Jahngelände: Neues Stadtviertel gefällt nicht jedem

25.3.2018, 09:00 Uhr
So könnte das Philosophen-Viertel am Jahn in wenigen Jahren aussehen. Im Detail wird noch geändert.

So könnte das Philosophen-Viertel am Jahn in wenigen Jahren aussehen. Im Detail wird noch geändert. © Dignus Immobilien

CSU-Rat Fleckenstein setzte sich bewusst von seinen Vorrednern ab, auch von denen aus der eigenen Fraktion, wie schon vor genau drei Jahren bei einer früheren Beratung: "Ich sehe die Planung nicht ganz so euphorisch." Auf einer Fläche von 30 000 Quadratmetern sollen wie berichtet bis 2021 insgesamt 352 Wohnungen entstehen. Einige Häuser sollten sechs- bis siebengeschossig ausgeführt werden. Das sei "eine für Forchheim ziemlich untypische Extrembebauung in dieser Höhe", sagte Fleckenstein. Er fürchte "sozial negative Auswirkungen angesichts so dichter Bebauung". Womöglich könnten hier 1000 Menschen ein Dach über dem Kopf bekommen. Auch eine Kindertagesstätte wird mit geplant, rund 170 Wohnungen sollen im sozialen Wohnungsbau entstehen.

Fleckenstein kritisierte die von ihm befürchtete "Verschattung und die Beeinträchtigung der Belüftung à la Hochregallager von Kimberly & Clark". Auch prophezeite er Probleme für die benachbarte Folienfabrik wegen des Lärmschutzes. Außerdem sprach er Verkehrsprobleme an, die er für die "relativ kleine Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße" vorhersieht.

Das künftige Philosophenviertel umfasst den Bereich zwischen der Jahn-Kulturhalle (li.) im Westen und der Theodor-Heuss-Allee im Osten (hinter dem rechts anschließenden ATSV-Platz, hier nicht zu sehen). Im Hintergrund die Folienfabrik Infiana.

Das künftige Philosophenviertel umfasst den Bereich zwischen der Jahn-Kulturhalle (li.) im Westen und der Theodor-Heuss-Allee im Osten (hinter dem rechts anschließenden ATSV-Platz, hier nicht zu sehen). Im Hintergrund die Folienfabrik Infiana. © Foto: Roland Huber

Fleckenstein plädierte für eine "sanfte Wohnbebauung", die besser zu Forchheim passe. Ins selbe Horn stieß der Rep-Stadtrat Franz Noffke ("ein Ghetto"). Beide lehnten den Entwurf als einzige ab.

Geschosse reduziert

Andererseits wurden viele verbale Dankadressen an die im Saal anwesenden Vertreter des Investors Dignus verteilt. Wie vom Planungsausschuss am 13. März gewünscht, war bereits im Detail umgeplant worden. So wurden etwa Gebäude- und Geschosshöhen und damit auch die Gesamtzahl der Wohnungen verringert. Außerdem wurde im nördlichen Teil ein zweiter Durchgangsweg vorgesehen.

Sebastian Körber (FDP) wunderte sich über die Kritik "nach so vielen Jahren der Planung". Die Gebäude gegenüber der Folienfabrik seien ja gerade deswegen 21 Meter hoch, damit der Lärmschutz gewährleistet werden kann. Und für den öffentlich geförderten Wohnraum, so Körber, "können Sie sich bedanken".

Ulrich Schürr (JB) stimmte für den Entwurf, meinte aber, die dichte und hohe Bebauung könne "ruhig noch ein wenig reduziert" werden, auch danach werde sie für den Investor "noch wirtschaftlich darstellbar" sein. Manfred Mauser (FBF) vermisste einen "großen Spielplatz für große Kinder: Die zwei Pseudo-Minispielplätze kann ich nicht akzeptieren". Oberbürgermeister Uwe Kirschstein sagte zu, hier noch in Gesprächen mit dem Investor eine Lösung zu finden.

Für Reinhold Otzelberger (SPD) war von vornherein klar, dass angesichts eines "schwierigen Grundstückes" Kompromisse zu schließen sein würden. Aber: "Die dichte Bebauung ist so noch zustimmungsfähig." An den Investor appellierte er, die "Feinplanung so zu gestalten, dass eine Ästhetik herauskommt, die die Wucht der Bebauung etwas abmildert". Für die FGL-Fraktion begrüßte Sabine Dittrich die Bebauung. Aufgrund der Vielzahl von Sozialwohnungen gebe es hier die "Chance, die Bevölkerung aus verschiedenen Schichten zusammenzubringen".

Der Trend, sagte Manfred Hümmer (FW), "geht zur Urbanisierung und damit in die Höhe: Daran muss ich mich auch erst noch gewöhnen". Wie andere Redner auch erinnerte Hümmer daran, dass die Auswirkungen dieses neuen Stadtteils auf den Schulsprengel zu untersuchen seien. Auch dies sagte OB Kirschstein zu.

Der Entwurf wird demnächst im Bauamt zur Einsicht für jedermann ausgelegt (das genaue Datum wird im Stadtanzeiger angekündigt) und den Trägern öffentlicher Belange (also Fachbehörden und Verbände) zur Stellungnahme übermittelt. Danach beraten die Stadträte erneut über mögliche Änderungsvorschläge, die sich bis dahin ergeben haben.

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