Donnerstag, 29.10.2020

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Gräfenberg: "Es ist jeden Tag spannend"

Bürgermeister Ralf Kunzmann hat viel vor, aber "Corona hat uns finanziell stark erwischt" - 25.08.2020 07:00 Uhr

Hoch über der Stadt: Ralf Kunzmann in der Sollenberger Straße, im Hintergrund sieht man Gräfenberg.

© Foto: Stefan Braun


Dass es kein leichtes Amt ist, in das er sich da im März hat wählen lassen, das war dem neuen Gräfenberger Bürgermeister Ralf Kunzmann (FW) spätestens nach der konstituierenden Sitzung im Mai klar. Da hatte Heiko Kracker (GBL) den neuen 2. Bürgermeister Hans Derbfuß (CSU) massiv angegriffen. Grund hierfür waren die Vorkommnisse um den früheren CSU-Ortsgruppenvorsitzenden Thomas Müller und die nach Krackers Aussagen zu geringe Distanz Derbfuß‘ zu diesem.

"Es ist schwer, hier zu vermitteln", sagt Kunzmann hierzu beim Rückblick auf die ersten 100 Tage seiner Amtszeit. "In der Lokalpolitik sollte es um die Sache gehen. Ich kann nicht für Derbfuß oder Kracker sprechen, ich fand es aber nicht schön, dass wegen einer Person alle in die gleiche Ecke gestellt werden."

Kunzmann wirkt ruhig und besonnen, so führte er auch bisher durch die Sitzungen. "Die waren nach der konstituierenden Sitzung durch Sachlichkeit geprägt, so soll es auch bleiben", hofft Kunzmann. Sachlich und offen war auch die Übergabe durch seinen Amtsvorgänger Hans-Jürgen Nekolla. "Wir haben keine Probleme miteinander. Einmal haben wir uns auch danach noch getroffen und ich würde ihn auch jederzeit anrufen, wenn es angebracht ist. Ich bin mir sicher, dass er dafür offen ist."

Neuland betreten

Gänzliches Neuland betrat Kunzmann im Mai nicht. Bei der VG Gräfenberg absolvierte er einst seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten und bildete sich später zum Verwaltungs-Fachwirt weiter. 2015 wechselte er dann nach Herzogenaurach in die Hauptverwaltung. Es war daher eine Rückkehr an die alte Wirkungsstelle, die meisten Mitarbeiter kannte er bereits. Die Freude an dem neuen Amt ist nach wie vor ungebrochen, das sagt Kunzmann nicht nur, das ist ihm auch anzumerken.

"Ich bin ein Kind der Verwaltung, das Amt des Bürgermeisters ist der schönste und abwechslungsreichste Job in der Verwaltung", sagt Kunzmann. Man wisse nie, was kommt. "Es ist spannend, jeder Tag verläuft anders." Neu ist für ihn die Personalführung. "Wir haben hier tolles Personal, sowohl von der Ausbildung als auch vom menschlichen her. Die Mitarbeiter haben Ideen, bringen sich ein und gestalten dadurch mit", lobt der "Neue" sein Team.

"Der Umgang mit Menschen, speziell mit den Bürgern vor Ort", fällt Kunzmann spontan bei der Frage nach den positiven Eindrücken der ersten drei Monate ein. Was ihm weniger gefällt, das sind die, sicherlich auch coronabedingten, langen Wege in der bürokratischen Hierarchie, zum Beispiel bei der Zu- oder Absage bei Fördergeldern. Auf die wird Gräfenberg auch in den kommenden Jahren trotz in den vergangenen Jahren solider Finanzen angewiesen sein, daran besteht nach der Vorstellung des Finanzplanes am 13. August im Stadtrat kein Zweifel.

Anstehende und bereits angestoßene Projekte wie der Aufbau des Nah-wärmenetzes, die Modernisierung des Freibades und speziell der Neubau des Hallenbades sind Vorhaben, die richtig Geld kosten. Speziell beim Hallenbad steht die Stadt vor gewaltigen Investitionen, bei denen laut Kunzmann möglichst die mitnutzenden benachbarten Kommunen mit ins Boot genommen werden sollen. "Corona hat uns finanziell stark erwischt. Die Gewerbesteuereinnahmen gehen zurück, wir wissen daher nicht, ob wir alles so umsetzen können, wie es geplant war", befürchtet er. Offen sei daher, wie Wunschprojekte wie die Verbesserung der Löschwasserversorgung in Sollenberg realisiert werden können.

Wenig Zeit fürs Hobby

Ebenfalls nicht geplant, aber absehbar war der zusätzliche zeitliche Aufwand, den das Amt des Bürgermeisters mit sich bringt. "Kinder habe ich noch keine, meine Partnerin muss nun öfter auf mich verzichten, aber wir wussten, auf was wir uns einlassen", erklärt der 34-Jährige. Was den Mehraufwand abfedert, das sei die Freude an der Arbeit, die für ihn auch eine Art Hobby ist. Seine liebste Freizeitbeschäftigung muss aber mit dem neuen Job deutlich zurückstecken. "Ich bin leidenschaftlicher Mountainbike-Fahrer und versuche hier auch einen Ausgleich zu schaffen. Was aber früher fast täglich möglich war, das klappt heute teilweise nur noch einmal im Monat."

Über das Wirtschaftsband A 9 möchte Kunzmann ein Wunschprojekt in Form einer Bike-Schaukel in der Region vorantreiben. Gefragt nach einer Vision oder einem Projekt, was die Gräfenberger später einmal mit seinem Namen in Verbindung sehen sollen, fällt dem Bürgermeister nach kurzer Überlegung ein Platz oder ein Haus der Begegnung in seiner Heimatstadt ein.

STEFAN BRAUN

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