Freitag, 22.11.2019

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Igensdorf: Wo kommt der Asphalt-Abfall her?

Ein Mysterium sorgt in den Rathäusern von Igensdorf und Weißenohe für Rätselraten - 15.10.2019 07:00 Uhr

Dieser Haufen Asphalt ist eigentlich nicht zu übersehen. Trotzdem waschen die Gemeindeverwaltungen ihre Hände in Unschuld und wissen nicht, von wem er kommt. © Foto: Petra Malbrich


Zwei Mal links vorbei am Solarpark in Oberrüsselbach wurde am Rande der landschaftlichen Flur mindestens eine Lastwagenladung Asphalt aufgeschüttet. Fräsgut nennt man diese zerbröckelte Schicht, die entsteht, wenn asphaltierte Straßen abgefräst worden sind. Doch woher kommt diese Ladung Asphalt und auf welcher Flurgrenze wurde sie abgeladen? Womöglich illegal?

Igensdorfs Bürgermeiser Wolfgang Rast (IU) ist jedenfalls überrascht: "Wir haben derzeit zwar eine Wegebaumaßnahme, haben aber Mineralbeton verwendet." Diese Maßnahme wird Ende der Woche abgeschlossen sein. Das bestätigte auch Bauamtschef Andreas Finkes, der ebenfalls nichts von dem in der Landschaft gelagerten Aushub weiß.

Das Fräsgut sei bei Landwirten begehrt für die Instandhaltung der Wirtschaftswege. "Da ist Bitumen dabei. Wenn man das in die Ebene einbringt und walzt, verbindet sich das und man bekommt eine kräftigere Oberfläche als mit Mineralbeton".

Allerdings habe er keine Kenntnis, wo und ob derzeit irgendwo Fräsgut eingebracht werde. Und Igensdorf habe aktuell keine Baumaßnahme mit Asphalt. Die andere Frage, die sich Bauamtschef Finkes stellt, ist die nach der Zuständigkeit. Am Solarpark gehören der Gemeinde nur noch zehn Meter, dann beginnt die Weißenoher Flur.

Auch der Weißenoher Bürgermeister Rudolf Braun (WGA) weiß, dass Fräsgut bei den Bauern begehrt ist und an diese sogar verkauft wird. Die Gemeinde hat mit den Bauarbeiten zur Umgestaltung des "Weißenoher Plärrers" Fräsgut gelagert. Aber: "Das ist längst richtig entsorgt", so Braun.

Auch ihm sei nichts von diesem Fräsgut bekannt. "Es könnte ein Grundstückseigentümer selbst abgeladen haben." Er betrachtet diese Möglichkeit als am wahrscheinlichsten. Denn der eine Grundstückseigentümer würde den anderen bei einer illegalen Ablagerung informieren. Und dann wäre die Gemeinde längst ins Bild gesetzt.

Dass Landwirte Fräsgut zur Instandhaltung der Wirtschaftswege benutzen, bestätigt Werner Nützel, Geschäftsführer des Bauernverbands Forchheim: "Es muss sorgfältig eingebaut werden und es darf kein Wasserschutzgebiet geschädigt werden." Die Instandhaltung mit Fräsgut habe den Vorteil der besseren Festigkeit: "Die Feldwege sind großen Belastungen ausgesetzt." Allerdings hat ihn kein Landwirt darüber informiert, dass derzeit ein Wirtschaftsweg mit Fräsgut saniert wird und die Landwirte würden das in der Regel mit dem Landratsamt absprechen.

Das bestätigt Pressesprecherin Kathrin Schürr vom Landratsamt. Das Fräsgut geht in Eigentum der Baufirma über. Manche verkaufen das Fräsgut an Landwirte. Wenn diese damit Wege ausbessern, dürfe die Straßensicherheit nicht beeinträchtigt werden. Eine Genehmigung sei nicht erforderlich. Doch es komme darauf an, welches Material verwendet werde, erklärt Schürr.

Eine Baugenehmigung brauche der Landwirt erst für eine Auffüllung bei mehr als 500 Quadratmeter Fläche oder einer Höhe über zwei Metern: "Dann wäre im Rahmen der Baugenehmigung auch das Umweltreferat beteiligt." Ist die Fläche kleiner, bedürfe es keiner Genehmigung, allerdings müsse der Landwirt beachten, dass er kein belastetes Material verwendet: "Die Landwirte wenden sich in der Regel an das Landratsamt und benennen, von welcher Straße sie das Fräsgut haben." Der Rat des Landratsamtes lautet dann, ein Gutachten einzuholen. Das Material sei dann geprüft.

Oft wissen die Mitarbeiter auch schon bei Nennung der Straße, ob das Material belastet ist. Allerdings gebe es Landwirte, die das Fräsgut einfach so zum Auffüllen verwenden. "Wenn wir einen Hinweis haben, gehen wir der Sache nach", sagt Schürr. Von der fraglichen Ablagerung ist nichts bekannt. Bleibt die Frage, wer das Material dort abgelagert hat. Oder ob es einfach illegal abgeladen wurde. Das sollten nun die Gemeinden überprüfen. Die haben aber erst jetzt davon erfahren.

PETRA MALBRICH

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