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Gräfenberg: Schulgesang soll gefördert werden

Musik-Praxis für Lehrer und Schüler ausbauen - 23.12.2018 12:00 Uhr

Der Schulchor der Realschule Gräfenberg singt vor Senioren. Gerade an Grund- und Mittelschulen gibt es immer weniger Schulchöre. Ein Förderprogramm des Kultusministeriums soll das ändern. © Foto: Petra Malbrich


Wer das ganze Jahr fleißig Lieder einstudiert, möchte sie auch einem Publikum vortragen. Während gerade zur Weihnachtszeit die Gesangvereine ihr Liedgut bei zahlreichen Auftritten in den Kirchen und auf Adventsmärkten präsentieren, bleiben die Schulchöre oft unbemerkt im Hintergrund. Sie treten auf einer Schulveranstaltung auf oder bereichern, wie der Schulchor der Gräfenberger Realschule, Adventsfeiern wie beim Mittagstisch "Gemeinsam statt einsam", einem Projekt der Diakonie. Dabei sind gerade die Schulchöre nicht mehr selbstverständlich.

"Es gibt nicht viele Schulen mit Chor und gerade in den Mittelschulen eher wenig", sagt Schulrätin Cordula Haderlein. Das bestätigt auch Landrat Hermann Ulm, der in der Gräfenberger Mittelschule unterrichtete. Als Grund für die fehlenden Schulchöre an den Grund- und Mittelschulen nennt er die Lehrerausbildung. "Lehrer der Grundschulen oder Hauptschulen haben ein Hauptfach, müssen aber alle Fächer unterrichten", erklärt Haderlein.

Der Mittelschullehrer kann sich entweder für Musik, für Kunst, für Religion oder für Sport entscheiden. In den weiterführenden Schulen hingegen unterrichten Fachlehrer, die Musik studiert haben. Das heiße jedoch nicht, dass jede weiterführende Schule einen Schulchor hat. Einen Chor zu leiten, dazu brauche es das Faible eines Musiklehrers. Viele Schulen haben deshalb eine Bigband, bei der auch einige Schüler singen. Das ist mit einem reinen Schulchor jedoch nicht vergleichbar.

Die Gräfenberger Realschule hat einen Schulchor, bestehend aus 42 Schülern der fünften und sechsten Klasse, der von der Musiklehrerin Franziska Popp geleitet wird. Bei den Grund- und Mittelschulen sind Chöre eher selten zu finden. Ähnlich dem Projekt "JeKi — jedem Kind ein Instrument" bräuchte es ein Projekt "JeLe — jedem Lehrer — Musikkenntnisse", meint Landrat Ulm scherzhaft und spricht das aus, was das Kultusministerium und einige Lehrer im Sinn hatten, als sie wie Rainer Fleischmann Initiativen gründeten.

Rainer Fleischmann ist Musikpädagoge und gibt den Kollegen der Mittelschulen die Möglichkeit musikalischer Fortbildungen. Eine Sitzung hat es bisher gegeben. Dass dies Adalbert-Stifter-Schule (AST) einen sehr großen Chor hat, ist Rainer Fleischmanns Verdienst. Auch das Kultusministerium ist sich der Bedeutung des Singens durchaus bewusst und hat ein Extra-Programm zur Förderung der Musikpraxis ins Leben gerufen. Das ist eine Initiative, die an den Grundschulen läuft. Julia Deutsch und Miriam Simmerer, die beiden Fachberaterinnen für Musik, bieten Weiterbildung an für Lehrer, die keine Musikausbildung haben, weiß Haderlein. "Das stößt auf gute Resonanz", erklärt die Schulrätin, die selbst schon eine der Fortbildungen besucht hat. "Musik und das Singen sind ganz wichtig", betont Haderlein und spricht damit Landrat Hermann Ulm aus der Seele, der zu seiner aktiven Zeit als Pädagoge den Schulchor der Mittelschule in Gräfenberg leitete. Ein Schulchor stehe für ein Stück Kulturgut, gebe Selbstbewusstsein und sei gesund, erklärt Landrat Hermann Ulm, der selbst noch immer aktiver Sänger ist.

Bleiben noch die Auftritte, damit die Schüler ihre musikalischen und gesanglichen Fähigkeiten vorzeigen dürfen. Auch das sei wichtig, gebe Motivation und mache ein bisschen stolz auf die eigene Leistung, findet Haderlein.

Sicher wäre es ebenfalls eine gute Sache, wenn die Schulchöre mit den örtlichen Gesangvereinen bei den Kirchenkonzerten oder auf dem Adventsmarkt singen könnten. Das Publikum würde zudem sehen, was in der Schule gearbeitet werde. Wie sehr solche Auftritte und der Applaus die singenden Schüler motiviert, zeigte bereits deren Freude beim Auftritt beim Seniorenmittagessen. Eine Freude, die abfärbt. 

PETRA MALBRICH

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