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Grenzenlose Freiheit: Longest-Day-Flying auf dem Feuerstein

Die Piloten stellten ihr Können noch bis spät in den Abend unter Beweis - 21.06.2015 10:06 Uhr

Grenzenlose Freiheit - das macht den Reiz für viele am Fliegen aus. Bis spät in den Abend flogen die Piloten in Ebermannstadt beim "Longest-Day-Flying" auf dem Feuerstein. © Carmen Schwind


Aus dem Funkgerät hören die Zuschauer Jauchzen – sehen sie nach oben, wird ihnen Angst und Bange. Am vergangenen Samstag wurde am Flugplatz Feuerstein der längste Tag des Jahres mit Flugangeboten und Flugshows beim „Longest-Day-Flying“ gefeiert. Auf dieses Wagnis hatte sich Anita Weber eingelassen: Sie war mit Kunstflieger und Flugschulleiter Michael Zistler in einem Segelflieger in die Lüfte gegangen. Und der hatte gezeigt, was er so alles kann. Eigentlich war Anita Weber mit ihren Kollegen aus der Taekwon-Do Schule in Forchheim hierhergekommen, um das Geburtstagsgeschenk ihres Mannes, er war 50 Jahre alt geworden, einzulösen.

Alle hatten zusammengelegt, um ihren Meister ein besonderes Geschenk zu bereiten: Einen Kunstflug mit Michael Zistler. „Wir wollten unseren starken und kräftigen Schulleiter auch einmal schwach sehen“, erzählt Annette Kohlhase. Normalerweise schlage er Bretter kaputt, diesmal sollte sein Magen getestet werden. Gut, der war nicht ganz so stabil. Aber beeindruckend fand er den Flug dann doch. „Wir flogen kopfüber. Das ist schon ein interessantes Gefühl, wenn nur eine Plastikscheibe zwischen dir und ganz unten ist“, erzählt Weber und schaut nach oben, denn seine Frau befindet sich gerade in einem steilen Sinkflug, danach schließt ein Looping an. Nach der Landung schwärmt Anita Weber vom Flug und umarmt glücklich Pilot und Ehemann. Vor dem Fliegen hatte die Gruppe noch Taekwon-Do-Übungen auf dem Flugplatz gemacht. Das hatte den einen oder anderen Besucher doch überrascht.

Freier Kopf beim Segelfliegen

Bei der Organisation des Fluges hatte Max Benoist geholfen, der auch im „echten“ Leben Pilot von größeren Passagiermaschinen ist. „Das berufliche Fliegen ist das Gegenteil vom Sportfliegen. In der großen Maschine gebe ich Gas und langweile mich eher, denn da kann ich nichts mehr machen“, erzählt der Berufspilot. Beim Segelfliegen dagegen bekäme er den Kopf frei, denn er habe eine Aufgabe und ist dem Spiel von Aufwind und Wetter ausgesetzt. „Wenn da etwas ist, dann kann ich nicht einfach rechts ran fahren, anhalten und aussteigen“, erklärt Benoist. Beim Segelfliegen spüre er das Gefühl von Freiheit. Geflogen war das Geburtstagskind aber mit Michael Zistler, der die Flugschule seit 2013 leitet. „Ich liebe es bei Sonnenaufgang zu starten, wenn die Nebel noch in den Niederungen hängen.

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Das hat schon etwas Philosophisches“, schwärmt der Pilot, der auch ausbildet. Er hat das „Longest-Day-Flying“ eingeführt – ursprünglich für die Flieger, dann doch für jeden, den es interessiert. Er fliegt die Figuren wie bei einer Meisterschaft: „Das hat so viel Eleganz und Harmonie“. Und man müsse den Flug vorausplanen. Deshalb brieft er auch Andreas Mevenkamp und Marcus Frank für den gemeinsamen Formationsflug. Mevenkamp hatte gerade seinen Flugschüler Sebastian Reichl alleine fliegen lassen. „Das ist immer eine wichtige Entscheidung: Wann ist ein Schüler soweit, dass er alleine fliegen kann“, erklärt der Fluglehrer. Mit dem Auto war er an den Anfang der Landebahn gefahren, um das Aufsetzen zu kontrollieren. Und er war über Funk mit dem Piloten verbunden. „Aber der Sebastian hat es ganz klasse gemacht“, sagt Mevenkamp.

Drei österreichische Wilderer finden sich dann auch noch am Feuerstein ein und musizieren. Dazu tanzen Sonja Klinger und Sieghard Spendier. Die fliegerischen Fähigkeiten von Michael Zistler gehen ihnen immer noch nach: „Das war ja so beeindruckend. Und die Atmosphäre hier ist so schön.“ Spendier kommt wie die Musiker aus Kärnten und musste mit seiner Partnerin gleich die Tanzfläche eröffnen. Bis spät am Abend fliegen die Piloten noch Richtung Himmel – Richtung grenzenloser Freiheit. Abschluss des längsten Tages dieses Jahres ist dann noch ein großes Sonnwendfeuer.

Carmen Schwind

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