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Dienstag, 09.03.2021

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Hochzeiten in Forchheim: Bald auch Samstagstermine am Standesamt?

"Unhaltbarer Zustand": Thema wurde im Stadtrat aufgegriffen - Dialysepatientin Sondertermin verwehrt - 16.01.2021 18:08 Uhr

Der schönste Tag im Leben kann in Forchheim bisher kein Samstag sein. Das stößt bei den Stadträten auf Unverständnis. Sie sagen Nein zur bisherigen Regelung und Ja zum Samstag und zu online buchbaren Standesamt-Terminen.

15.01.2021 © Foto: MRyes / imago images


"Love is in the air", also "Liebe ist in der Luft", wenn zwei Menschen vor den Standesbeamten treten. Aber in dieser Sache ist eben auch Ärger in der Luft. Und Gefühl. Der Grund: Bisher kann an Samstagen nicht in Forchheim standesamtlich geheiratet werden. Das will die CSU ändern und ärgert sich über den Status Quo.

"Es kann nicht sein, dass wir in puncto Bürgerfreundlichkeit in vielen Punkten den Landkreisgemeinden hinterherhinken", sagte Josua Flierl und erzählte im Haupt-, Personal- und Kulturausschuss des Stadtrates eine persönliche Geschichte, die an ihn herangetragen worden sei.

Dialysepatientin Sondertermin verwehrt: "Unsensibles Vorgehen"

Es geht um die Mutter einer Braut. Sie ist Dialysepatientin. Um das Blut in ihren Nieren zu reinigen, habe sie unter der Woche keine Möglichkeit, bei der standesamtlichen Trauung ihrer Tochter dabei zu sein. Deshalb erkundigt sich die Verlobte bei der Stadt Forchheim nach einer Ausnahme: nach einem Standesamt-Termin an einem Samstag. Von dort habe es geheißen: "Es gibt keine Ausnahme", erzählte Flierl, der das für ein unsensibles Vorgehen hält.

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Das Brautpaar sei auf das Standesamt in Kirchehrenbach ausgewichen und habe daraufhin auch seine Feier außerhalb der Stadt organisiert. Zum Nachteil der Stadt, zum Vorteil der Umlandgemeinden, glaubt Flierl. "Dort ist man froh, dass Forchheim eine Trauung am Samstag nicht ermöglicht. So feiern die Paare in den Gemeinden", sagte Flierl. Er hält das für einen unhaltbaren Zustand für ein Oberzentrum wie Forchheim.

Samstagstermine früher nie ein Renner?

Ausnahmen von der Nicht-Trauung am Samstag seien schwierig, sagte der zuständige Referatsleiter Jürgen Igel. Wo mit Ausnahmen beginnen, wo enden? Das Standesamt sperre sich nicht gegen Samstags-Termine, wenn das vom Stadtrat gewünscht sei. Regelmäßige Wochenendtermine seien mit dem vorhandenen Personal aber schwierig umzusetzen. Dabei sei es nicht so, dass die Stadt noch nie an Samstagen getraut hat. In früheren Jahren hat die Stadt zu Jahresanfang jährlich mindestens fünf Samstage angeboten. In Forchheim sei das aber nie ein "Renner" gewesen.

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"Es gibt durchaus Bedarf, am Samstag zu heiraten. Viele Paare melden das aber erst gar nicht an, weil die Möglichkeit nicht auf der Internetseite der Stadt steht", sagte Thomas Werner (CSU). Montag bis Freitag, 9 bis 11.40 Uhr – das sind die Termine, über die die Stadt dort informiert. Den Samstags-Wunsch kann auch Manfred Hümmer (FW) bestätigen und unterstützen. "Wenn das Angebot nicht vorhanden ist, wird die Nachfrage auch nicht da sein. Für eine Große Kreisstadt muss das aber möglich sein."

Onlinebuchung: Stadt soll Vorreiter werden

In Ebermannstadt sei eine Samstagstrauung möglich, trotz weniger Personal. Wenn es an Mitarbeitern fehle, solle die Stadt weitere Standesbeamte qualifizieren. "Wenn Freunde und Familie von weiter weg kommen, ist es mit Schwierigkeiten verbunden, zu einer Hochzeit unter der Woche zu kommen", so Hümmer.

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In ihrem Antrag fordert die CSU zudem die Möglichkeit, Standesamt-Termine online einsehen und buchen zu können. "Forchheim könnte dabei Vorreiter sein", so Werner. Dass keine Online-Terminbuchung möglich ist, sei vom Standesamt gewünscht, teilte Igel den Stadträten mit. So könnten zeitliche Lücken zwischen den gebuchten Trauungen entstehen, was einen Leerlauf für den Standesbeamten zur Folge hätte. Die Nachfrage sei in Forchheim schlicht zu gering.

Gebühr für Trauung im Kaisersaal während Corona senken?

Nicht besonders schön ist das Trauungszimmer im Standesamt, sagt die Stadt. Deshalb weichen Paare auch in die Kaiserpfalz aus. Das kostet aber eine Gebühr.

15.01.2021 © Foto: Jens Wolf/dpa


Auch der dritte Punkt der CSU fand parteiübergreifend Zustimmung. So soll die Gebühr für die Trauung im Kaisersaal der Kaiserpfalz von 200 auf 100 Euro während der Corona-Pandemie reduziert werden. Die Trauung im Museum erfolgt auf besonderen Wunsch und findet sonst im Trauungszimmer des Standesamtes statt. Es bietet 18 Sitzplätze. Doch das ist weder behindertengerecht noch hübsch anzusehen, gibt Igel zu.

Ändern soll sich das nach der Generalsanierung des Rathauses. Im künftigen Haus der Begegnung stehe dann im ersten Obergeschoss ein repräsentatives und behindertengerechtes Trauungszimmer bereit. Weil der Kaisersaal aber nur dann genutzt werden kann, wenn im Museum keine Ausstellung stattfindet, brachte Flierl den Gewölbekeller der Kaiserpfalz ins Spiel. Doch auch dieser lässt sich nicht komplett barrierefrei erreichen.

Ganz harmonisch – nämlich einstimmig – haben sich die Stadträte für je zwei monatliche Samstagstermine während der Sommermonate Mai bis August und für je einen Wochenendtermin in der Wintersaison ausgesprochen. Die Gebühren für den Kaisersaal werden gesenkt und die Onlinebuchung wird vom Standesamt geprüft.

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