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Montag, 16.09.2019

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Fünfjährigen in Forchheim vor dem Ertrinken gerettet

Ohne zwei Pflegekräfte des Uni-Klinikums Erlangen wäre ein Junge in Forchheim gestorben - 15.08.2019 17:24 Uhr

Sie zögerten nicht, sondern halfen sofort: Ulrike Schönherr (l.) und Renate Bystron-Houser aus der Kinderpsychiatrie des Uni-Klinikums Erlangen. © Melanie Schmitz/Uni-Klinikum Erlangen


Als sich Renate Bystron-Houser und Ulrike Schönherr an einem Juli-Samstag auf der Forchheimer Sportinsel treffen, wissen sie noch nicht, dass sie abends als Lebensretterinnen ins Bett gehen werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Uni-Klinikums Erlangen. Einem fünfjährigen Jungen, der im Fluss untergeht und durch großes Glück noch gefunden werden kann, helfen die beiden Frauen durch sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen. Es ist knapp, aber das Kind überlebt.

Wie die Reanimation funktioniert, das frischen Renate Bystron-Houser und Ulrike Schönherr jedes Jahr in einem Pflichtseminar am Universitätsklinikum Erlangen auf, denn sie arbeiten dort als Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen in der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit (Leiter: Prof. Dr. Gunther H. Moll). Doch ein Lebensretter muss nicht vom Fach sein: Helfen kann jeder, man muss es nur tun.
 
Es ist ein warmer Samstag im Juli. Auf der Forchheimer Sportinsel spielen Kinder im Grünen und planschen im ruhigen Flussarm der Regnitz. Renate Bystron-Houser und Ulrike Schönherr haben sich für diesen Nachmittag verabredet. Plaudernd sitzen sie auf einer Bank und genießen die Sonne. Dass ein Familienvater seine drei kleinen Kinder zum Wasser bringt und dann mit dem Fahrrad wegfährt, bemerken sie nicht. Als er aber eine Weile später zurückkehrt und den fünfjährigen Sohn nicht mehr finden kann, werden die beiden Pflegekräfte der Erlanger Kinderpsychiatrie durch die lauten Rufe auf die Situation aufmerksam.

Ein Passant schließt sich der Suche an und als er wenige Schritte in die Regnitz watet, ertastet sein Fuß etwas im schlammigen Grund. „Ich habe ihn“, ruft der Helfende völlig außer sich und hebt das bewusstlose Kind aus dem Wasser. Heute können sich Renate Bystron-Houser und Ulrike Schönherr noch sehr genau an diesen Moment erinnern: „Wir wussten sofort, was zu tun ist und haben uns ohne Worte verständigt“, sagt Ulrike Schönherr. „Renate wies einen Umstehenden an, den Notarzt zu rufen und eine Decke zu holen. Dann haben wir mit der Reanimation begonnen – sie hat die Herzdruckmassage ausgeführt und ich habe den Jungen beatmet.“
 
Die Minuten verstreichen, aber die beiden Frauen geben nicht auf. Plötzlich spuckt der Fünfjährige einen riesigen Schwall Wasser aus, hustet, öffnet die Augen. Als der Notarzt eintrifft, ist das Kind zwar benommen, aber es lebt. Renate Bystron-Houser ist sich heute sicher: „Dass wir so selbstbewusst handeln konnten, verdanken wir unserem jährlichen Erste-Hilfe- und Reanimationskurs, der für alle Pflegekräfte und Ärzte am Uni-Klinikum Pflicht ist.“
 
Im Sommer, wenn die Freibäder und Seen voll sind, steigt auch die Zahl der Badeunfälle. Viele Kinder wie der gerettete junge Forchheimer, können nicht richtig schwimmen und gehen trotzdem ins Wasser. Doch auch zu jeder anderen Jahreszeit sind Lebensretter gefragt – etwa, wenn jemand auf offener Straße einfach zusammenbricht. Fachleute appellieren immer wieder: In einem Notfall kann man nichts falsch machen! Wichtig ist, überhaupt zu helfen und zwar nach diesem Prinzip: prüfen, rufen, drücken.
 
Zunächst wird der Patient angesprochen. Ist er bewusstlos, gilt es, die Atmung zu kontrollieren. Liegt diese nicht vor, ist ein Notarzt zu rufen – das kann auch ein Umstehender übernehmen. Jetzt wird es wichtig: Atmet der Bewusstlose nicht, muss der Helfende sofort mit der Wiederbelebung – mit dem „Drücken“ – beginnen. Denn wer nicht atmet, dessen Herz schlägt auch nicht. Und ohne Herzschlag wird kein sauerstoffreiches Blut mehr ins Gehirn transportiert – schon nach zwei Minuten treten so die ersten Hirnschäden ein. Der Betroffene sollte auf dem Rücken liegen, möglichst auf einem harten Untergrund. Der Wiederbelebende legt beide Hände aufeinander und drückt mit durchgestreckten Armen und mit dem Handballen tief und mittig in den Brustkorb des Bewusstlosen – so wird die Blutzirkulation manuell aufrechterhalten. Der Rhythmus beim Drücken muss schnell sein, manche behelfen sich als Eselsbrücke etwa mit dem Lied „Stayin’ alive“ von den Bee Gees.

Und die Beatmung? Viele haben sie noch in der Fahrschule gelernt, doch sie muss auch korrekt ausgeführt werden. Um die Ersthelfer nicht zu überfordern, raten Notärzte daher, nur die Herzdruckmassage ohne Pause auszuführen, denn der Restsauerstoff im Blut reicht in den meisten Fällen für die Versorgung des Gehirns aus, bis der Rettungswagen eintrifft.  
  

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