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Montag, 06.04.2020

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HGF-Konzert: Glänzend aufgelegte Profis und Debütanten

Kammermusikalischer Abend am Herder Gymnasium Forchheim - 25.02.2020 20:00 Uhr

Elena Wopkes und Rami Toma sangen auf der Zauberinsel. Ein Geist hat die Frau des Försters Lubanara in eine Katze verwandelt. © Foto: Udo Güldner


Als Beethoven in Wien weilte, verdiente er seinen Lebensunterhalt weniger als Komponist denn als Virtuose. Das war bei Liszt und Schumann später nicht anders. Dafür brauchte es noch nie dagewesene Stücke, die sich von der lokalen Konkurrenz abhoben und dem Pianisten die Möglichkeit gaben, sein Können zu zeigen. Das Publikum sollte schließlich in Scharen in die Salons des Adels und die ersten Konzertsäle strömen.

Hatte sein Lehrmeister Haydn noch die große dramatische Geste vermieden, gehörte sie bei Beethoven unbedingt dazu. Hatte Mozart es mit Galanterie versucht, so nutzte Beethoven die neu gefundene Durchschlagskraft des Hammerklaviers, das dem Cembalo den Rang ablaufen würde. Diese dynamischen Kontraste sind es, die Sebastian Ritter (Q11) in einer frühen Beethoven-Sonate aufgriff.

Hannah Stübinger interpretierte auf der Querflöte Händels Hallenser Sonate, ein anspruchsvolles Stück. © Foto: Udo Güldner


Kurz zuvor noch hatte ein Lächeln seinen Mund umspielt, als Nicolai Prechtel (9b) sich an die "Kleine c-moll-Sonate" gewagt hatte. Deren pathetischen Stil hat der Schüler stürmisch und drängend interpretiert. Übrigens eher zufällig im Beethoven-Jahr. Denn solche langwierigen Übungsstücke begleiten den Jugendlichen über Jahre hinweg, bis sie den Fingern so entströmen dürfen.

Die Romantiker haben auch Katharina Reutzel (Q11) und Alexander Bett (Q11) in ihren Bann gezogen. Erstere verneigte sich mit einem Walzer vor Chopin, dessen melancholisches Moll einen niedergeschlagenen Komponisten zeigt. Er musste seine polnische Heimat verlassen und von Paris aus mitansehen, wie Warschau in die Hände des russischen Zaren fiel. Aus dem anfänglichen Aufbäumen, erlebbar in der Revolutions-Etüde, wurde so ein trauriger Abgesang auf einen verschwundenen Staat.

Lyrisch ohne Worte

Alexander Bett ließ seine Finger singen, als es darum ging, Mendelssohn-Bartholdys "Lieder ohne Worte" zum Sprechen zu bringen. Lyrischer hätte man das kaum tun können. Als Rami Toma (Q11) als Schäferjunge sein "liebes Weibchen" Elena Wopkes (9a) aufforderte, zu ihm in seine Hütte zu ziehen, hatte man als Zuhörer einen Deja-vu-Moment. Hatte man ein ähnliches Duett doch schon in Mozarts Zauberflöte vernommen. Hier plapperte aber kein Papageno in Vogelgestalt, auf der "Zauberinsel" miaute die Frau des Försters Lubanara, die ein Geist in eine Katze verwandelt hatte. Eine ebenso magische Gestalt ist "Das Mädchen mit den flachsblonden Haaren", das Katharina Bett (Q11) durch die Augen Debussys betrachtete. Es begeisterte, wie sie mit Klangfarben die Anmut darstellte, wie sie mit nur 88 Tasten ein ganzes Orchester hören ließ.

Fast klingt es wie eine Bachsche Kantate: "Hoffen Träumen Suchen Fragen". Dabei ist Frank Federsel ein Zeitgenosse, der neuromantische Klaviermusik komponiert. Christina Ding (7a) hat sich in "Elysee und Penelope" der Entscheidung des Odysseus angenommen, entweder als Unsterblicher ins Elysium zu gelangen oder zurück zur Gattin Penelope zu segeln und dort alt zu werden und zu sterben.

Da hatte es Amelie Franke (Q11) mit ihrer Querflöte schon etwas einfacher. Wenn man daran glaubte, dass Petr Ebens "Sonatina Semplice" genau das war. Leicht zu spielen. Bei näherem Hinhören aber entpuppte sich die Miniatur als ebenso anspruchsvoll wie Händels "Hallenser Sonate" aus dem Munde Hannah Stübingers (Q11) und der "Siberian Galop". Den hatte Leila Keilholz (7b) ungemein heiter gezügelt, obwohl die Komponistin Pamela Wedgwood den Ritt auf dem Cello vorgezogen hätte.

Lange konnte man darüber aber nicht sinnieren. Hatte es Julika Graf (7a) mit ihrer Klarinette doch der Entertainer angetan. Jener Ragtime Scott Joplins, mit dem dieser erst nach seinem Tode in den USA berühmt wurde – weil er ein Afro-Amerikaner in einer Zeit der Rassendiskriminierung war.

Gleich vier Hände brauchte es hernach, um eine Polka auf den Tasten zu tanzen. Emilia Leopold und Sarah Hiller (beide 7a) hatten das Gespür für den Jazz Schostakowitschs, den dieser in sowjetische Trickfilme geschmuggelt hatte.

Nur einmal stand ein Trio im Licht der Scheinwerfer: Lara Kreller (Q11), Julian Albert (Q11) und Justin Reck (8b) hatten die Saxophone umgeschnallt und gänzlich ausgeglichen die "Senerité" angestimmt, die Jean Maillot sich genau so gedacht hatte. Das musikalische Niveau hat im Herder-Gymnasium auch weiterhin sein Zuhause.

InfoWeitere Konzerte im HGF: 6. März, 18.30 Uhr, Q11-Konzert; 19. März, 19.30 Uhr, Erstes Frühlingskonzert; 21. März, 10 Uhr, Tag der Offenen Tür der Fachschaft Musik, 31. März, 19.30 Uhr, Zweites Frühlingskonzert.

UDO GÜLDNER

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