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Fränkische Schweiz: Weniger Wanderwege, dafür total digital

Umweltminister verspricht mehr Unterstützung — Fränkische betreibt hohen Aufwand für Qualitätssiegel - 12.03.2019 20:00 Uhr

Wandern auf dem Forchheimer Hausberg, dem Walberla: Die Wege müssen nicht nur instandgehalten werden, auch die Markierungen werden laufend erneuert. Außerdem werden alle Wege digital erfasst und beschrieben. © Archivfoto: Huber


Für den Unterhalt der 8840 Kilometer an Wanderwegen, die es in der gesamten Fränkischen Schweiz gibt, ist der Fränkische-Schweiz-Verein zuständig. 45 Ortsgruppen zwischen Kulmbach und Erlangen sind daran beteiligt. Bis zu 180 Wegewarte halten die Wanderwege instand, pflegen und ersetzen die Markierungen, erneuern sie, halten sie aktuell. Auf wie viel mehr Aufwandsentschädigung dürfen sie sich nun freuen?

Das ist kaum auf den Cent genau auszurechnen, sagt FSV-Hauptwegewart Fritz Sitzmann aus Neuses. Von den 100.000 Euro, die der Freistaat pro Jahr mehr zahlen will, profitiert neben dem Bayerischen Wanderverband nämlich auch der Alpenverein. "Wir sehen das zumindest als einen Anfang", so Sitzmann. Die Erhöhung sei schon lange überfällig gewesen. Entsprechende Worte habe der FSV-Hauptvereinsvorsitzende Reinhardt Glauber bei der jüngsten Jahrestagung des Wanderverbandes in Richtung des bayerischen Umweltministers gebraucht, der zufällig sein Sohn ist.

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Wie so vieles steckt auch das Wanderwegewesen in der Fränkischen Schweiz mitten in einem gravierenden Umbruchprozess. Beispielsweise soll, maßgeblich auf Betreiben des FSV und des Landratsamtes Forchheim, eine Qualitätswanderregion Fränkische Schweiz geschaffen werden. Das bedeutet zunächst mal viel Arbeit. Nicht nur draußen in der Natur, auch am Schreibtisch.

Ein Schilderpfosten bei Waischenfeld. © Archivfoto: Beke Maisch


Denn um das Zertifikat "Qualitätswanderregion" zu erhalten, müssen unter anderem europäische Fördertöpfe (LEADER) angezapft und viele Mitspieler ins Boot geholt werden. Fünf Landkreise sind beteiligt, erklärt Anton Eckert, LEADER-Beauftragter im Landratsamt. Nun kann man sich fragen: Eigentlich sind die Wanderwege ja schon vorhanden, warum ist also noch einmal ein großer Aufwand nötig?

Das Internet ist schuld

Antwort: Schuld ist das Internet. Beziehungsweise: Die Wanderwege sind zunächst mal nur so da in der Landschaft. Doch erst wenn sie digital erfasst, vermessen, beschrieben, vernetzt, verlinkt und (mobil) abrufbar sind, dürfen Eckert und der FSV von der Einstufung als "Qualitätswanderregion" träumen. Dieser Prozess läuft gerade mit Hilfe der FSV-Wegewarte: "Wir hoffen", so Eckert, "dass wir Ende des Jahres 70 bis 80 Prozent der Wege fertig digitalisiert haben werden."

Wie das aussieht, ist schon heute in etwa auf der Website des Wanderweges Kulturerlebnis Fränkische Schweiz nachzufühlen (www.kulturerlebnis.info) oder beim Fränkischen Gebirgsweg (www.fraenkischer-gebirgsweg.de): Streckenführung und -länge, Direktvermarkter, kulturelle und landschaftliche Sehenswürdigkeiten, Höhenprofil, Gastronomie (sofern noch vorhanden), Infotafeln, Wetterdaten, GPS-Koordinaten — diese und noch viel mehr Daten müssen erfasst, eingegeben und dauerhaft gepflegt werden. "Gerade Auswärtigen hilft das sehr bei der Vorbereitung ihrer Wandertouren", erklärt Anton Eckert, warum sich der Aufwand lohnt.

300 Kilometer Kultur

Der Kulturerlebnisweg umfasst rund 300 Kilometer. Die künftige Qualitätswanderregion Fränkische Schweiz aber soll im Wettbewerb der deutschen Wanderparadiese mehr als das Zehnfache in die Waagschale werfen, von Kulmbach bis Neunkirchen am Brand, von Bamberg bis Bayreuth.

Eckert: "Wir wollen die Nettoweglänge auf unter 4000 Kilometer herunterfahren." Heißt das, dass von den 8840 Kilometern Gesamtwegen über die Hälfte aufgegeben werden sollen? Nein. In der Summe der 8840 Kilometer sind viele Doppelt- und Dreifachbelegungen enthalten. Schon heute spricht der FSV von rund 4500 Kilometern "Nettoweglänge". Nun geht es aber darum, diese Strecke weiter zu reduzieren. Zum Beispiel indem bei parallel führenden Wegen einer aufgegeben wird. Zum Beispiel auch dadurch, dass Asphaltstrecken herausgenommen werden. Ein hoher Anteil an asphaltierten Wegen minimiert nämlich die Chance, als Wanderregion von hoher Qualität anerkannt zu werden.

Weg vom Schilderwald

Mit der Digitalisierung soll auch die Vereinheitlichung voranschreiten: "Wir wollen von diesem Schilderwald weg", sagt Anton Eckert. Und hier kommen wieder die Wegewarte des FSV ins Spiel und ihr ehrenamtlicher Einsatz. "Ich habe Leute", erzählt Hauptwegewart Sitzmann, "die fahren ihre Wege mit dem Mountainbike ab". Andere gehen zu Fuß. Wie sie ihrer Aufgabe nachkommen, ist egal. Hauptsache, sie halten sich an die Richtlinien.

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Zum Beispiel müssen Wanderwege heute von zwei Seiten her markiert sein. Bei einer Abzweigung muss die Markierung einen Pfeil enthalten, um zu signalisieren, wo sich der Wanderer, die Wanderin hinzuwenden hat, und wenn die Abzweigung genommen wurde, muss auf Sicht das nächste Zeichen angebracht sein, damit der Mensch weiß, ob er auf dem richtigen Weg ist.

Am Ende des Jahres rechnen die Warte ihre Stunden zu 9,60 Euro und die zurückgelegten Kilometer zu je 0,35 Cent ab. Manche spenden das Geld ihrer FSV-Ortsgruppe, die im Auftrag der jeweiligen Gemeinde tätig ist. Der FSV rechnet schließlich mit dem Bayerischen Wanderverband ab. Vielleicht, so Fritz Sitzmann, springt durch die von Thorsten Glauber versprochene Erhöhung ja ein bisschen mehr an Aufwandsentschädigung heraus. Viel wird es nicht sein. Ein Anfang halt, mehr nicht.

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Ulrich Graser Stv. Redaktionsleiter, Nordbayerische Nachrichten für Forchheim und Ebermannstadt E-Mail

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