14°

Montag, 14.10.2019

|

zum Thema

Handicap-Sportler hilft als Moderator beim Marathon

Thomas Stuber: Trotz leidvoller Erfahrungen litt die Liebe zum Heimrennen nie - 27.08.2019 11:18 Uhr

2005: Dauersieger Marek Wasilewski (links) bekommt Glückwünsche vom alten Rivalen Thomas Götz, der sich zwei Jahre nach der ersten Krebsdiagnose für seine Benefizfahrt mit dem Rollstuhl mindestens ebenso viele Schulterklopfer verdiente. © Archivfoto: Mark Johnston


Herr Stuber, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Rückkehr an den Schauplatz auf der B 470?

Die prägendste Erinnerung ist natürlich an den Marathon 2003 geknüpft und meinen Zusammenbruch im Ziel, dem nach den Querelen in den Monaten zuvor die beinahe befreiende Krebsdiagnose gefolgt ist. Auch die Auftritte davor und danach verbinde ich gedanklich eher mit den Spuren des Leidens, zur Premiere bin ich ja praktisch ohne Vorbereitung aus dem Diensteinsatz im Kosovo eingeflogen und habe dementsprechend gelitten. Trotzdem würde ich am liebsten jedes Jahr wieder kommen und das Rennen denen in Hamburg oder Berlin vorziehen, weil es einfach die Heimat ist.

Vor knapp zwei Jahren standen Sie im internationalen Rampenlicht, als Sie der britische Kronprinz Harry bei den Invictus Games, den Olympischen Spielen für versehrte Soldaten in Toronto, persönlich im Ziel empfing. Die Handbike-Konkurrenz muss sich also in Acht nehmen.

Mit der aktiven Teilnahme wird es leider nichts. Zum einen ist mein Handbike wegen eines Schadens am Radlager schon länger nicht mehr fahrtauglich, die Reparatur der speziellen Anfertigung ist kompliziert und die Investitionskosten für ein neues Gerät gehen heute ja gleich in den fünfstelligen Bereich. Die Szene ist richtig professionell geworden. Zum anderen täte mir die Belastung nicht gut, seit ich mit Nierenproblemen zu kämpfen habe, eine Spätfolge der vielen Chemobehandlungen.

Thomas Stuber, geborener Götz, gewann 2003 als Zweiter hinter dem polnischen Überflieger Marek Wasilewski die bayerische Marathon-Meisterschaft, trug jedoch bereits einen Tumor in sich und verlor Hüfte sowie Teile des Beckens. 2005 startete der Effeltricher im Rollstuhl und nahm es 2010 abermals mit dem Krebs auf. Heute lebt er in der Nähe von Bonn und koordiniert Inklusionsprojekte im Sport-Referat der Bundeswehr-Dienststelle.


Auch das noch?

Ja, seit bestimmte Blutwerte nicht in Ordnung waren, sind meine Ambitionen im Leistungssport ein wenig auf Eis gelegt, und ich muss neue Untersuchungen abwarten. Erst habe ich kaum Beeinträchtigungen festgestellt, dann war die körperliche Erschöpfung schneller spürbar als sonst. Der Prozess verläuft zäh und fordert mich mental ziemlich heraus, fast wie bei einem Marathon. Schließlich war ich schon auf dem Sprung ins Blickfeld des Bundestrainers der Para-Ruderer. Im Moment kann ich nur dosiert im Fitnessstudio trainieren und in die Arbeit radeln; damit komme ich vielleicht auf zehn bis maximal 20 Stunden Sport pro Woche.

Bilderstrecke zum Thema

Spitzenmäßig: Sieger aus 20 Jahren Fränkische-Schweiz-Marathon

Gerd Betz vom TSV Höchstadt/Aisch trug sich als Gewinner der Premieren-Ausgabe über die Königsdisziplin von 42,2 km im Jahr 2000 als erster in eine Ahnen-Liste ein, die im Laufe der Jahre - parallel zur rasant steigenden Bekanntheit des Fränkische-Schweiz-Marathon - eine immer internationalere Prägung erhielt.


Mancher wäre schon froh, genug Motivation für die Hälfte an Bewegung aufzubringen. Wie gelingt das?

Der Sport gehört einfach zu mir dazu. Ich brauche ihn für den Kopf und natürlich in meinem speziellen Fall auch dafür, für den Alltag Stabilität in den Rumpf zu bekommen. Inzwischen kann ich ohne Krücken immerhin 500 Meter gehen und habe Spaß daran, mein Wissen in Seminaren für Lauftechnik weiterzugeben. Zu Sportveranstaltungen brauchte ich nach zwei Krebstherapien aber schon etwas länger Abstand. Heute kann ich mir die Ironman-WM über neun Stunden anschauen und bin als Triathlon-Kampfrichter in NRW unterwegs. Das ist fast genauso gut wie das frühere Wettkampfadrenalin. Deshalb möchte ich mich, wenn ich schon mal da bin, unbedingt beim Fränkische-Schweiz-Marathon einbringen und helfen (als unterstützender Moderator in Streitberg; d.Red.).

Wie bewerten Sie die Entwicklung des FS-Marathons aus der Ferne?

Ich verfolge die Aktivitäten im Newsletter und halte die Streckenänderungen für gelungen. Die langgezogenen Abschnitte durch Reuth waren immer hart, weil es kaum Abwechslung gab. Dass die Nachfrage insgesamt gesunken ist, wundert mich nicht. Heute suchen sich viele ihre Strecken nach möglichen Bestzeiten aus. Damals wollten wir als Lokalmatadoren aus dem Volk, die wie Sascha Burkhardt (Sieger 2001 und 2002; d. Red.) und ich eigentlich aus dem Fußball kamen, alle dabei sein. Die Euphorie ging soweit, dass mancher die Teilnehmerurkunde allein für die Bürowand haben wollte. Nicht jeder hat sich damit einen Gefallen getan und ist wohl früher oder später abgesprungen, für so eine Belastung muss das Fahrgestell eben kontinuierlich in Schuss gehalten werden.

Bilderstrecke zum Thema

Fränkische-Schweiz-Marathon: Die besten Kostüme aus 20 Jahren

Zurücklehnen, schmunzeln, genießen: Am autofreien Sonntag auf der B470 steigt mit der größten Sportveranstaltung des Landkreises seit dem Jahr 2000 auch ein buntes Begegnungsfest, bei dem sich Teilnehmer und Zuschauer manchen modischen Spaß gönnen.


Für alle, die am Sonntag vor Ort auf dem Laufenden bleiben wollen oder es nicht selbst an die Strecke schaffen, berichten wir hier auf www.nordbayern.de im Liveblog.

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Forchheim, Ebermannstadt, Effeltrich