Samstag, 21.09.2019

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Hiltpoltstein: Spritzmittelversuche mit Glyphosat?

Hiltpoltsteiner Landwirt kündigt Obstbau-Versuchsanlage zwei Pachtflächen - 25.08.2019 09:00 Uhr

Von der Kündigung der Pachtflächen sind insgesamt auch 300 Obstbäume betroffen. 150 Kirschbäume mit teils sehr alten Sorten und 150 lizensierte Apfelbäume aus Südtirol. Sie müssen wohl gefällt werden.


Dabei ging Stenglein ein Neuendettelsauer Landwirt nicht mehr aus dem Kopf. Diesem Landwirt war, Medienberichten zufolge, wohl Ähnliches passiert. Der Neuendettelsauer Landwirt war schlussendlich ruiniert. Alois Stenglein wollte deshalb rechtzeitig die Reißleine ziehen und kündigte zum 1. September das Pachtverhältnis für eine 2,8 Hektar große Fläche, die in zwei Bereiche geteilt ist.

Mindestens 150 Bäume werden deswegen demnächst gefällt. Wenn es nach dem Verpächter geht, sogar alle 300 Bäume.

Die Kündigung hat der Landwirt geschrieben, nachdem ihm mehrmals Gerüchte zu Ohren kamen, dass auf seiner verpachteten Fläche Spritzmittelversuchsreihen durchgeführt werden, auch mit Glyphosat.

Dass in der Landwirtschaft zwischendurch kupferhaltige Mittel und auch Schädlingsbekämpfungsmittel verwendet werden, ist dem Hiltpoltsteiner Landwirt bekannt und damit war er auch einverstanden, als er vor 45 Jahren die Fläche bis 2024 an den Landkreis verpachtet hatte.

Doch ganze Versuchsreihen und auch noch mit Glyphosat, dafür war Stenglein das Risiko zu groß und er forderte, die Fläche so zu übergeben, wie er sie dem Landkreis überlassen hatte — als Ackerfläche.

"Wenn ich die Fläche nach Ende des Vertrags erneut verpachten möchte, würde vielleicht eine Bodenprobe verlangt werden", erklärt Stenglein. Oder er wäre in der Pflicht, die Fläche vor erneuter Verpachtung zu sanieren. Dazu müsste er finanziell in Vorleistung gehen.

Das Landratsamt streitet die Versuche mit Pflanzenschutzmitteln, auch mit Glyphosat, nicht ab.

Auf einer der Flächen stehen teils zehn Jahre alte Apfelbäume, die aus Südtirol stammen. "Auf dieser Fläche wurde stark reduzierter, normaler Pflanzenschutz mit zugelassenen Mitteln betrieben. Der Zustand des Bodens ist also unbedenklich. Diese Sorte aus Südtirol wurde dem Landkreis nur zu Beobachtungszwecken zur Verfügung gestellt und ist lizensiert, das bedeutet, die Bäume dürfen nicht weitergegeben oder vermehrt werden, somit müssen die lizensierten Bäume aus Südtirol leider gerodet werden", erklärt Landrat Ulm.

In der Obstversuchsanlage würden Überdachungsversuche, Sorten- und Unterlagenversuche mit Süßkirschen, Apfel- und Birnensorten durchgeführt sowie neue Sorten getestet. An der Optimierung des modernen Kirschenbaus werde unter der Berücksichtigung der speziellen Klima- und Anbaubedingungen in der Fränkischen Schweiz gearbeitet (siehe Infokasten). Diese wissenschaftlichen Versuche dienen als Grundlage, um die Obstbauern in der Region zu Sorten- und Unterlagenfragen für Extensiv- und Intensivanbau, zu Anbausystemen, Bodenpflege und Düngung sowie zum Pflanzenschutz und neuen Verarbeitungsmethoden zu beraten, lässt das Landratsamt verlauten.

"In diesem Zusammenhang werden auf den landkreiseigenen Flächen auch Versuche mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln, zu denen auch Glyphosat im Moment noch zählt, durchgeführt. Zudem werden Versuche durchgeführt, um für die Obstbauern Alternativen für Glyphosat ab 2022 zu finden", erklärt Landrat Hermann Ulm.

Auf der anderen Teilfläche stehen alte Kirschbäume, diese möchte das Landratsamt eigentlich nicht roden. Aber Alois Stenglein. Vor 45 Jahren sind dort gut 50 alte Kirschsorten mit je drei Bäumen gepflanzt worden, um den Gen-Stamm zu erhalten. "Die sehr alten Kirschbäume stellen ein Art Baummuseum dar. Die Fläche hat biotop-ähnlichen Charakter, seit Jahren wurde dort kein Pflanzenschutz verwendet", beteuert Landrat Hermann Ulm.

Doch genau das ist für Stenglein der feine Unterschied. "Es ist kein Biotop und die derzeitige Bepflanzung wird nicht als Streuobstwiese anerkannt. Entsprechend sind hohe Unfallversicherungsbeiträge zu zahlen, auch wenn niemand die Bäume abernten würde", erklärt Stenglein, warum er die Bäume nicht mehr auf der Wiese haben möchte.

"Die Bäume sind ohnehin am Ende. Man könnte noch einmal Reiser abnehmen, doch die Bäume sind fast am Absterben", sagt Stenglein. Die vielen Schnitte hätten die Lebensdauer verkürzt, Früchte hängen ohnehin nur noch wenige an den Ästen.

Wenn das Landratsamt nicht rodet, müsste Stenglein selbst die Bäume fällen. Doch auch diese Kosten kann und will der Rentner nicht tragen, weshalb er die Fläche wieder als Acker- oder Wiesengrund zurück haben möchte.

Landrat Ulm versprach, wegen der alten Kirschbäume noch mit dem Hiltpoltsteiner Landwirt zu verhandeln. Bis jetzt habe sich bei Alois Stenglein noch niemand gemeldet. Wie die Verhandlung ausgeht, wird sich an der Anzahl der gefällten Bäume zeigen.

  

PETRA MALBRICH

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