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Donnerstag, 22.10.2020

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"Keine Zauberei, sondern gute Arbeit"

Ebermannstädter Bayern-Fanclubvorsitzender Stefan Kemmerth über den Siegeszug seines Vereins unter Hansi Flick - 20.08.2020 16:05 Uhr

Die Ansprache ist das Erfolgsrezept von Bayern-Trainer Hansi Flick (Mitte), findet Fanclub-Vorsitzender Stefan Kemmerth: „Er hält alle Spieler bei Laune.“


Nur noch ein Schritt fehlt zum Triple: Nach dem 8:2 gegen den FC Barcelona und dem 3:0 gegen Olympique Lyon steht der FC Bayern München erstmals seit 2013 wieder im Finale der Fußball-Champions-League gegen Paris Saint-Germain mit den Superstars Neymar und Mbappe. Die "Rot-Weißen Ebs’er" fiebern aus der Distanz mit.

Herr Kemmerth, Sie müssen doch angesichts der Ergebnisse und Leistungen der vergangenen Monate auf Wolke sieben schweben . . .

Kemmerth: Ja, das ist schon schön anzuschauen und fühlt sich gut an.

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Jetzt ist der Traum vom Triple genau noch einen einzigen Sieg entfernt: Der FC Bayern München schlägt Olympique Lyon mit 3:0 und steht damit am Sonntag im Finale der Königsklasse. Dann kommt es zum deutschen Trainer-Duell mit Thomas Tuchel und Paris St. Germain. Für den Rekordmeister wäre es nach 2013 das zweite Triple der Vereinsgeschichte.


Kemmerth: Ja, das habe ich vor kurzem gelesen. Das war vor etwa acht Monaten. Seitdem gab es fast nur noch Siege, vor allem in der Champions League.

Was macht Hansi Flick anders als sein Vorgänger Niko Kovac? Wie hat er den vergleichsweise schlecht in die Saison gestarteten Rekordmeister wieder auf Kurs gebracht?

Kemmerth: Ich war im Gegensatz zu einigen anderen von Anfang an positiv gestimmt. Denn meines Erachtens war er beim deutschen WM-Titel 2014 der eigentliche Trainer im Hintergrund und hatte mehr Anteil am Erfolg als Joachim Löw. Denn als Flick ging, ließ die Nationalmannschaft stark nach.

Aber dass er bei seiner ersten Cheftrainer-Station in der Bundesliga bei den Bayern gleich so einschlägt – war das zu erwarten?

Kemmerth: Dass er so schnell nicht nur den Erfolg, sondern auch diese Dominanz wieder brachte, war schon überraschend. Aber er geht mit den Spielern ganz anders um als Kovac, redet viel und hält alle bei Laune. Das ist keine Zauberei, sondern gute Trainerarbeit. Ein Beispiel für die neue Harmonie im Team war eine Szene aus dem Lyon-Spiel: Da hat Ivan Perisic einen leichtfertigen Fehlpass gegeben und damit eine Chance des Gegners eingeleitet. Im gleichen Moment hat er eine entschuldigende Geste zum Trainer gemacht – bei Kovac hätte es das nicht gegeben.

Seit 2009 gibt es den FC-Bayern-Fanclub „Rot-Weiße Ebs‘er“. Vorsitzender Stefan Kemmerth und sein Team haben inzwischen die 100-Mitglieder-Grenze überschritten – und dürfen in einer der erfolgreichsten Phasen der ohnehin mit Titeln gespickten Vereinsgeschichte ihre Mannschaft nicht im Stadion anfeuern.

© Foto: privat


Und ausgerechnet bei diesem "Lauf" bleiben die Fans ausgesperrt. Wie schwer ist das für Sie?

Kemmerth:  Das ist schon hart. Vor allem jetzt, wenn wir als Fanclub Spiele zusammen anschauen wollen. Das muss ja meist im privaten Umfeld stattfinden, aber auch da müssen wir ja Abstand halten und dürfen uns beim Torjubel nicht in den Armen liegen. Da kann man nicht mit 70 Mann in einem engen Raum feiern. Die Meisterschaft und den Pokalsieg habe ich heuer wegen Corona schon ganz anders empfunden als sonst.

Wie machen Sie das am Sonntag?

Kemmerth:  Gleich nach dem Sieg gegen Lyon haben mich die ersten Mitglieder gefragt. Ganz sicher bin ich mir auch nicht. Vermutlich gehen wir in einen Biergarten, in dem aber parallel auch der normale Wirtshausbetrieb läuft. Ich hoffe, das klappt so, wie ich mir das vorstelle.

Wie oft sind denn die "Rot-Weißen" aus Ebermannstadt außerhalb der Corona-Zeit im Stadion?

Kemmerth: In der abgelaufenen Saison, die ja ziemlich verkürzt war, sind wir drei Mal mit einem Bus nach München gefahren, viele fahren natürlich auch privat in kleineren Gruppen. Ich selbst war 2001 als 15-Jähriger beim Champions-League-Sieg in Mailand gegen Valencia dabei – unvergesslich natürlich. Auch für London 2013 habe ich mich um ein Ticket beworben, aber leider keines bekommen.

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Der Triple-Traum lebt weiter: Der FC Bayern setzt sich im Halbfinale trotz anfänglicher Fehler letztlich deutlich mit 3:0 gegen Olympique Lyon durch und trifft im Endspiel auf das Pariser Starensemble von Thomas Tuchel. Die internationale Presselandschaft zeigte sich voller Vorfreude auf das nun bevorstehende dritte deutsch-französische Duell in dieser Woche.


Jetzt heißt es also Daumendrücken aus der Ferne. Wie sehen Sie die Chancen gegen Paris Saint-Germain?

Kemmerth:  Eigentlich müsste PSG den Bayern besser liegen als beispielsweise Lyon. Paris will selbst Fußball spielen mit seinen drei Topleuten im Sturm. Bei Lyon hat man nach dem 0:1 gesehen, dass es kein Konzept hat, wenn es selbst das Spiel machen muss. Das wird nach den zwei klaren Siegen zuletzt mit Sicherheit ein ganz enges Ding, wobei es besonders auf die Abwehr ankommen wird. Die darf nicht solche Fehler machen wie in den Anfangsphasen der beiden jüngsten Partien. Wenn PSG in Führung geht, wird es ganz schwer.

Und wie lautet Ihr Tipp?

Kemmerth: Ich tippe auf einen 2:1-Sieg der Bayern nach einem offenen Schlagabtausch. Mich stimmt positiv, dass die Mannschaft unter Flick immer den Kampf angenommen hat. Er wäre dann der Trainer, der am schnellsten ein Triple gewonnen hat.

Zum Schluss die klassische Frage an einen Bayern-Fan aus der Fränkischen Schweiz: Mit den fränkischen Fußballvereinen können Sie offenbar nicht viel anfangen, oder?

Kemmerth:  Ich persönlich halte es eher mit den Fürthern, die aus ihren bescheidenen Mitteln relativ viel herausholen als mit dem Club, der sein Potenzial immer wieder verschwendet. Aber der gesamte Fanclub wird heuer schon mehr auf den Club schauen: Denn der hat sich fürs Tor den Torwart Christian Früchtl ausgeliehen. Der kommt nicht nur vom FC Bayern, sondern ist zudem noch ein halber Ebermannstädter: Seine Mutter ist in "Ebs" gebürtig.

INTERVIEW: HOLGER PETER

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