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Kirchen um Forchheim: Mit Lichterketten und Ohrwurm gegen einsame Corona-Zeiten

Ungewohnte Situationen für Seelsorger - Ungewöhnliche (Glaubens-)Angebote sind gestartet - 22.03.2020 16:56 Uhr

Das Pastoralteam des katholischen Seelsorgebereichs Forchheim-Mitte hatte die Idee, täglich Gottesdienste live im Internet übertragen. Die Kirche ist währenddessen verschlossen.

22.03.2020 © Screenshot www.ssb-fo-mitte.de


Der Seelsorgebereich Forchheim-Mitte der katholischen Kirche besteht aus den drei Pfarreien St. Martin in Forchheim, St. Ottilie und Johannes der Täufer in Kersbach und Verklärung Christi Forchheim – und umfasst rund 6000 Katholiken. Doch zusammenkommen dürfen sie derzeit wegen des Coronaviruses nicht.

„Eigentlich ist der komplette kirchliche Bereich stillgelegt“, sagt Martin Emge, katholischer Pfarrer des Seelsorgebereichs Forchheim-Mitte. Auch für ihn ist diese Situation völlig neu: „Das ist sehr ungewohnt, denn gerade die Seelsorge der Kirche ist ja ganz persönlich, mit Hausbesuchen und Begegnungen.“

„Schlimm, wenn Menschen jetzt alleine sind“

„Eigentlich ist der komplette kirchliche Bereich stillgelegt“, sagt Martin Emge, katholischer Pfarrer des Seelsorgebereichs Forchheim-Mitte. Auch für ihn ist diese Situation völlig neu: „Das ist sehr ungewohnt, denn gerade die Seelsorge der Kirche ist ja ganz persönlich, mit Hausbesuchen und Begegnungen.“ Er möchte weiterhin für die Menschen da sein. „Es wäre schlimm, wenn Menschen jetzt ganz alleine sind“, sagt er.

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Gesuche an die Pfarrei und telefonische Gespräche sind weiterhin rund um die Uhr möglich. Zudem sind Kirchenvertreter mit sozialen und evangelischen Einrichtungen vernetzt und helfen beim Organiseren von Einkaufs-, Hol- und Bringhilfen mit. Der Sozialladen der Caritas habe aktuell auf fertig gepackte Beutel umgestellt, damit Ärmere weiter einkaufen können.


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Die Kirchen sind außerdem geöffnet: Wem es nicht gut geht und wer dringend in der Kirche beten möchte - und dabei genügend Sicherheitsabstand zu anderen Gläubigen einhält - könne kommen. Dort ist auch eine Gedenktafel aufgestellt. „Dort können Gläubige ihre Anliegen an eine Pinnwand heften“, erklärt Emge. Die Krankensalbung praktiziert er weiterhin – unter Beachten der Hygienevorschriften, betont er. „Auch die Beichte ist mit genügend Abstand möglich, in der Kirche oder im Pfarrhaus“, sagt Emge. Doch größere Menschenansammlungen seien zu vermeiden. „Es ist wichtig, die Maßnahmen des Staates einzuhalten“, betont er, „um unter allen Umständen eine weitere Ausbreitung des Viruses zu vermeiden“.

Gottesdienst live im Internet

Das Pastoralteam des Seelsorgebereichs hatte eine Idee: Warum nicht die Messfeiern im Internet übertragen? Nun werden täglich, auch sonntags, Gottesdienste live im Internet übertragen - gefeiert vom Pastoralteam des Seelsorgebereichs. Die Kirche ist in dieser Zeit geschlossen. „Wir wollen nicht, dass es die Versuchung gibt und dann doch mehr Menschen kommen.“

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Neben dem Live-Stream gibt es im Netz unter https://ssb-fo-mitte.de/corona-angebote die Möglichkeit, die aufgezeichneten Gottesdienste auch im Nachhinein anzusehen. Auch eine Liste mit Links zu weiteren Webseiten mit Live-Streams und Gottesdienstangeboten wird dort gepflegt. Zudem werden dort geistliche Impulse und Gebetshilfen eingestellt.

"Auch kuriose Angebote"

Unter dem Punkt „Corona inspiriert“ bietet die Kirche „kreative, manchmal auch kuriose Angebote an“, wie sie auf ihrer Homepage schreibt. In der Liste findet sich das YouTube-Video eines Schweizer Magazins mit dem Ohrwurm „I can't get no disinfection“, Vorlagen von Illustratoren, mit denen Eltern ihre Kinder beschäftigen können und eine Comicreihe.

