12°

Samstag, 19.10.2019

|

In Neuses kriegen alte (Porsche-)Flitzer den Glanz zurück

Sebastian Dormann von der Firma SD-Racing gibt alten Porsches eine Zukunft - 12.06.2019 10:00 Uhr

Sebastian Dormann, Geschäftsführer von SD-Racing. Die aufstrebende Firma aus der Region will ihr Geschäft ausbauen und bald auch alte Porschekarossen für den Elektro-Umbau vorbereiten. © Roland Huber


In liebevoller Kleinarbeit restaurieren neun Mitarbeiter und ein Azubi neben diversen Oldtimern hauptsächlich alte Porsche 911er, die mittlerweile unter Sammlern Kultstatus genießen.

Auch das sogenannte Backdating, bei dem alte Porschekarossen ein neues, moderneres, technisches Innenleben bekommen, ist einer der Geschäftszweige der Firma SD- Racing aus Neuses geworden.

Das Trägerfahrzeug an sich spielt die entscheidende Rolle, wobei man die Optik und den technischen Zustand erst einmal vernachlässigen kann, denn es geht in den meisten Fällen nur um die Rohkarosse. Der Rest des Fahrzeuges wird generalüberholt oder ausgetauscht, da es sich meistens um ältere Fahrzeuge handelt.

Kunden aus ganz Europa

Fahrwerkskomponenten verbauen sie neu und auch die Innenausstattung wird meist komplett von einer anderen regionalen Firma neu hergestellt. Was das Instandsetzen von alten Porsches betrifft ist SD-Racing eine von nur zirka 20 Firmen weltweit. Neben den meist regionalen Instandhaltungsarbeiten verteilen sich ihre Kunden über ganz Europa, die mit ihren restaurierungsbedürftigen Fahrzeugen die Werkstatt aufsuchen.

Auch wenn Betriebsleiter Sebastian Dormann im Laufe der Zeit eher administrative Tätigkeiten im Unternehmen übernommen hat, freut er sich jedes Mal, wenn er Zeit findet, in der Werkstatt mitzuschrauben. Sebastian Dormann begann 1993 seine Rennfahrerkarriere im Alter von zehn Jahren mit Kartrennen beim AC Erlangen. Kurz darauf stand seine Familie begeistert am Rand der Rennstrecke und fieberte enthusiastisch mit.

Als 16-Jähriger erhielt er eine Sonderlizenz, um große Rennwagen zu fahren. Während seiner Zeit als aktiver Rennfahrer, in der er an mindestens 300 Rennen teilnahm und etliche Preise gewann, lernte er auch seine Frau Sabrina kennen.

Als 30-Jähriger, nach der Geburt des ersten von zwei Kindern, tauschte er seinen Sitz im Renncockpit gegen den Bürostuhl. Seitdem widmet er sich voll und ganz Familie und Firma.

Nur ein Werkzeugkasten

Ein weiterer Freund aus dieser Zeit ist der Autoschrauber Mathias Heumann, der ihn damals auch auf Rennen begleitete. 2005 gründeten sie die Firma SD-Racing in Hallerndorf und arbeiten bis heute zusammen. „Der Anfang war nicht einfach und außer einem Werkzeugkasten hatten wir nicht viel“, erinnert sich Sebastian Dormann.

Zu Beginn arbeitete er noch nebenher im Betrieb seines Vaters, der ihm die Grundlagen der Betriebsführung vermittelte. „2010 wurden es immer mehr Aufträge bei SD-Racing. Ich musste alles auf eine Karte setzen und arbeitete dann nur noch in meiner Firma“, so Dormann. „Als wir die Firma starteten ging es nur um Auto-tuning. Wir machten neue Felgen auf Autos oder sorgten dafür, dass der Auspuff lauter wurde. Dass wir irgendwann so erfolgreich werden würden, hätten wir nie für möglich gehalten.“

Bilderstrecke zum Thema

Ente, Käfer und Co.: Diese Autos wurden zu Legenden

Sie bewegten Millionen wie der Opel Kadett und der VW Käfer. Oder sie kosten Millionen wie heute der Mercedes-Benz 300 SL "Flügeltürer". Während die meisten Automodelle irgendwann sang- und klanglos aus dem Straßenbild verschwinden, avancieren andere zu absoluten Kultmobilen. Wir haben die 30 legendärsten Kultautos der letzten Jahrzehnte zusammengestellt.


Fünf Jahre später mietete er den aktuellen Firmensitz, eine Autowerkstatt, in Neuses. Seit 2018 besitzt er zusätzlich noch eine eigene Lackiererei, die von einem Freund, Patrick Büttner, betrieben wird.

„Das Wichtigste ist für mich die Leidenschaft an dem, was ich tue und das Vertrauen in die Mitarbeiter und die Idee der Firma. Ich glaube die Faszination an der Technik war der Schlüssel zum Erfolg“, meint Sebastian Dormann. Neben einem respektvollen Umgang miteinander sei auch gewissenhaftes Arbeiten im KFZ-Bereich unumgänglich. „Heute will nur noch jeder studieren, aber der Beruf des KFZ-Mechanikers ist unterbewertet, denn eine nicht richtig festgezogene Schraube kann zum Unfall führen und Menschenleben kosten“, sagt er. „Wenn man möchte, dass das Unternehmen auch in Zukunft besteht, sollte man offen sein für Innovationen.“

Porsche mit E-Antrieb

Vor etwa einem Jahr, als SD-Racing mit allerhand Aufträgen zu tun hatte, meldete sich eine holländische Firma und fragte, ob man eine Porschekarosse ohne Motor und Benzintank bestellen könne. Zuerst war Sebastian Dormann verwundert – normalerweise drehen sich seine Aufträge darum, fahrfertige Autos auszuliefern. Er traf sich mit Vertretern der Firma und ließ sich den Auftrag genauer erklären.
Alte Porsche, die für Sammler keinen besonderen Wert mehr haben, sollten neu hergerichtet und auf Elektroantriebe umgerüstet werden.

Dormann, selbst Porscheliebhaber, ist nach wie vor begeistert von dieser innovativen Idee. Er möchte auch, dass die spezielle Karossenform des Porsches in Zukunft noch auf den Straßen zu sehen ist. „Einen fahrenden Prototypen des Elektro-Porsche gibt es schon. Er klingt zwar nicht mehr charakteristisch, wie das Original mit Benzinmotor, doch die Form ist geblieben.“

Durch den Umbau wurde er sogar schneller, weil er nicht mal 1400 Kilogramm wiegt. „In einigen Jahren könnten Aufträge wie dieser öfters vorkommen, da Elektromobilität ein immer größeres Thema wird.“

Johannes Postler

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Neuses