Jetzt Nistkästen aufhängen: Forchheimer Experten geben Tipps

7.3.2019, 09:57 Uhr
Eine Kohlmeise fliegt aus einem Nistkasten, um Essen für ihre Jungen zu suchen. Nistkästen leisten einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz.

Eine Kohlmeise fliegt aus einem Nistkasten, um Essen für ihre Jungen zu suchen. Nistkästen leisten einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Jetzt wird es höchste Zeit, die Häuser für die gefiederten Freunde aufzuhängen. Doch sowohl bei der Standortwahl als auch der Reinigung gibt es einiges zu beachten. Der Landesbund für Vogelschutz, Kreisgruppe Forchheim, hat bei zwei Nistkastenwanderungen interessierte Bürger darüber informiert und 30 Nistkästen aufgehängt.

Vogelexperte Gerhard Raab klärte Vogelliebhaber und Gartenbesitzer in Forchheim auf, Günther Eichler im Forchheimer Oberland. Mitgebracht hatten sie selbstgebaute und gekaufte Nistkästen für sämtliche Vogelarten, angefangen bei der Blaumeise bis hin zu großen Wohnungen für die Eulenarten. Wir haben zusammengetragen, was es zu beachten gilt.

Warum sollte man überhaupt Nistkästen anbringen?

Nistkästen im eigenen Garten aufzuhängen, ist ein wichtiger Beitrag zur Unterstützung der Vogelwelt. Leider verschwinden immer mehr alte Bäume, besonders Obstbäume, aus unseren Gärten und unserer Agrarlandschaft. Genau diese brauchen aber unsere Insekten zur Existenz und unsere Vögel, um in deren Höhlen zu brüten.

Wie reinigt man die Nistkästen am besten?

Die alten Nester sollten mit einer Spachtel sauber entfernt und mit einem Handbesen nachgekehrt werden. Eine Desinfektion ist allerdings nicht erforderlich. Bei stark verschmutzten Nistkästen reicht es aus, diese mit klarem Wasser auszuwaschen.

Wie und wo bringt man die Nistkästen am besten an?

Grundsätzlich sollten Nistkästen möglichst in einer Höhe von zwei bis drei Metern angebracht werden und zwar mit Aluminiumnägeln, um den Baum nicht zu schädigen. Am besten angenommen werden die Nistkästen, wenn das Einflugloch nach Westen ausgerichtet ist und das Haus nicht den ganzen Tag der prallen Sonne ausgesetzt ist. Für einige Vogelarten empfiehlt es sich, ein paar Nistkästen erst im April aufzuhängen. Der Trauerschnäpper oder der Gartenrotschwanz kommen erst im späten April oder im Mai aus dem Winterquartier zurück und finden dann allzu oft geeignete Nistkästen schon besetzt vor.

Welche Nistkästen sind für welche Vögel geeignet?

Grundsätzlich bewährt haben sich die Holzbetonnistkästen, die sehr langlebig sind. Wer dann in den Kasten einzieht, bestimmt der Durchmesser des Einfluglochs. Die im Garten wichtigste Vogelart ist die Blaumeise, weil sie alle Blattläuse von den Obstbäumen fressen. Damit die kleinste Meise, die Blaumeise, geschützt ist, braucht es nur ein kleines Einflugloch mit 26 Millimetern Durchmesser. Damit stellt man sicher, dass diesen Nistkasten kein anderer Vogel als die Blaumeise besetzten kann. Nistkästen mit einem Einflugloch Durchmesser 32 Millimeter decken dann schon ein breiteres Spektrum ab und bieten sämtlichen Meisenarten einen Nistplatz. Nistkästen mit 35 Millimeter Einflugloch sind für die Feldsperlinge und Sperlinge ideal.

Warum ist es wichtig, auch ihnen einen Nistplatz zu bieten?

Vogelexperte Günther Eichler erklärt in Sollenberg die verschiedenen Nistkasten-Typen.

Vogelexperte Günther Eichler erklärt in Sollenberg die verschiedenen Nistkasten-Typen. © Foto: Petra Malbrich

Auch die Sperlinge leisten Gartenbesitzern große Dienste, verwerten sie doch eiweißreiche Nahrung, fangen also Raupen und dergleichen. Bleibt noch der Nistkasten mit einem Einflugloch von 47 Millimetern für den Star, wenngleich auch so manche Fachliteratur bereits 45 Millimeter für den schillernden Vogel als ausreichend ansieht. Mit 47 Millimetern Einflugloch wird dem Star der Einflug in das Haus erleichtert. Natürlich frisst der Star auch Insekten, aber der Vogel ist durch sein schillerndes Gefieder und die Stimmenvielfalt auch schön anzusehen und anzuhören.

Warum hat der LBV bei den Wanderungen hauptsächlich Nistkästen für den Wendehals und den Gartenrotschwanz aufgehängt?

Der Wendehals ist der kleinste Specht, ist unauffällig und stark vom Aussterben bedroht. Dabei ist der Wendehals sehr nützlich, frisst er doch sämtliche Insekten. Auch der Gartenrotschwanz ist kaum mehr in den Gärten zu sehen und vom Aussterben bedroht. Um diese beiden Vogelarten zu schützen und zu stärken, unterstützt die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt die Aktion Nistkasten der Forchheimer LBV-Kreisgruppe und stellt Geld für geeignete Nistkästen zur Verfügung. Der Wendehals braucht Nistkästen mit einem Einflugloch von 40 Millimetern Durchmesser und der Gartenrotzschwanz braucht Nistkästen mit einem Langloch. Der Gartenrotzschwanz mag es eben gerne hell in seiner Wohnung.

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