#FridaysForFuture Forchheim zählt rund 450 Teilnehmer

Philipp Rothenbacher
Philipp Peter Rothenbacher

Nordbayerische Nachrichten Forchheim-Ebermannstadt

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29.3.2019, 15:37 Uhr
Junger Protest gegen ein globales Problem: Die Forchheimer

Junger Protest gegen ein globales Problem: Die Forchheimer "Fridays for Future"-Demo zog rund 450 Teilnehmer an. © Roland Huber

Eigentlich haben GFS-Schülerin Franziska Wild (18) und ihre Mitstreiter mit knapp 120 Teilnehmern gerechnet. So viele hatten sie beim Landratsamt angemeldet. Derweil sammeln sich im Le Perreux-Park gegenüber der Ritter-von-Traitteur-Schule Hunderte von Schülern aller Altersstufen. Die drei großen Gymnasien im Landkreis — EGF, HGF und GFS — haben für alle Schüler, die an der Demo teilnehmen wollen, eine (einmalige!) Befreiung vom Unterricht gewährt.

Doch auch Studenten, Eltern, Großeltern treffen ein, außerdem der ein oder andere Lokalpolitiker. Mitglieder der Energie- und Klima-Allianz Forchheim sind gekommen, um FFF als „Parents for Future“ zu unterstützen — darunter CSU-Stadtrat Udo Schönfelder die Grünen-Bundes- beziehungsweise Landtagsabgeordneten Lisa Badum und Emmerich Huber. Selbiges gilt für die Ostspangen-Gegner der Biwo und Jugendorganisationen von SPD, FGL und Die Linke.

Etwas zurückhaltender der FDP-Nachwuchs: In einer vorab veröffentlichten Mitteilung der Julis lobt deren Kreisvorsitzender Christian Freisinger zwar das Engagement der Schüler – sieht es allerdings kritisch, dass die Veranstaltung (wie weltweit üblich) am Freitagvormittag während der Unterrichtszeit stattfindet. „Umweltschutz statt Schulabschluss?“, fragen die Julis. Sie würde es freuen, wenn sich die jungen Klimastreiker „aktiv in einer der Jugend- und Nachwuchsorganisationen vor Ort“ einbrächten. „Damit beweisen sie den Kritikern auch, dass es bei ihrem Protest um mehr geht, als nur das Schule schwänzen“, so Freisinger.

Und eben dieser Vorwurf, mit dem sich die FFF-Bewegung seit ihrer Initialisierung durch die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg im August 2018 konfrontiert sieht, kommt auch in Forchheim ständig zur Sprache – nachdem die rund 450 Demonstranten durch die Hauptstraße zum Paradeplatz gezogen sind. Auf dem Weg dahin meint eine ältere Anwohnerin vom Fenster aus „Die sollen mal lieber in der Schule was lernen, statt hier Krach zu machen.“

Ganz anders sieht es Heike aus Hausen, deren Kinder an der Demo teilnehmen: „Ich finde es völlig in Ordnung, dass die Schüler für diesen Protest den Unterricht versäumen. Den Vorwurf des „Schwänzens“ kann sie nicht nachvollziehen: „Es ist viel aussagekräftiger jetzt für Klima- und Umweltschutz zu demonstrieren als wenn sie das nach dem Unterricht tun würden — wo es keinem auffällt.“ Ihre Freundin Michaela stimmt zu: „Später, wenn es durch diese Demos wirklich einen Ruck gegeben hat, kann man den Protest immer noch ummünzen. Aber jetzt ist es genau richtig wie es läuft.“

"Empört euch!"

Grünen-Kreisrat Karl Waldmann lauscht, wie er betont, „als Privatperson“ den jungen Rednern, die eine Bierbank-Bühne aufgestellt haben. Der EGF-Lehrer hat heute keinen Unterricht – wie viele seiner aktuellen und ehemaligen Schüler auf dem Paradeplatz. „Der Klimawandel steht im Lehrplan. Und die Schüler wissen teils besser darüber Bescheid als so mancher Politiker“, sagt Waldmann. „Sie wissen, was sie wollen und sind bereit, dafür aufzustehen. Diese Demos sind klasse!“ Und sportlich: Zur Auflockerung animiert EGFlerin Katharina Büttner (17) die Teilnehmer nach bewährten FFF-Brauch: „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle!“ — und die Menge hüpft.

Da lässt es sich sogar Kreisrat und Biwo-Chef Heinrich Kattenbeck mit seinen 80 Jahren nicht nehmen, auf die Bierbank zu klettern, und ein paar kämpferische Worte ins Mikro zu rufen: „Weiter so! Empört euch!“ Und: „Ich hab zu meiner Enkelin, die hier ist, gesagt: Wenn du dafür, dass du heute für deine Zukunft kämpfst, einen Direktoratsverweis bekommst, dann gib ihm deinem Opa — der hängt ihn sich übers Bett!“

Danach schickt sich der Herder-Gymnasiast Nicolai an, in die Fußstapfen seiner Mutter, FGL-Stadträtin Annette Prechtel, zu treten: „Ja, wir sind Kinder, aber bei der globalen Erderwärmung hört für uns der Spaß auf“, spricht der 13-Jährige ins Mikro und richtet einen flammenden Appell an die große Politik: „Wir sind uns bewusst, dass der Klimaschutz schmerzhaft sein kann. Aber die Möglichkeit früh umzusteuern, haben Sie, liebe Regierungen der letzten Jahrzehnte, verpasst. Wir wollen jetzt Taten sehen!“

Am Rande des Platzes steht Andreas Flores mit Drahtesel (inklusive besetztem Kinderanhänger) und hört zu. Der Erlanger Mittelschullehrer ist auf Radtour und nur zufällig an der Kundgebung vorbeigefahren. Er sagt: „Wenn mal zwei Stunden Unterricht ausfallen, ist das zu verschmerzen. Dass man sich für eine so gute Sache engagiert, ist viel wichtiger. Das hier stellt auch eine Art Unterricht dar.“ Einen, den es am Ende der Demo dann auch tatsächlich gibt: Franziska Wild informiert die Teilnehmer über wissenschaftliche Fakten zum Klimawandel — wie sie im Lehrbuch stehen.

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