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Geldfälscher aus dem Landkreis Forchheim steckt jetzt in den Miesen

24-Jähriger hat im Internet Falschgeld bestellt - Mehrjährige Haftstrafe beantragt - 22.09.2020 17:55 Uhr

Noch immer ist Falschgeld im Umlauf.

© dpa


Haarscharf an der Haftstrafe ist ein 24-jähriger Geldfälscher aus dem südlichen Landkreis Forchheim vorbeigeschrammt. Die dritte Strafkammer des Landgerichtes Bamberg verurteilte den Handwerker zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe. Der Mann hatte von Februar bis April 2019 fast 10.000 Euro im Darknet (anonymes Internet) bestellt und einen Teil der falschen Fünfziger auch unter die Leute gebracht.

"Es geht darum, dass wir als Bürger darauf vertrauen können, dass wir echtes Geld in Händen halten. Ich schaue mir an der Ladenkasse auch nicht jeden Schein ganz genau an." Nicht jeder könne sich schließlich eine Geldprüfmaschine anschaffen, so Staatsanwältin Simone Müller. "Deshalb ist Geldfälschung kein Bagatelldelikt."

Empfindliche Freiheitsstrafe

Die Anklagevertreterin der Zentralstelle Cybercrime Bayern forderte für Robert L. (Name geändert) denn auch eine empfindliche Freiheitsstrafe, womit sie nicht durchdrang. Sie hatte die geprellten Ladenbesitzer vor Augen, die den Schaden und den Ärger haben und wie zum Hohn auch noch echtes Wechselgeld an Robert L. zurückgegeben hatten.

"Sie waren der Dumme, der das ganze Risiko auf sich genommen hat." Für den Vorsitzenden Richter Markus Reznik ist Robert L. nicht der hochkriminelle Kopf. Eher ein etwas naiver Zeitgenosse, der glaubte, mit Blüten aus dem Darknet das schnelle Geld machen zu können.

"Hochprofessionelle Vorgehensweise"

Staatsanwältin Müller hingegen hat bei L. eine hochprofessionelle Vorgehensweise erkannt. Er hatte erst mit Testkäufen den Lieferanten mit dem besten Preis/Leistungs-Verhältnis gefunden. Bei Bäckereien und Imbissen hatte er einzelne Blüten über die Ladentheke gereicht. "Irgendwann reichte Ihnen das nicht mehr", so die Anklagevertreterin. "Vielleicht hat es sich auch zu Hause gehäuft." So kaufte Robert L. unter falschem Namen in den ebay-Kleinanzeigen einen Krüger-Rand, um diese Goldmünze später wieder zu versilbern.

Noch immer sind rund 1000 Euro nicht aufgetaucht, die Robert L. bei Schein-Lieferanten in den Niederlanden bestellt und per Post zugesandt bekommen hatte. Die übrigen Blüten hatten die Zollfahndung Köln, sowie das Landeskriminalamt München in der Wohnung und im Fahrzeug des Angeklagten sichergestellt. Dort hatte er 5000 Euro in der Mittelkonsole "griffbereit". Den Kriminellen gehe es darum, die Fünfziger möglichst schnell wieder los zu werden. "In Bäckereien und Apotheken, aber vor allem in Nachtclubs", so ein LKA-Fachmann. Je schlechter die Lichtverhältnisse, desto eher gelinge der Betrug.

Vielleicht sind die unechten Banknoten aber auch schon längst unter die Leute gebracht worden. "Man erkennt nicht auf den ersten Blick, dass es Fälschungen sind." Nur bei Wasserzeichen und Hologrammen täten sich die Falschmünzer schwer. Ein LKA-Mitarbeiter berichtete von 17 weiteren aufgetauchten Geldscheinen. Das hätte eine Überprüfung im Umkreis von 50 Kilometern rund um den Wohnsitz Robert L.s ergeben. Nur Robert L. zuordnen konnte man sie nicht. Dennoch sah das Gericht auf Grund der wiederholten Taten und der nicht unerheblichen Summen eine gewerbsmäßige Geldfälschung vorliegen. Auch eine größere Anzahl stornierter Darknet-Bestellungen erregte diesen Verdacht.

Dreieinhalb Jahre Haft gefordert

Dass L. nicht für dreieinhalb Jahre hinter Gittern muss, wie es Staatsanwältin Müller gefordert hatte, lag an mehreren Faktoren. Zum einen hatte der Handwerker schon bei der Polizei reinen Tisch gemacht. Er hatte des Weiteren seinem Betrugsopfer den Schaden von 1150 Euro für die Goldmünze, die er mit wertlosem Papier bezahlt hatte, komplett erstattet. Außerdem waren die Straftaten für den jungen Mann "ein Draufzahlgeschäft", wie sein Rechtsanwalt Matthias Mayer aus Erlangen vorrechnete. Knapp 3500 Euro aus dessen Ersparnissen sind verloren. Hinzu kommen die Prozesskosten. Damit L. die Bewährungsstrafe auch spürt, muss er 4500 Euro an den Verein für Jugendhilfe Bamberg zahlen – natürlich in echtem Geld.

UDO GÜLDNER

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