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Mittwoch, 22.05.2019

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Fränkische Schweiz: Wie steht’s um die "echten" Hasen?

Intensive Landwirtschaft: Meister Lampe ist ein seltener Anblick - 22.04.2019 08:00 Uhr

Wann haben Sie zuletzt einen Feldhasen in freier Wildbahn gesehen? Vom Aussterben bedroht sind die Tiere zwar nicht — „aber wirklich gut geht es den Feldhasen und Wildkaninchen auch nicht“, sagt Friedrich Oehme vom Forchheimer Bund Naturschutz.


"Vom Aussterben ist er nicht bedroht, aber wirklich gut geht es den Feldhasen und Wildkaninchen nicht", sagt Friedrich Oehme vom Bund Naturschutz, Kreisgruppe Forchheim. "Der Lebensraum dieser Tiere ist stark durch die intensive Landwirtschaft beeinträchtigt."

Monokulturen und fehlende Feldraine, die aufgrund der Beackerung bis an den Baumbestand an den Feldrändern wegfallen, haben die Lebensbedingungen verschlechtert, so Friedrich Oehme. Und: "Es gibt weniger Wiesen mit artenvielfältigen Kräutern."

Ausgewachsene Feldhasen haben ein braunes Fell, lange Ohren und extrem lange Hinterläufe. Lang sind auch die Schnauzen der Tiere. Typisches Merkmal ist das Hakenschlagen, bei dem der Hase auf der Flucht plötzlich die Richtung ändert. Hasen scharren sich Mulden an Feldrändern oder Wiesen als "Wohnort".

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Es kreucht und fleucht und blüht im Landkreis Forchheim

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Die Tragezeit der Hasen beträgt 42 Tage, sie werfen ein bis drei Junge, die sehend geboren werden. Kaninchen hingegen haben ein graues Fell, leben im Bau unter der Erde und ziehen dort ihre zunächst blinden Jungen auf. Ihre Tragzeit beträgt vier Wochen. Der unterirdische Bau bietet den Kaninchenjungen Schutz vor Feinden wie etwa Greifvögel.

Hasen- statt Hausapotheke

Erich Fiedler vom Jagdkreisverband Forchheim bestätigt einen Rückgang der Hasenbestände, was sich aber mittlerweile im Landkreis Forchheim stabilisiert habe.

Jedoch fehle es an den sogenannten Hasenapotheken: "Feldhasen ernähren sich von Wildkräutern und Gräsern, diese zusammengenommen werden als Hasenapotheke bezeichnet", erklärt Fiedler. Um Hasen und anderen Wildtieren entsprechende Nahrung zu bieten, legen manche Landwirte am Ackerrand Blühstreifen mit wild wachsenden Pflanzen an. Diese seien aber zurückgegangen in den letzten Jahrzehnten, denn kaum ein Fleck der Äcker bleibe ungenutzt.

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Es ist die wohl schönste Zeit des Jahres: der Frühling. NN-Leser aus dem Landkreis Forchheim haben uns ihre schönsten Schnappschüsse geschickt.


Fazit: Hasen haben weniger Auswahl. Dazu kommt die Mahd: Drei bis viermal im Jahr mähen Landwirte Wiesen mit teils riesigen Maschinen, denen auch Feldhasenfamilien zum Opfer fallen können. "Hasen scharren sich flache Mulden in Ackerböden oder Wiesenrändern und benötigen teilweise hohes Gras, um sich vor natürlichen Feinden, aber auch vor Hunden und streunenden Katzen zu verstecken.", so Fiedler.

Genaue Zahlen über die Hasen- und Kaninchenbestände im Landkreis Forchheim nennen kann der Landesjagdverband nicht. "Es kommt auf das Revier an. In der Fränkischen Schweiz ist es steinig, dort sind die Bedingungen für Kaninchenbauten besser."

"Nicht so dramatisch"

Roland Kraus ist Jagdpächter im Revier Wiesenthau. Auch er hat einen leichten Rückgang des Hasenbestandes beobachtet. "In unserer Gegend ist der Rückgang aber nicht so dramatisch wie etwa in Niederbayern, wo es durch großflächigen Maisanbau einen größeren Einbruch der Hasenpopulation gab", sagt Kraus. "Hier in der Gegend sind die Zahlen relativ konstant, rund fünf bis zehn Stück pro 100 Hektar werden im Jahr erlegt."

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Der größte Feind aus seiner Sicht ist die industrielle Landwirtschaft. Kraus: "Eine kleinstrukturierte Landwirtschaft und keine monotonen Feldfluren bieten gute Lebensräume". Deshalb empfindet er das Volksbegehren Artenvielfalt als Lichtblick: "Das wird förderlich für das Niederwild sein."

Wildkaninchen leben seinen Angaben zufolge im Landkreis Forchheim entlang des Kanals: von Forchheim über Kersbach, Poxdorf, Eggolsheim bis nach Hirschhaid bieten die sandigen Böden gute Baubedingungen für Kaninchen.

Aber: Seit einigen Jahren tritt bei den Tieren die sogenannte Kaninchenpest (Myxomatose) auf. Diese Krankheit wird durch Fliegen oder Mücken übertragen, lässt die Augen anschwellen und führt nach 14 Tagen zum Tod der Tiere.

  

Karoline Rübsam

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