Montag, 27.01.2020

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Gräfenberger nehmen Abschied von Dekanin Berthild Sachs

Die beliebte Dekanin widmet sich neuen Aufgaben in Schwabach. - 10.12.2019 14:00 Uhr

Nach fast vier Jahren Amtszeit ist nun Schluss: Die Dekanin Berthild Sachs verlässt Gräfenberg und sucht neue Herausforderungen im Dekanat Schwabach. © Foto: Petra Malbrich


Berthild Sachs hat das kleine Bergstädtchen ins Herz geschlossen, noch viel mehr aber die Kirche und dessen besondere Tür. Sie hat keinen Schlüssel. "Alles entscheidet sich an der Tür", begann die Dekanin ihre Predigt und die Tür war Symbol für Vieles. Zunächst als Symbol für ihren ersten Amtstag in Gräfenberg, einem Januartag, als sie vertieft in ihre Arbeit nach Büroschluss in ihrem Amtszimmer eingeschlossen wurde. Ihr blieb nur der Weg in den Kopierraum und zurück, Telefonnummern von Menschen, die Hilfe leisten konnten, hatte sie noch nicht. Also probierte sie alle auffindbaren Schlüssel durch. Einer passte. Die Kirchentür braucht keinen Schlüssel. Sie hat einen besonderen Mechanismus.

"Den Platz an der Kirchentür habe ich immer gemocht", betonte Sachs. Dort hat sie viele Hände geschüttelt, als sie ihre Gemeinde nach dem Gottesdienst verabschiedet hat, viele nervöse Bräute beruhigt.

Trotzdem ist die Tür auch Symbol für die momentane Situation in der Kirche. Auch das ließ die Dekanin nicht aus: "Die Kirchentür ist eine hohe Schwelle für viele Menschen. Selbst wenn die Türen offen sind, hält uns mancher Zeitgenosse für eine geschlossene Gesellschaft. Entweder mit Achselzucken oder mit Mitleid." Gott wolle den Menschen aber nicht als Türsteher, sondern als Türöffner. Die Kirche und deren Tür seien für sie deshalb zum Gleichnis geworden. Und zu einer liebevollen Erinnerung, gerade an die Hauptamtlichen und die vielen Ehrenamtlichen, die jeden Gottesdienst mit Liebe vorbereitet hätten, die oft bis ans Ende ihrer Kräfte arbeiteten und die es in mühsamen Einsatz schafften, Kinder und Jugendliche für das Evangelium zu begeistern.

Die Haltung der Kirchengemeinde, optimistisch in die Zukunft zu blicken, sei auch Verdienst der Dekanin selbst, betonte Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern im Entlassungsgottesdienst. Noch wenige Monate vorher sei der Regionalbischöfin zum Heulen zumute gewesen, als sie dem Kirchenvorstand Rede und Antwort stehen musste, warum Dekanin Sachs Gräfenberg verlässt.

Mit Besen und Schrubber

Doch die Gräfenberger trugen es mit Fassung und sind dankbar für die Zeit mit der beliebten Dekanin, die bei einer Putzaktion Schrubber und Besen in die Hand nahm. Es war Dekanin Sachs Art zu leiten und den Auftrag der Kirche zu erfüllen, die ihr hier die Türen und Herzen öffnete. Die Dekanin eröffnete Perspektiven, nahm den Menschen mit, gab Orientierung, lebte einen ansteckenden Optimismus, sei als Geistliche erkenn- und spürbar gewesen, berührte die Herzen und gab auch Kopf und Verstand Futter, so die Regionalbischöfin, bevor sie die Dekanin zu sich an den Altar bat.

Dort wurde Berthild Sachs von ihrem Amt als Dekanin in Gräfenberg entbunden. Der Posaunenchor spielte, Grußworte wurden gesprochen. Auch Landrat Hermann Ulm gehörte zu den Gratulanten, erinnerte daran, wie er die Dekanin bei Amtsantritt kennenlernte. Als einen Menschen, der dynamisch ist. Mit dieser Dynamik und Menschlichkeit wird Berthild Sachs nun die kommenden Aufgaben im neuen Dekanat angehen. In Gräfenberg hinterlässt sie ein gut bestelltes Haus, meinte Regionalbischöfin Hann von Weyhern. Lichterglanz begleitete dann den Gläubigen den Weg ins Gemeindehaus.

PETRA MALBRICH

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