziergänger oder auch Mountainbike-Fahrer die Absperrungen von Jagd- und Waldarbeiten beachten. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, den Wald besser beziehungsweise anders für unsere Urenkel im Jahr 2100 zu hinterlassen, so der Landrat.

Wildbret kaufen

Dazu gehört auch die Abnahme von Wildbret beim Jäger vor Ort, betont der Kreisjagdberater des Landkreises Erich Fiedler. Das Wildfleisch sei reich an Eiweißen und daher sehr gesund. Um weitere Maßnahmen im Hinblick auf die Naturverjüngung zu schaffen, verständigten sich die Teilnehmer auf ein baldiges Treffen in größerer Runde.

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