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Donnerstag, 06.08.2020

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Gräfenbergerin hilft kranken Tieren in Boliviens Regenwald

Neulich im Urwald: Unterwegs mit Puma & Co. - 12.07.2020 08:53 Uhr

Jaguar Amira gähnt herzhaft im großen Gehege des Tierparks Ambue Ari im bolivianischen Regenwald. Freiwillige wie Martina Seckendorf kümmern sich darum, dass die Tiere gefüttert werden und den nötigen Auslauf erhalten.

© Foto: Martina Seckendorf


Martina Seckendorf arbeitet und lebt bei München. Ihre Wurzeln liegen jedoch in Gräfenberg. Sie strahlt, wenn sie von den Tieren und der Arbeit im bolivianischen Regenwald erzählt. "Das Gefühl, wenn man mit seiner Großkatze durch den Dschungel läuft, die Affen über einem von Baum zu Baum springen und man die wilden Tiere aus der Ferne hört, ist der Wahnsinn."

Der 14-jährige Puma Leo wird jeden zweiten Tag spazieren geführt. Mehr schafft er nicht, seit ihm seine Ex-Besitzer die Hinterbeine gebrochen haben.

© Foto: Martina Seckendorf


Zwei Sommer verbrachte die Gymnasiallehrerin bislang vor Ort und unterstützte die Organisation "Comunidad Inti wara Yassi" im Park "Ambue Ari". Es ist die größte Wildschutzorganisation Boliviens, die Tiere aus dem Wildtierhandel rettet und bei sich aufnimmt.

Neben verschiedenen Vogelarten, Affen und Bären leben viele Großkatzen in dem Park. Die meisten Tiere haben aufgrund ihrer Verletzungen und Krankheiten keine Chance mehr darauf ausgewildert zu werden. "Ein Vogel, dem die Flügel abgeschnitten wurden oder ein Puma mit einem Tumor überleben in der Wildnis nicht lange", erklärt Martina Seckendorf. Eine der Großkatzen hat sie bei ihrem Besuch besonders ins Herz geschlossen: Ein 14-jähriger Puma namens "Leo".

Auf dem Schwarzmarkt verkauft

An seiner Geschichte zeigt sich, warum es Tierschutzorganisationen wie die "Comunidad Inti wara Yassi" in Südamerika braucht. Martina Seckendorf erzählt, dass die Mutter des damaligen Babypumas von Wilderern getötet wurde und Leo auf dem Schwarzmarkt als Haustier an eine Familie verkauft wurde.

Überfordert mit dem wilden Tier brachen die neuen Besitzer ihm beide Hinterbeine. An den Folgeschäden leidet er noch heute. Leo wurde von der Polizei konfisziert und in die Auffangstation der Organisation gebracht. Einige Operationen und viel Pflege waren nötig, um den Puma wieder auf die Beine zu bekommen. "Er hatte panische Angst vor Menschen und ist auch heute noch geschädigt. Er darf nur jeden zweiten Tag spazieren gehen, da seine Beine nicht mehr aushalten würden", so Martina Seckendorf.

Die Unterkunft der Helferinnen und Helfer ist einfach. Das Wasser zum Duschen ist kalt und Strom gibt es nur kurz, um mal das Handy aufzuladen.

© Foto: Martina Seckendorf


Nun könnte man meinen, die Tiere sitzen in Käfigen und werden ab und an spazieren geführt. Im Park "Ambue Ari" ist jedoch das Gegenteil der Fall. "Den Kindern in der Schule erkläre ich es immer so, dass die Gehege so groß sind wie mindestens sechs Fußballfelder und das mitten im Dschungel. Es gibt in dem Gehege eine Lagune, in der Leo oft schwimmen geht", erzählt Seckendorf. Man muss zudem mindestens vier Wochen im Park bleiben, um überhaupt mit einem Puma, Jaguar oder Ozelot arbeiten zu dürfen.

Ein lang gehegter Traum

Mit solchen Großkatzen zu arbeiten war lange ihr Traum, mit Leo konnte sie im bolivianischen Regenwald das machen, wonach sie sich lange gesehnt hat. Fütterung, Spaziergänge und ab und zu hat sie ihm sogar vorgelesen, erzählt sie.

Sehr wichtig ist für Martina Seckendorf, dass die Tiere von der Freiwilligenarbeit profitieren und nicht die Menschen. In Südafrika habe sie vor einigen Jahren schlechte Erfahrungen mit Tierschutzorganisationen gemacht: "Dort war es so, dass Touristen durch den Park laufen konnten und zum Beispiel Babylöwen füttern durften. Damals war das für mich natürlich auch ein Highlight. Heute weiß ich, dass es so viel schöner ist, wenn das Tier von sich aus auf dich zukommt und dir seine Zuneigung zeigt, ohne dass du es ihm aufdrängst. Das ist es was mich an der Organisation in Bolivien so fasziniert, hier wird das Tierwohl über alles gestellt."

Der Ozelot Boudica ist nach einer britannischen Königin benannt, die um 60 n. Chr. einen (letztlich erfolglosen) Aufstand gegen die Römer anführte.

© Foto: Martina Seckendorf


Das macht sich auch an der einfachen Lebensweise in dem Park bemerkbar, die sie gerne für die Tiere in Kauf nimmt. "Das Leben mitten im Dschungel ist einfach anders. Wir haben auf Strohmatratzen geschlafen, über denen Moskitonetze hingen, sind jeden Tag um sechs Uhr aufgestanden und haben bis 18 Uhr gearbeitet. Im Camp gibt es nur Plumpsklos, das Wasser zum Duschen ist kalt und Strom gibt es höchstens mal, um das Handy etwas aufzuladen. Es sind basic-living-conditions, aber es ist jedes Mal eine Wahnsinns Erfahrung", so die 33-Jährige.

Bestehen können Organisationen wie die "Comunidad Inti wara Yassi" nur durch freiwillige Helfer wie Martina Seckendorf und durch Spenden. Aktuell können durch die coronabedingten Einreisesperren nur sechs Menschen im Park "Ambue Ari" arbeiten, wo es normalerweise 30 tatkräftige Unterstützer braucht. Martina Seckendorf will sobald es geht wieder helfen und im Rahmen eines Sabbatjahres den Park für mindestens drei Monate unterstützen. Bis dahin versucht sie über einen Spendenaufruf Gelder für den Park und vor allem die Tiere inmitten des bolivianischen Dschungels zu sammeln.

Spendenseiten: www.intiwarayassi.org. Hier kann man pauschal spenden oder ein bestimmtes Tier unterstützen. Bei der Spendenaktion, die Ambue Ari und Martina Seckendorf aufgezogen haben, gehen die Spenden an den Park Ambue Ari: www.betterplace.me/futter-fuer-leo.

NINA EICHENMÜLLER

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