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Dienstag, 25.06.2019

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Gräfenberger Schüler rappen Poesie und verfilmen Goethes "Zauberlehrling"

Schulklasse drehten mit Playmobilfiguren ein Video - 20.03.2019 17:13 Uhr

Die Schüler der Offenen Ganztagsschule mit Bianka Witte, einer der Leiterinnen der Fun Reader. © F.: Malbrich


Wer den Begriff Poesie hört, denkt unweigerlich an Romantik und somit an Gedichte. Muss ein Gedicht gelernt werden, sind das die weniger romantischen Momente im Deutschunterricht. Und es gibt die vielen Texte, die sich so gar nicht reimen. Das ist auch Poesie, denn das Wort ist aus dem Griechischen und bedeutet Dichtkunst, Sprachkunstwerk, schöne Literatur, also Belletristik.

An der Poesie, in welcher Form auch immer, kommt kein Schüler vorbei. "Ich finde schon, dass es zu unserer Kultur gehört, sich mit Gedichten auseinanderzusetzen und sie schön vortragen zu können. Ich denke auch, man schult seine Merkfähigkeit damit", erklärt Susanne Gumbmann, Deutschlehrerin an der Realschule in Gräfenberg.

Nicht das Leben schwer machen

Aber: "Ich muss den Schülern das Leben nicht zu eintausend Prozent schwer machen", sagt Susanne Gumbmann und startete ein Projekt. Statt die bekanntesten Balladen wie "Der Handschuh" oder "John Maynard" auswendig zu lernen, sollten die Schüler in Kleingruppen ihre ausgewählte Ballade in einem kurzen Film umsetzen. Der positive Nebeneffekt: "Wir haben den Text so oft durchgelesen, dass wir ihn immer noch auswendig können", sagen Johannes Spiegel und Jan Leibinger aus der 7 a.

Ihre Gruppe hat den Zauberlehrling filmisch umgesetzt. Ein Schuhkarton bildete die Filmkulisse. Mit Playmobilfiguren und Utensilien gingen sie dann ans Werk, erweckten die Ballade zum Leben. Die Schüler durften dann die Gedichtzeilen vorlesen. "Walle, walle, manche Strecke . . . ", sagen sie, als sich der Besen bewegte.

"Sonst sitze ich Stunden davor, ohne dass es in den Kopf geht", erklärt Meike Prütting, deren Gruppe sich für die Ballade "Belsazar" entschieden hatte. Die Filme waren zugleich eine Beschäftigung mit den neuen Medien, die Texterschließung erfolgte in Gruppenarbeit. Ein Projekt, das nach Wiederholung ruft.

Große Klassiker

Ein anderes Projekt, mit dem Namen "Irrläufer" haben die Schüler in der gemeinsamen Offenen Ganztagesschule bei den "Fun Readers" umgesetzt. Auch das hat mit Poesie zu tun, macht es doch auf Bücher aufmerksam und zwar auf die großen Klassiker der Jugendliteratur. Mazen Alkadri aus Syrien kam als Grundschüler nach Deutschland und hatte Probleme mit der Sprache. "Ältere Schüler haben mir beim Lesen geholfen, deshalb helfe ich jetzt", sagt Mazen. Er liest gerne Bücher. Das Poesiealbum, Freundschaftsbücher, Gedichte oder die Sprüche-Seiten im Internet kennt er nicht.

Ähnlich geht es Levi Tyukasz aus Ungarn. Seine persönlich bevorzugte Art der Poesie sind aber Rap Songs. "Ich habe selbst schon Lieder getextet, über meinen Alltag", verrät Levi. Ein bisschen verwandt sind die Rap Songs mit dem Poetry Slam. "Das hatten wir hier auch schon durchgeführt", erinnert Mathilde Niehaus, die mit Bianka Witte die Leitung der Fun Reader ausübt.

Oma schrieb mit Tinte ins Album

Bianka Witte zieht ein Poesiealbum von ihrer Großmutter aus der Tasche. Fein säuberlich in altdeutscher Schrift haben die Schüler damals in den 30er Jahren mit Tinte ins Album geschrieben. "Es ist ein Andenken. Interessant ist, wie sich im Laufe der Jahre die Sprüche geändert haben", sagt Witte. Zunächst waren mehr religiöse Sprüche zu lesen, in den Alben der anderen Generationen wurden die Sprüche dann witziger. Auch Mathilde Niehaus hat ihr Poesiealbum dabei. "Die Lehrer haben andere Sprüche geschrieben, Goethe zum Beispiel", sagt Niehaus, die ein Poesiealbum prägend findet. "Man mag Poesie dann auch. Gedichte machen den Alltag schöner", erklärt Niehaus.

Das findet auch Vivian Zeiz aus der achten Klasse der Realschule, die gleich zwei Alben hat. Ein normales Büchlein, in das ihre Freundinnen Gedichte schreiben dürfen und ein Freundschaftsbuch, das irgendwann in den 90ern das klassische Poesiealbum abgelöst hat. "Alle guten Freunde, die ich in Erinnerung behalten möchte, die mir im Herzen bleiben, stehen da drin", sagt Vivian. Mit persönlichen Vorlieben und Wünschen für die Freundin — eine schöne Literatur. 

PETRA MALBRICH

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