Montag, 18.11.2019

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Gräfenberg sagt Klima-Wandel den Kampf an

Zukunftsfähige Energieversorgung: Gräfenberg lässt Klimakonzept erstellen. - 26.10.2019 18:02 Uhr

Gräfenberg macht in Sachen Klimaschutz mobil. © dpa


Auf den ersten Blick steht Gräfenberg ganz gut da. Der Geologe Ralf Deuerling von der Fachfirma "energievision franken", die das Konzept in den letzten beiden Jahren ausgearbeitet hatte, überraschte zu Beginn seiner Präsentation im Gräfenberger Stadtrat mit einer Präsentation, die aufzeigte, dass Gräfenberg mit einem CO2–Ausstoß von 7,1 Tonnen pro Kopf deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 9,6 Tonnen liegt.

Aber: Der Landkreis Forchheim bringt es lediglich auf sieben Tonnen und der Durchschnittswert in Bayern liegt bei sechs Tonnen. Weniger CO2 pro Kopf verursachen auch China (7,5 Tonnen) und Indien (1,9 Tonnen). Der derzeitige globale Durchschnitt beträgt 4,8 Tonnen. Es besteht also Handlungsbedarf.

Punkten kann die Region nach Deuerlings Angaben mit dem bereits jetzt sehr hohen Anteil an erneuerbaren Energien am Strom-, Wärme- und Endenergieverbrauch. Hier musste sich der Geologe allerdings von Matthias Striebich (Bündnis 90/Grüne) Widerspruch gefallen lassen: "Hier wird etwas schöner dargestellt, als es ist. Es wird unterstellt, dass alle Haushalte einen entsprechenden Stromliefervertrag haben, viele haben aber noch Verträge mit dem Bayernwerk oder RWE mit konventionellen Energiequellen. Es sollte Ziel sein, dass alle Haushalte einen Stromliefervertrag, der auf regenerativen Energiequellen basiert, haben."

Deuerling stellte ausführlich die Einsparpotenziale in den Bereichen, Strom (ist für sechs Prozent der Treibhausgase verantwortlich), Wärme (50 Prozent) und Mobilität (44 Prozent) vor. Speziell bei älteren Häusern und bei neuen PKW kann es nach seinen Worten zu einem Interessenkonflikt zwischen den wirtschaftlichen Möglichkeiten und dem technischen Fortschritt geben. Der Austausch eines Heizkessels, der Einbau neuer Fenster oder eine neue Dämmung kosten viel Geld.

Um die EU-Vorgabe mit einem Anteil von 50 Prozent Elektrofahrzeugen bei den Neuzulassungen bis 2030 zu erreichen, sind in den vier Kommunen große Anstrengungen notwendig. Derzeit gibt es gerade einmal zwei öffentliche Ladestationen (in Gräfenberg und Igensdorf) sowie vier private. Ein Ausbaukonzept des Landkreises Forchheim soll dies ändern. "Für das Klima bringt das aber nur etwas, wenn der gelieferte Strom aus regenerativen Quellen kommt", erklärte Deuerling.

Striebich ermahnte, hier den ÖPNV nicht zu vergessen: "Es gibt auch Grenzen der Individualität." Deutlich weiter im Ausbau der E-Mobilität ist hier zum Beispiel Norwegen, wo ab dem Jahr 2025 keine PKW mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden dürfen.

Wo liegen nun die großen Einsparpotenziale? Deuerling untersuchte hier die verschiedenen Energiequellen. Wasserkraft scheidet für Gräfenberg aus. Bei der Windkraft, die bei vollem Ausbau ganz Gräfenberg versorgen könnte, verhindern Interessenkonflikte mit der Flugsicherung eine weitere Expansion.

Das meiste Potenzial steckt in den Energiequellen Photovoltaik und Biomasse. Bei letzterem sind noch nicht unerhebliche Effizienzsteigerungen möglich. Bei den Photovoltaikanlagen ist das Potenzial noch lange nicht ausgereizt.

Insgesamt hat Deuerling mit seinem Team ein Paket von 400 Einzelmaßnahmen ausgearbeitet, "die teilweise schon ambitioniert sind. Da wird Überzeugungsarbeit notwendig sein".

Eine Kurzfassung des Energiekonzeptes mit einer Auflage von 5000 Stück wird demnächst in den vier Kommunen verbreitet. Für die Umsetzung der Maßnahmen stehen in den kommenden beiden Jahren 30 000 Euro an Fördergeldern je Gemeinde zur Verfügung. Demnächst soll das Konzept einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden.

STEFAN BRAUN

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