Dienstag, 21.01.2020

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Frieda Leyrer ist die älteste Einwohnerin Ebermannstadts

Hinter der 100-Jährigen liegt ein bewegtes Leben - 10.12.2019 08:00 Uhr

Niemand in Ebermannstadt kann auf so viele Jahre zurückblicken wie Frieda Leyrer. „Heute ist das Lesen meine liebste Freizeitbeschäftigung“, sagt die rüstige Hundertjährige.


Frieda Leyrer steht bei jedem der zahlreichen Gäste auf, um die Glückwünsche entgegenzunehmen – und auf den bereitgestellten Sekt und die kleinen Häppchen zu verweisen. Das ist zunächst einmal nicht unbedingt etwas Besonderes, wird es aber, wenn ihr Alter ins Spiel kommt: Die älteste Einwohnerin Ebermannstadts feierte ihren 100. Geburtstag bei erstaunlicher körperlicher und geistiger Frische. Seit 1966 wohnt die Jubilarin in Ebs.

Geboren und aufgewachsen ist sie in Westmittelfranken. Ihre Eltern hatten einen Schmiedebetrieb in dem kleinen Weiler Leidendorf im heutigen Landkreis Ansbach. Im Kriegsjahr 1941 siedelt sie nach Nürnberg um, wo sie nach Abschluss der Handelsschule eine Arbeitsstelle bei der Bäckerinnung antreten konnte. In der fränkischen Metropole musste sie die Schrecken der Bombenangriffe erleben  – und machte sich wenige Wochen vor Kriegsende zu Fuß auf den Rückweg nach Leidenbach.

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1947 glückte ihrem Verlobten, Hermann Leyrer, die Flucht aus französischer Gefangenschaft, wenige Wochen später stand er vor ihrer Tür. Noch im selben Jahr folgte die Hochzeit, die junge Familie blieb zunächst in Westmittelfranken, der Gatte machte die Ausbildung zum Molkereimeister und Frieda Leyrer arbeitete in einem Büro. "Es ging aufwärts", erinnert sich die Jubilarin". 1959 folgte ein Einschnitt, ihr Mann wurde nach Nürnberg versetzt, wohin sie ihm folgte und schließlich bei den Bosch-Werken arbeitete. In dieser Zeit entwickelten die Leyrers ihre Leidenschaft fürs Reisen: Mit Zelt ging es nacheinander nach Griechenland und in die Türkei.

Der nächste Umzug sollte dann der letzte sein. 1965 gründete die Bayerische Milchunion ein Zweigwerk in Ebermannstadt, Hermann Leyrer wurde abermals versetzt und seine Frau folgte ihm wenig später nach. Doch für vier Jahre fuhr sie noch täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrer alten Arbeitsstelle nach Nürnberg, ehe sie 1970 die Arbeit dort aufgab.

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In dieser Zeit nahm die Familie ein damals 15-jähriges französisches Mädchen für ein Wochenende auf, die mit einer Pfadfindergruppe aus Chantonnay in Ebs war.

Es entwickelte sich über die Jahre eine tiefe Freundschaft, die bis heute hält: Martine Delinge wohnt mittlerweile nicht weit von Chantonnay entfernt in Tours und ließ es sich nicht nehmen, mit dem Auto – da der Zugverkehr in Frankreich derzeit lahmgelegt ist – über 1100 Kilometer anzureisen, um ihrer Freundin persönlich zu gratulieren.

Nach dem Tode ihres Mannes 1979 begann Frieda Leyrer, sich verstärkt ehrenamtlich zu engagieren: Nacheinander trat sie dem VdK und auch dem Fränkische Schweiz Verein bei. Ihr ehrenamtliches Engagement, speziell im VdK, war sprichwörtlich, 1991 wurde sie zur 1. Vorsitzenden des VDK-Ortsverbandes Ebermannstadt gewählt.

Ungebrochene Popularität

Bereits zuvor hatte sie eine weitere große Leidenschaft, das Klöppeln, gelernt: "Leider geht das heute nicht mehr, früher habe ich aber regelmäßige Kurse abgehalten. Heute ist das Lesen meine liebste Freizeitbeschäftigung", sagte die rüstige Jubilarin. Zum 100. durfte sie feststellen, dass sie in Ebermannstadt nach wie vor sehr große Popularität genießt: Zahlreiche Vertreter von Kirchen, Vereinen (allen voran FSV und Vdk) und natürlich lokale Politikprominenz kamen zur Gratulation und hielten Ansprachen.

Bürgermeisterin Christiane Meyer gratulierte nicht nur im Namen der Stadt, sondern überbrachte ihr auch die bayerische Ehrenmedaille mit einem Begleitschreiben des Ministerpräsidenten. Auch Landrat Hermann Ulm ließ es sich nicht nehmen, einer der ältesten Bürgerinnen seines Landkreises persönlich zu gratulieren.

STEFAN BRAUN

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