Freundschaft besiegelt

5.5.2007, 00:00 Uhr
Ein zartes Bäumchen (li.), das die Gräfenberger einst in Pringy gepflanzt haben, ist inzwischen ein großer Schatten spendender Baum geworden. Der damalige Bürgermeister Hans Nekolla (re.) unterschrieb 1987 den Vertrag.

Ein zartes Bäumchen (li.), das die Gräfenberger einst in Pringy gepflanzt haben, ist inzwischen ein großer Schatten spendender Baum geworden. Der damalige Bürgermeister Hans Nekolla (re.) unterschrieb 1987 den Vertrag. © privat

«Wie habt ihr euch eigentlich kennen gelernt?» Das ist eine beliebte Frage, wenn man zwei Partnern gegenüber sitzt - zwei, die schon seit 20 Jahren durch dick und dünn gehen, die gute Zeiten erlebt haben und auch weniger gute: Gräfenberg und Pringy. Und wenn einer auf diese Frage antworten kann, dann ist es Rainer Hammerich, der Vorsitzende des Freundeskreises Pringy. Wie haben sich also die beiden Städte kennen gelernt? Ein wenig wird Hammerich dafür ausholen müssen, um eine interessante Geschichte zu erzählen. Und deren Überschrift würde lauten: «Das Wetter ist schuld.»

Auf dem Zeltplatz wird es nass

Zurück in die 70er Jahre. 1972. Bayreuth und die südfranzösische Partnerstadt Annecy haben aus ihrem Flirt ernst gemacht und sind eine Beziehung eingegangen. Ein Austausch steht an. Es sind allerdings Schüler aus Pringy, fünf Kilometer von Annecy entfernt, die in Bayreuth ihre Zelte aufschlagen. Die Stimmung ist gut, das Wetter nicht. Es ist ein verregneter August und so richtig gemütlich wird es für die Franzosen auf dem Zeltplatz in Bayreuth nicht.

Ein guter Gastgeber bietet seinen Gästen eine andere Unterkunft an - so auch in diesem Fall. Die Franzosen finden eine trockenes Domizil im Schulheim in Pegnitz - und dort am Gymnasium unterrichtet zu dieser Zeit der junge Französischlehrer Rainer Hammerich. Schüler lernen sich kennen, Kontakte werden geknüpft, Brieffreundschaften geschlossen.

Viel Gemeinsamkeiten

Der lose Austausch erweitert sich, viele Jahre lang. Irgendwann reisen Bürgermeister und Stadträte aus Frankreich an. Hammerich stellt den Gästen seine Heimat vor: Gräfenberg. Und wieder werden Hände geschüttelt. Bürgermeister lernen sich kennen. Man stellt fest: Gräfenberg und Pringy haben durchaus Gemeinsamkeiten. Ähnliche Größe, ähnliche Struktur. Die Franzosen sind begeistert von der Fränkischen Schweiz, die Gräfenberger schwärmen vom Mont-Blanc und von den Schönheiten Hochsavoyens.

1987 ist Schluss mit der wilden Ehe: Via Vertrag wird die Partnerschaft besiegelt. Der damalige Gräfenberger Bürgermeister Hans Nekolla und der französische Kollege Maurice Poncin unterschreiben am 29. August 1987 das Dokument. Es wird ernst. Lässt sich der Kontakt über 800 Kilometer wirklich halten? Übernehmen sich die beiden kleinen Städte damit nicht?

Hammerichs Erwartungen werden übertroffen. Mitglieder von Gartenbauvereinen, von Tennisclubs und Stadträte reisen - die Beziehung lebt. Auch heute noch. Gefeiert wird das Jubiläum von Donnerstag, 17. Mai, bis Sonntag, 20. Mai, in Gräfenberg mit den Gästen aus Pringy. Höhepunkt wird ein großes Marktplatzfest für alle am Samstag um 19 Uhr in Gräfenberg sein. Eine Live-Band wird spielen, ein Europaquiz unterhalten und ein Feuerwerk dem Abend einen würdigen Schlusspunkt verleihen.

«Niemand», so Hammerich zufrieden, «wird nach 20 Jahren unsere Beziehung in Frage stellen.»