Zudem gibt es den Aufruf, jeden Abend um 20 Uhr für eine Stunde eine gut sichtbare brennende Kerze ins Fenster zu stellen und während dieser Zeit etwas zu beten, zum Beispiel das Vaterunser, Ave Maria, Rosenkranz oder Kreuzweg. So ergibt sich von Fenster zu Fenster eine Lichterkette. „Die vielen Ideen, die da entstehen, das ist total schön zu sehen“, freut sich Emge.

"Eingriff des Staates, der diskutiert werden muss"

Die evangelische Kirchengemeinde St. Johannis teilt in einer Pressemitteilung mit, dass die St.-Johannis-Kirche offen bleibt, aber alle Versammlungen der Kirchengemeinde entfallen. „Staatlicherweise wurden alle Gottesdienste verboten.

Letzteres stelle einen noch nie dagewesenen Eingriff in das kirchliche Leben dar, der noch diskutiert werden muss“, heißt es weiter. Inwieweit in St. Johannis sonntags Andachten, Gebetszeiten oder Kirchenmusik anberaumt werden, die im Internet abgerufen werden können, werde derzeit geklärt.

Auch in der evangelischen Kirchengemeinde Affalterthal-Bieberbach entfallen derzeit Gottesdienste und alle anderen Angebote. „Wir werden keine Geburtstagsbesuche mehr machen, sondern telefonisch gratulieren“, teilt Pfarrer Michael Maul mit.

Er hofft, dass die Menschen einen kühlen Kopf bewahren und „die geforderte Einschränkung leben“. „Das ist bei uns auf den Dörfern vielleicht sogar schwieriger als im städtischen Kontext. Wir müssen Wege finden, wie wir uns gegenseitig unterstützen können, ohne uns zu treffen“, betont er.

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Der Pfarrer ruft dazu auf, jeden Mittag um 12 Uhr, wenn die Glocken läuten, gemeinsam füreinander und die Welt zu beten. Er ist außerdem telefonisch jederzeit erreichbar unter (0173) 5181083 und appelliert: „Scheuen Sie sich nicht, mich anzurufen, wenn Sie jemanden zum Reden oder Beten brauchen oder sonstige Anliegen haben.“

Auch im Evangelisch-Lutherischen Dekanat Forchheim pausiert das kirchliche Leben. Nur Krankenbesuche seien auf Anfrage möglich. „Alle diese Maßnahmen fallen uns sehr schwer, da wir gerne diese Gottesdienste und weitere Veranstaltungen anbieten würden, diese aber aufgrund unserer ethischen Verantwortung für die Sicherheit der Menschen entfallen müssen“, teilt Dekan Günther Werner mit.

"Ich will meinen Altar sehen"

Er empfiehlt Gläubigen neben Gottesdiensten in Radio, Fernsehen und Internet, die persönliche Andacht zuhause neu zu entdecken und zu praktizieren. Hilfen dazu seien im Gesangbuch, dem Losungsbuch und in biblischen Texten zu finden. Anteilnahme gelte neben Kranken und Menschen in Unsicherheit auch allen, die „erhebliche bis existenzbedrohende Einbußen haben werden“. Das Angebot zur Seelsorge werde gerade hier besonders benötigt.

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„Besuche entfallen, Geburtstagsgrüße gibt es derzeit nur per Post“, sagt Stefan Berner, evangelischer Pfarrer in Ebermannstadt. Er überlegt, ob man nicht den Gottesdienst filmen und ins Internet stellen könne. „Es gibt zwar im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Gottesdienst-Übertragungen, aber für viele ist die eigene Kirche vor Ort wichtig. Die sagen, ich will meinen Altar sehen.“ Allerdings sei das Filmen oder Streamen „technisch nicht so einfach“.

"Fehlt mir ungemein"

Pfarrer Stefan Berner ist aber telefonisch unter (09194) 310 erreichbar. Die Gemeinde mache sich auch durchaus Sorgen, dass gerade Ältere als Risikogruppe nun ziemlich isoliert seien. „Wir als Kirche wollen für Menschen in schwierigen Situationen da sein. Die Trost spendende Hand auf der Schulter, die fehlt nun.“

„Der Kontakt mit den Menschen fehlt mir ungemein“, sagt Klaus Weigand, katholischer Pfarrer im Seelsorgebereich Hausen-Heroldsbach. Er ist telefonisch unter (0175) 1231576 erreichbar und praktiziert Krankensalbungen, wie es der Erzbischof auch erlaubt hat – aber ansonsten hat er keinen persönlichen Kontakt zu seiner Gemeinde.

„In die Kirche, die weiterhin offen ist, kommen sehr vereinzelt Menschen. Wenn ich zum Absperren komme, sehe ich nur immer mal wieder eine neu angezündete Opferkerze“, sagt er. Der Pfarrer wünscht sich, dass die Gesellschaft zusammenhält. „Ich bete für die Menschen und hoffe, dass wir das gemeinsam durchstehen.“  

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