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Ka Annafest in Forchheim: Weniger Stress für's Ordnungsamt

Amtsleiter Klaus Backer im Interview - 01.08.2020 15:00 Uhr

Als Chef des Forchheimer Ordnungsamtes steht Klaus Backer in der Verantwortung, dass das Annafest jedes Jahr ordnungsgemäß abläuft. Bei den Massen, die sich dabei Tag für Tag im Kellerwald versammeln, ist das nicht immer einfach. (Foto von 2019)

© Edgar Pfrogner


Herr Backer, waren Sie in diesen Tagen schon im Kellerwald?

Ja, zwei Mal: am Donnerstag zur Schlachtschüssel und am Samstag.

Wie war Ihr Eindruck?

Meiner Meinung nach kann man im Kellerwald derzeit eine schöne Zeit verbringen. Die Keller sind trotz allem voller als sonst außerhalb des Annafestes. Das mag auch am Wetter liegen, aber ich muss sagen, dass sich die Wirte wirklich Mühe geben, den Gästen etwas zu bieten.

Klaus Backer

© Ralf Rödel


Wie geht es Ihnen damit?

In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Auf der einen Seite bin ich Forchheimer, der natürlich mit Wehmut sein Annafest vermisst. Auf der anderen Seite bin ich derjenige, der da oben seit 23 Jahren die Hauptverantwortung trägt. Als solcher empfinde ich es momentan sehr entspannend. Das habe ich mir erst vergangenen Sonntagmittag gedacht, als die ersten Gewitterwarnungen eingingen. Normalerweise habe ich sonntags immer Festleitung. Dann hätte ich wahrscheinlich mit sämtlichen Wetterdiensten telefoniert und Wettermeldungen gecheckt, um herauszufinden, ob ein starkes Unwetter kommt oder nicht. An diesem Sonntag aber saß ich zuhause auf meiner Terrasse und musste mich darum nicht kümmern. Deshalb muss ich gestehen: Das Herz des Verantwortlichen, der auch den Kopf hinhalten muss, genießt es gerade sehr, dass kein Annafest ist.

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Normalerweise bindet das Annafest auch viele Kapazitäten im Ordnungsamt. Können die Kollegen nun zeitiger in Urlaub gehen?

Sagen wir es mal so, die Kollegen haben zum ersten Mal Zeit, in diesem fast vierwöchigen Zeitraum überhaupt Urlaub zu nehmen. Normalerweise herrscht bei uns in den beiden Wochen vor dem Annafest, an den elf Tagen währenddessen und in der Woche danach Hochbetrieb. Da kann keiner in den Urlaub gehen. Abgesehen davon ist es gut, dass die Arbeit nicht liegen bleibt. Die Regelarbeit ist ja trotzdem da und wird während des Annafestes immer zurückgestellt. Nach dem Fest wird dann versucht, alles wieder aufzuarbeiten. In diesem Jahr staut sich die Arbeit nicht an. Dazu kommt, dass wir aufgrund der Baustellen in der Innenstadt den Weihnachtsmarkt an anderer Stelle planen müssen. Das läuft aktuell noch, obwohl das normalerweise um diese Zeit schon abgeschlossen ist.

Waren die Planungen für das Annafest 2020 bereits abgeschlossen, als klar wurde, dass das Fest abgesagt werden muss?

Ja. Üblicherweise gehen die Bescheide an die Schausteller Anfang Dezember raus. Dann weiß jeder Schausteller, ob er im folgenden Jahr dabei ist oder nicht. Ab diesem Moment, wo das Annafest auf dem Papier steht, passiert bis zur Aufbauphase diesbezüglich wenig. Die Gedanken an das darauffolgende Jahr übrigens beginnen schon mit dem Aufbau des aktuellen.

Das heißt, Sie denken jetzt schon an das Annafest 2021?

Genau. Die Bewerbungsfristen laufen schon. Bis zum 30. September müssen sich alle Schausteller beworben haben. Aber wir haben intern geplant, dass wir das Annafest 2020 auf 2021 spiegeln. Das heißt, wir würden fairerweise die Schausteller, die wir für 2020 zugelassen haben, auch 2021 bevorzugen. Das ist rechtlich nicht ganz einfach, denn wir müssen trotzdem allen Schaustellern die Chance geben, teilzunehmen. Also müssen wir auch jede Bewerbung bewerten und gegebenenfalls ablehnen. Wir können dementsprechend nicht sagen, wir machen jetzt einen Strich drunter und heuer gar nichts mehr in Sachen Annafest, sondern wir sind derzeit ganz normal in den Vorbereitungen.

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Wie es 2021 weiter geht, ist derzeit aber leider noch immer ein Blick in die Glaskugel...

Das stimmt. Glaskugel-Lesen können wir alle nicht. Ich hoffe, dass die Menschen so vernünftig sind, die Abstands-Regeln möglichst einzuhalten, damit wir keinen zweiten Lockdown bekommen und damit wir diese Pandemie irgendwann hoffentlich mit dem dann vorrätigen Impfstoff in den Griff bekommen. Denn wenn eine zweite Welle kommt, dann werden die Karten neu gemischt. Das müssen wir unbedingt vermeiden und da müssen wir alle wohl noch lange vernünftig sein.

 

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