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Gräfenberg: Unterschriften gegen weiteren Solarpark

Die Bürger befürchten Nachteile für die Naturlandschaft und wilde Tiere. - 19.02.2021 19:42 Uhr

Auf dem Acker, der Wiese und der Fläche hinter den Leitungen soll nur die Hälfte des neuen Solarparks liegen. Gegenüber, vom Standpunkt des Fotos nicht sichtbar, befindet sich die andere Hälfte, die zum Teil im Landschaftsschutzgebiet liegen würde.

19.02.2021 © Foto: Petra Malbrich


Nicht nur aus dem Gräfenberger Stadtgebiet und den dazugehörigen Außenorten melden sich Menschen bei Singer: "Viele sind aus Egloffstein, aus Biberbach, aus den VG-Orten und aus Bärnfels." Das allerdings seien gut hundert Unterschriften, die für das Bürgerbegehren nicht gezählt werden dürfen, weil es hier nur auf Gräfenberger Bürger ankommt. Trotzdem sind sie ein eindeutiges Signal, findet Singer: "Die Menschen wollen, dass es aufhört, freie Landschaftsflächen mit Solarparks zu besiedeln."

Diese Flächen seien verloren für das Wild und beeinträchtigten das Landschaftsbild enorm. "Stand heute und wenn ich die Unterschriften aus den Nicht-Gräfenberger-Gebieten abziehe, haben wir 460 Unterschriften", resümiert Singer. Die in den letzten Tagen auch viel mit Naturschutzvereinen gesprochen hat. Diese wurden für das Vorhaben nicht befragt. Aber: "Alle sind sich einig: Wenn angefangen wird, dann wird erweitert. Die Naturschutzvereine wollen die Stadt noch anschreiben", so Singer weiter.

"So wenig wie möglich"

Die Initiatoren der Unterschriftensammlung gegen das Solarprojekt bei Hohenschwärz (v. li.): Heike Singer, Ellen Groß, Johannes März.

19.02.2021 © Foto: Petra Malbrich


Dabei geht es nicht um die Firma Südwerk, den Betreiber des Solarparks, sondern um die nicht mehr nutzbare Fläche. Südwerk ist von den Grundstückseigentümern informiert worden, dass sich eine Initiative gegründet hat. Dass es zunächst ein Eingriff ins Landschaftsbild ist, sei Südwerk bewusst. Und doch sei dieser Standort mehr geeignet als ein anderer, weil er weniger Einschnitte zur Folge hätte, heißt es dazu. "Wir wollen keine Schlammschlacht, sind aber guter Dinge, da gute Argumente für den Standort sprechen". Das sagt Christoph Schiller, Projektmanager von Südwerk. Diese Aussage wiederum verwundert die Gegner: "Die Fläche beim Umspannwerk gehört zum Landschaftsschutzgebiet Naturpark Fränkische Schweiz", sagt Singer. Ein Deal sei kaum möglich, da schon jetzt trotz Schutzgebiet der Bau genehmigt würde. Eine Erweiterung sei nur eine Frage der Zeit.

Von dem Landschaftsschutzgebiet wusste Südwerk: "Es bedeutet, dass so wenig wie möglich in die Natur eingegriffen werden sollte, es gibt jedoch Ausnahmen, die begründet werden müssen", sagt Schiller. Gerade weil dort das Umspannwerk liege, sei mit den Hochspannungsleitungen bereits ein Eingriff in das Landschaftsbild geschehen, erklärt Schiller. Die Firma arbeite eng mit den Kommunen und Behörden zusammen. Lange bevor das Projekt auf dem Tisch der Stadträte landete und dann der Bevölkerung bekannt wurde. Mit Geheimniskrämerei habe das jedoch nichts zu tun: Es mache erst dann Sinn, der Bevölkerung etwas zu präsentieren, wenn das Projekt ausgearbeitet ist. Zunächst suchte die Firma anhand von Luftbildern nach Flächen. Diese sollten entweder weit von Wohngebieten entfernt sein oder – wie in Hohenschwärz – durch Landschaft vom Wohngebiet getrennt sein.

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Dann werde geprüft, wie viele Wanderwege es gebe und wie viel Tourismus die Flächen frequentiert. Dann werde mit den Eigentümern verhandelt, Verträge würden ausgearbeitet und mit dem Bürgermeister gesprochen. Auch der Kämmerer der Stadt und das Bauamt seien bei der Vorstellung der Pläne dabei gewesen. "Die einzige Bedingung der Stadt war, dass in Gräfenberg eine Betreibergesellschaft gegründet wird, die den Park betreibt und somit die Gewerbesteuern nach Gräfenberg fließen. Auch dass sich die Bürger einkaufen können und Rendite erhalten, war Bedingung", so Schiller.


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Für Singer steht statt der Rendite die Betrachtung der Natur im Vordergrund: "Vor allem die Rehe würden sich zurückziehen. Auf einer Fläche, die doppelt so groß ist wie die 17 Hektar Solarpark". Südwerk sieht daszumindest zum Teil anders: "Es stimmt, ein Reh kann nicht durch den Zaun. Aber es kommt auch kein Wildschwein durch. Die kleinen Waldtiere und bodenbrütenden Vögel können sich unter den Modulen jedoch in Ruhe ansiedeln und sind dort vor dem Menschen geschützt", betont Schiller.

Schafe sollen die Fläche "mähen"

Da die Anlagen auch gepflegt werden müssen, lasse Südwerk gerne Schafe weiden: "Wir haben schon Anfragen von Schäfern erhalten." Dass Tiere von den Trafohäuschen – insgesamt werden sieben auf einer Fläche von 13 Hektar installiert – durch ein vom Menschen nicht hörbares Surren gestört werden, verneint Südwerk Geschäftsführer Manuel Zeller Bosse: "Diese Trafostationen werden in jeder Ortschaft vielfach auch in unmittelbarer Nähe zu Wohngebäuden installiert, da von ihnen kaum eine Störwirkung ausgeht.

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Im Hinblick auf die Tiere konnten wir bisher nie eine Scheuchwirkung beobachten." Die Schafe stünden zum Teil direkt neben den Trafos und die Vögel würden regelmäßig ihre "Grüße" auf dem Dach hinterlassen. Der Geschäftsführer bedauert, dass coronabedingt noch keine Infoveranstaltung stattfinden konnte. Und Bürgermeister Ralf Kunzmann verspricht, dass nichts über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden werde.

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