Freitag, 06.12.2019

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Herzogenauracher Krimi-Autor bei kulinarischer Lesung in Neunkirchen

Spannende Krimis am laufenden Band - 14.11.2019 15:16 Uhr

Jan Beinßen las in Neunkirchen aus seinem Krimi „Kärwakiller“ - und dazu gab es Deftiges. © Udo Güldner


Als Jean Jacques Laurent schreibt er Elsass-Krimis, und als Jules Besson lässt er seinen Ermittler mit dem Hausboot durch ganz Frankreich reisen. Doch bekannt ist Jan Beinßen (54) aus Herzogenaurach für seinen fränkischen Ermittler Paul Flemming. Bei den blätterWALD-Literaturtagen las er aus dem "Kärwakiller". Dazu gab es Bratwürste mit Sauerkraut. Allerdings ohne Glasscherben. Wir sind ja nicht auf einer Kirchweih in Mögeldorf...

Ein skrupelloser Erpresser versetzt ganz Nürnberg in Angst und Schrecken. Obwohl die Polizei eine Nachrichtensperre verhängt hat. Obwohl die Anschläge auf die Volksfeste in Mögeldorf, Boxdorf, Ziegelstein und Laufamholz mit keinem Wort in den Zeitungen erwähnt werden. Man will keine Panik auslösen.

Der Herzogenauracher Autor Jan Beinßen bei der blätterWALD-Lesung in Neunkirchen. © Udo Güldner


Schließlich tummeln sich Tausende zwischen Karussells, Bierbänken und Imbissbuden. Doch die Glasscherben im Sauerkraut und andere gefährliche Gemeinheiten sprechen sich dann doch herum. Vergeblich sucht man den Täter, der bald auch droht, sich dem Altstadtfest und gar dem Christkindlesmarkt zuzuwenden.

Es ist diese explosive Situation, in die Hobbyermittler Paul Flemming in seinem bereits 14. Fall verwickelt wird. Nur weil er mit seiner Frau und deren Tochter feiern möchte. Das bedeutet für den Schöpfer Jan Beinßen: einen Frankenkrimi im Jahr.

Unterhaltsame Handlung

Schließlich möchte er die Schönheiten der Umgebung und deren historische Hintergründe in eine unterhaltsame Handlung gießen. Da ist es keine Überraschung, dass der Journalist, der einst neun Jahre bei der Nürnberger Abendzeitung gearbeitet hat, Zeit braucht.

So hat er seine Beschäftigung in Öffentlichkeitsarbeit und Marketing am "Albrecht Dürer"-Airport auf die Hälfte reduziert. Zumal er seit fünf Jahren noch zwei weitere Krimi-Reihen in seinem Lieblingsurlaubsland Frankreich am Laufen hat. Da sind dann Jules Gabin im Elsass und Monsieur Keller in Carcassone und demnächst im Burgund hinter Tätern her.

Die Zuhörer sind gefühlt hautnah dabei, wenn die Makrelen gegrillt werden, wenn der Autoscooter Funken schlägt und das Bier beim Anstich dem Fass entkommt. Es gelingt dem gebürtigen Niedersachsen, der seit fast zwei Jahrzehnten in seiner Wahlheimat Franken lebt, die Stimmung und das Geschehen auf den Dorfkirchweihen einzufangen.

Die Mitglieder der Burschenschaft vom Torplatz hatten einen Kerwa-Baum und traditionelle Lieder im Gepäck. © Udo Güldner


Auch wenn diese in Teilen in einer Großstadt stattfinden. Etwas Atmosphäre in den blätterWALD brachten zuvor ein Dutzend Mitglieder der Burschenschaft vom Torplatz. Wobei sie einen kleinen Kerwa-Baum und einige traditionelle Lieder dabei hatten.

Pionier des Regionalkrimis

Immerhin wird hier im Zehntspeicher schon seit einigen Jahren am ersten Oktober-Wochenende die "Neikergna" Kirchweih gefeiert. Mit dröhnender Blasmusik, klirrenden Krügen und torkelnden Trinkern – wie im "Kärwakiller". Allerdings kommt hier wie dort keiner zu Tode.

Das alte Problem des Krimiautors, wie ein Nicht-Polizist all die Leichen findet, hatte Jan Beinßen zu Beginn des Schreibens gar nicht auf dem Schirm. Als Pionier des Regionalkrimis war dessen Erfolg noch nicht denkbar. Er sei nur von zwei bis drei Bänden ausgegangen. Als das Publikum immer neue Fälle forderte, ging er dazu über, seine Hauptfigur eine Staatsanwältin heiraten zu lassen, um direkt an der Quelle sitzen zu können.

Bei Tatort-Führung begleiten

Mit der Freundschaft zu einer Oberkommissarin bei der Mordkommission und der Bekanntschaft mit einem Boulevard-Reporter blieb der Amateur-Kriminologe stets in Tuchfühlung zu den Toten. Als Flemming-Fan kann man Jan Beinßen übrigens immer wieder einmal bei Tatort-Führungen begleiten und ihm dabei über die Schulter blicken. Dann zeigt er einem hoffentlich bald, wo der Fischbrater zum Verdächtigen wurde, wie ein Kerwa-Baum aus Plastik klingt und vieles mehr.

Schon im Vorjahr hatte das blätterWALD-Team mit Tessa Korbers Auftritt im Grünen Baum in Dormitz die Lesung mit der Labung verbunden. Nun also der nächste Versuch, alle Sinne anzusprechen. Norbert Polster und seine Klosterhof-Helfer jedenfalls haben ein feines Händchen für grobe Bratwürste. Solch deftige Lesungen machen Appetit auf mehr.

UDO GÜLDNER

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